28.05.2020 - 14:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Nach Corona-Lockerungen im Innenraum: Wirte vermissen viele "vertraute Gesichter"

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Mit der Öffnung der Innenräume von Wirtschaften sollte wieder etwas Normalität in die bayerische Gastronomie einkehren. Noch bleiben die Gäste aus, wie Beispiele aus der Region Amberg-Sulzbach zeigen. Jetzt hofft man auf die Pfingstferien.

Viele Plätze bleiben in diesen Tagen in Cafés und Gaststätten leer. Seit den Lockerungen der Coronamaßnahmen im Gastroinnenraum seit Montag vermissen die Wirte "vetraute Gesichter" und Stammkunden.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Für die Pfingstferien ist der Geschäftsführer des Café Kult in Amberg, Sebastian Weiß, „verhalten optimistisch“. Denn obwohl es in den vergangenen Tagen eher kühl und regnerisch war und seit Montag bayerische Gastronomen wieder im Innenraum bewirten dürfen: Die Gäste blieben daheim. „Es fehlen viele vertraute Gesichter“, sagt Weiß. Woran das liegt? „Wollen sich die Gäste nicht von maskiertem Personal bedienen lassen? Ist es die Angst, weil sich einige Gäste eines Lokals in Niedersachsen angesteckt haben?“

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Die Entscheidung der Staatsregierung, dass Wirte ihre Gäste wieder nach Innen bitten können, sei begrüßenswert gewesen, sagt Weiß. „Das macht uns wetterunabhängig.“ Von einer Euphoriewelle oder gar der Vorstellung, alte Zustände wiederherzustellen, sei man aber weit entfernt. Also hofft er aufs lange Pfingstwochenende. „In den Ferien fahren viele nicht weg, aber haben trotzdem Urlaub. Vielleicht besucht man dann wieder mehr die lokale Gastronomie“, hofft er.

Weniger Tische im Innenraum

Weiß ist glücklich, dass sich das Café Kult „auf der Terrasse richtig ausdehnen kann“. Innen geht das freilich nicht. Statt 35 Tische sind es jetzt 18, an denen sich Gäste niederlassen können. „Optisch ist das nicht so toll. Es sieht etwas verloren aus“, sagt Weiß. Im Sommer sei es dennoch wichtig, auch Innen eine Sitzgelegenheit anzubieten, weiß er aus Erfahrung. „Gerade Ältere essen gern drin, wenn es draußen um die 35 Grad hat.“

Eine Pfingstdult "to go"

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„Der Überlebenskampf ist für die Gastwirte nicht vorbei“, sagt der Oberpfälzer Geschäftsstellenleiter des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, Matthias Artmeier, über die Lockerungen für den Innenbereich. „Natürlich sind viele froh darüber, weil es ein Stück mehr Normalität bedeutet.“ Erfolgreiches Wirtschaften sei jedoch in den allerseltensten Fällen möglich.

Artmeier weiß von einigen Mitgliedern, dass sie darauf verzichten, ihr Lokal zu öffnen. „Weniger Gäste und weniger Umsatz stehen einem Mehr an Personal und Aufwand gegenüber. Für manche verursacht es weniger Kosten, das Lokal ganz geschlossen zu halten.“ Sein Verband erhielt die Rückmeldung, dass sowohl in Städten als auch am Land die Gäste nur sehr verhalten kommen. „Gerade Ältere meiden gerade die Gastronomie. Nach den Öffnungen der Biergärten kamen im Vergleich mehr.“

Artmeier hofft, dass die Appelle seines Verbands in der Politik Gehör finden. „Ein Schnitzel, das in den vergangenen Wochen nicht gegessen wurde, wird auch nicht in den kommenden Tagen ausgeglichen. Der Gast bestellt keine fünf Schnitzel.“ Zwar sei die Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes schon ein Anfang. Aber: „Es braucht weitere Finanzhilfen, die nicht zurückgezahlt werden müssen, damit viele Wirte die Gesetzesänderung überhaupt erleben.“

Gaststätten ohne Laufkundschaft

Ein Problem sieht Artmeier vor allem auch für Gaststätten am Land: „Dort, wo es keine Laufkundschaft gibt und die Gäste gezielt hingehen müssen.“ Sie seien es, deren Hauptstandbein mit der Ausrichtung von Hochzeitsgesellschaften oder Tagungen komplett weggefallen ist.

Das Hotel und der Gasthof zur Post von Christine Pesold in Königstein „liegt in einem schönen Wandergebiet“, wie sie sagt. Doch Radler, Motorradfahrer und Erholungssuchende hätten sich in den vergangenen Tagen nur selten hier gezeigt. Und manche Wanderer hätten gleich eine eigene Brotzeit mit auf die Tour genommen. „Wir sind nicht überlaufen worden“, sagt Pesold.

Vier Gaststätten seien es in Königstein, die um die wenigen Tagestouristen oder Geschäftsreisenden, die auch merklich weniger geworden sind, buhlen würden. Zwar habe ihr Lokal auch Essen „to go“ angeboten, doch das brachte nur geringe Einnahmen. „Dann haben wir mit Draußen gestartet“, erzählt die Gastronomin.

"Beruf und Leidenschaft"

Doch das Wetter machte einen Strich durch die Rechnung. „Es war zu kalt und regnerisch, um sich hinzusetzen. Ein paar Kletterer waren da.“

Das Lokal ganz geschlossen zu halten, kam für den Familienbetrieb nicht infrage. „Die Gastronomie ist unser Beruf, unsere Leidenschaft.“ Natürlich hofft jetzt auch Pesold, dass sich die Oberpfälzer am Pfingstwochenende und den Ferien schöne Ausflugsziele in der Heimat suchen. „Ich wünsche mir ein volles Haus, soweit das möglich ist. Denn die Arbeit mit Gästen macht deutlich mehr Spaß.“

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