23.06.2021 - 17:23 Uhr
AmbergOberpfalz

Delta-Variante auf dem Vormarsch: Erster Infizierter aus Amberg erzählt

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Die Delta-Variante ist in der Oberpfalz angekommen. Gefährlich? Der erste Amberger, der sich damit infiziert hat, spricht von einem milden Verlauf. Ein Regensburger Experte sieht keinen großen Grund zur Sorge - wenn man geimpft ist.

Die in Europa zugelassenen Corona-Impfstoffe (im Bild Biontech/Pfizer) schützen alle auch gegen die Delta-Variante, die nun auch in der Oberpfalz angekommen ist. Das sagt der Regensburger Experte Prof. André Gessner.
von Julian Trager Kontakt Profil

Als der Amberger Markus Tauber mitgeteilt bekam, dass er sich mit der Delta-Variante infiziert hatte, war er bereits wieder gesund. Einen Tag vor dem Ende seiner 14-tägigen Quarantäne erhielt er die Info vom Gesundheitsamt. "Die einzige Sorge war, ob nun meine Quarantäne verlängert wird", sagt Tauber heute. Wurde sie nicht, einen Tag später durfte er wieder aus dem Haus. Der 47-jährige Amberger ist wohl der erste, der sich in der Nordoberpfalz mit der Delta-Variante infiziert hat.

Die als ansteckender geltende Mutation ist nun auch in der Oberpfalz angekommen. Studien zeigen, dass die neue Variante deutlich ansteckender ist, um 40 bis 50 Prozent, sagt Prof. André Gessner vom Regensburger Institut für Mikrobiologie. Muss man sich deswegen Sorgen machen? "Für nicht geimpfte Menschen sind die Sorgen berechtigt", meint Gessner. Geimpfte hätten einen guten Schutz. Die Verläufe seien ähnlich zu den anderen Varianten, sie reichen von symptomlos über mild bis schwer.

"Richtige Gliederschmerzen"

Markus Tauber weiß nicht, wo und wann genau er sich angesteckt hat. Aber beim dreitägigen Familienausflug im Serengeti-Park im niedersächsischen Hodenhagen fühlte er sich nicht gut. Halsweh am einen Tag, dann verschleimt und Rückenschmerzen. "Aber nicht die Rückenschmerzen wie nach langen Autofahrten, sondern richtige Gliederschmerzen." Daheim ein Schnelltest, der positiv ausfiel. Zur Vergewisserung einen zweiten hinterher - wieder positiv. Anruf beim Gesundheitsamt, PCR-Test, wieder positiv, Quarantäne. Und erst später die Mitteilung, Delta-Variante.

"Ich hatte aber kein Fieber, kein Husten, es war ein milder Verlauf", sagt Tauber, dem es wieder gut geht. Der Amberger wunderte sich, dass sich seine Frau und seine Tochter nicht auch infiziert hätten, schließlich gelte die Delta-Variante ja als hochansteckend - und die Familie saß bei der Heimfahrt aus dem Urlaub knapp fünf Stunden gemeinsam im Auto.

"Im Einzelfall ist es ganz schwer vorherzusagen, wer wie viele andere ansteckt", erklärt der Regensburger Professor André Gessner dazu. Aber fünf Stunden im Auto ist schon eine Ausnahme." Da sei die Wahrscheinlichkeit schon hoch, jemanden anzustecken.

Trotz insgesamt sinkender Corona-Zahlen ist die Delta-Variante in ganz Deutschland auf dem Vormarsch. Nachdem bereits mehrere Bundesländer gemeldet haben, dass der Anteil der Variante an den Neuinfektionen zuletzt spürbar gestiegen ist, wurden für Mittwochabend neue Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) erwartet. Es ist damit zu rechnen, dass sich die zunächst in Indien entdeckte Mutante in vielen Teilen Deutschlands weiter ausgebreitet hat - wenn auch auf niedrigem Niveau.

Der Virologe Christian Drosten plädiert angesichts der Entwicklung dafür, das Bewusstsein für die Bedeutung der Impfung zu stärken. "Das ist wirklich das, was wir jetzt machen müssen", sagte der Experte der Berliner Charité im Podcast "Coronavirus-Update" (NDR-Info). Er legte sich nicht fest, ob es wegen der Ausbreitung der Delta-Variante bereits im Sommer oder erst im Herbst zu einer Trendumkehr kommen könnte. Im Herbst werde die Inzidenz auf jeden Fall wieder steigen, sagte Drosten und betonte die Wichtigkeit der Impfung bei Eltern von Schulkindern.

Bald Delta-Dominanz in Ostbayern

"Wir müssen einfach schnell impfen", lautet der Appell des Virologen. Reiche dies nicht, müsse man erneut mit Kontaktbeschränkungen gegensteuern. "Aber es gibt auch gute Gründe zu denken, dass das in Deutschland nicht notwendig wird." In England, wo sich die Corona-Lage wegen der Delta-Variante wieder verschlechtert hat, sei die Inzidenz ausgehend von einem Niveau von 25 wieder angestiegen. "Man hatte nicht so weit runtergebremst, wie wir das in Deutschland schon gemacht haben."

Am Dienstag meldeten mehrere Bundesländer, dass der Anteil der Variante auch bei ihnen gestiegen sei. In Bayern hat sich die Zahl der bestätigten Infektionen mit der Delta-Variante im Verlauf einer Woche fast verdoppelt - von 132 auf 229 Fälle, wie Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) mitteilte. In einzelnen Laboren betrage der Anteil inzwischen fast ein Viertel.

André Gessner vom Institut für Mikrobiologie in Regensburg geht davon aus, dass die Delta-Variante bald auch in der Oberpfalz dominierend sein wird. „Spätestens im Herbst kommt auch in unserem Raum die Delta-Dominanz“, sagt er. In seinem Institut sequenziert und testet Gessner Virusproben aus dem gesamten ostbayerischen Raum. „In den letzten Wochen hatten wir 100 Prozent die Alpha-Variante. Jetzt haben wir aber die ersten beiden Fälle, die nach Delta aussehen.“ Noch seien es Einzelfälle. Aber dass die neue Variante bald flächendeckend auftritt, sei vorhersehbar. „Die stärkere Variante setzt sich durch“, sagt Gessner. Delta sei um 40 bis 50 Prozent ansteckender als die Alpha-Variante – aber nicht gefährlicher.

Gessner ist optimistisch. „Es besteht kein Grund zur Panik.“ Aber die Menschen sollten sich Impfen lassen. "Die gute Botschaft ist, dass das Virus nicht so wild mutiert wie befürchtet." Zudem sehe es so aus, dass alle Mutanten von den Impfstoffen erwischt werden. "Impfen ist die beste Methode, die Pandemie zu bewältigen, wahrscheinlich auch die einzige." (mit Material von dpa)

Der erste Delta-Fall in Amberg

Amberg

 

 

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