17.08.2020 - 11:48 Uhr
AmbergOberpfalz

Diskussion über Straßennamen in Amberg: Ehre für die Falschen?

Die Debatte über Straßennamen in Amberg geht weiter: Am Donnerstag soll sich der Ferienausschuss des Stadtrates mit dem Thema beschäftigen. Zur Diskussion steht mittlerweile nicht nur der Hindenburgplatz.

Auch dieser Straßenname steht zur Diskussion: Die Sven-Hedin-Straße in Amberg.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Wie geht die Stadt Amberg mit den Namen von Straßen und Plätzen um, die aus heutiger Sicht problematisch erscheinen? Die SPD hatte vor einigen Tagen die Diskussion mit dem Vorschlag eröffnet, den Hindenburgplatz (das Areal gegenüber dem Wingershofer Tor) umzubenennen. Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847 bis 1934), so heißt es zur Begründung, habe Adolf Hitler zur Macht verholfen. Stattdessen solle der Platz besser nach "Rekordstadträtin" Josefine Rupprecht benannt werden. Sie gehörte dem Amberger Stadtparlament bereits vor dem Dritten Reich und danach an.

Die Diskussion hat an Dynamik gewonnen, nachdem die Gruppierung Amberger Bunt ebenfalls Handlungsbedarf erkannte. Und die ÖDP hat sogar einen offiziellen Antrag an den Stadtrat gestellt - mit einer Art Kompromissvorschlag. Demnach sollen zunächst alle Namensgeber überprüft werden. So soll festgestellt werden, welche davon „durch ihr Wirken eine Gesinnung zum Ausdruck brachten, die den Werten unseres Grundgesetzes zutiefst widerspricht“.

Diese Straßen und Plätze sollten dann aber nicht einfach umbenannt werden. Vielmehr plädiert die ÖDP dafür, die dazugehörigen Straßenschilder durch kritische Anmerkungen zu ergänzen. Denkbar seien Zusatzschilder oder QR-Codes. Auf diese Weise, so wird Stadtrat Josef Witt in einer Pressemitteilung zitiert, könne deutlich gemacht werden, dass sich die Stadt heute „von diesen problematischen Persönlichkeiten und ihrem rassistischen Menschenbild“ distanziere. Beispielhaft führt die ÖDP zwei Namen an: den Lüderitzplatz (Areal zwischen Staatlichem Forstamt und Stadtgraben) und die Wissmannstraße am Stadtrand Richtung Krumbach.

Nun steht die Namensdiskussion auf der Tagesordnung des am Donnerstagnachmittag tagenden Ferienausschusses (15 Uhr, Großer Rathaussaal). Die Beschlussvorlage sieht die Gründung einer "Kommission zur Erarbeitung einer generellen Richtlinie für den Umgang mit Anträgen zur Benennung bzw. Umbenennung von Straßen und Plätzen" vor. Die Kommission soll insbesondere klären, ob und wie sich Sichtweisen zum Namensgeber im geschichtlichen Kontext geändert haben und in welcher Art und Weise diese Änderungen öffentlich dokumentiert werden können. Beispielhaft wird ein erklärender Hinweis am Straßenschild genannt.

"Dabei ist auch zu erarbeiten, welche Auswirkungen dies für die Stadt Amberg und die anliegenden Bürger im Bereich Kosten und Aufwand bedeutet", heißt es in der Beschlussvorlage weiter. Die Ergebnisse sollen dem Stadtrat als Grundlage für eine Leitlinie im Umgang mit Anfragen zu Straßenumbenennungen und künftigen Straßenbenennungen vorgelegt werden. Auch zur Besetzung der Kommission gibt es bereits einen Vorschlag. Dem Gremium sollen neben dem Oberbürgermeister Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger und Wolfgang Babl von der Stadtplanung angehören. Die Fraktionen und Ausschussgemeinschaften werden gebeten, historisch sachkundige und interessierte Mitglieder als Teilnehmer zu benennen. "Um eine effektive Arbeitsweise zu ermöglichen" sollten nicht mehr als drei politische Mitglieder benannt werden.

Die Stadtverwaltung weist in ihrer Beschlussvorlage auch darauf hin, dass Straßenumbenennungen aus Sicht der betroffenen Bürger und Gewerbetreibenden meist negativ gesehen würden, "da neben den verbundenen Kosten auch ein hoher bürokratischer

Aufwand zu bewältigen ist, der einem Umzug gleichzusetzen ist". Zuletzt wurde in Amberg im Jahr 2008 nach langer Diskussion die Johannes-Stark-Straße in die Heinrich-Hertz-Straße umbenannt. Die Umbenennung der Straße war damals mit Kosten in Höhe von 110.000 Euro für die Stadt Amberg verbunden.

Die SPD macht gegen den Hindenburgplatz in Amberg mobil

Amberg

AZ-Redakteur Markus Müller hält die Forderung der Amberger SPD für gerechtfertigt

Amberg

Problematische Straßennamen in Amberg: Die Liste der Stadtverwaltung

Amberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.