22.05.2020 - 19:27 Uhr
AmbergOberpfalz

Corona, die Bombe und die Stadt im Glück

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"Virus und wir" – so heißt die Kolumne, in der Redaktionsmitglieder von Oberpfalz-Medien ihre Gedanken zur Coronakrise aufschreiben. Da kann – wie diese Woche in Amberg – auch mal eine Bombe reinplatzen und für Nachdenklichkeit sorgen.

Fingerzeig auf eine ans Tageslicht beförderte Stabbrandbombe - das helle, rohrförmige Teil in der Bildmitte. Oberhalb links liegen Stahlteile, die als Gewichte dienten, neben der Bombe sieht man ein Bajonett und ganz hinten rechts den verrosteten Lauf eines Karabiners. Die befürchtete Fliegerbombe enthielt der Amberger Untergrund dann aber doch nicht.
von Markus Müller Kontakt Profil

Doch keine Fliegerbombe, also keine Evakuierung, keine Entschärfung, kein Zittern. Alles wieder gut, Mund abputzen, weitermachen, Sache schnell vergessen. Kann man so sehen, muss man aber nicht. Man kann sich auch Gedanken drüber machen, welch gewaltiges Glück Amberg am Mittwoch hatte, als die vermutete Fliegerbombe am Bergsteig sich als eher harmlose Stabbrandbombe erwies. Denn die Evakuierung von 1200 Stadtbewohnern und 300 Kümmersbruckern wäre unter Corona-Bedingungen abgelaufen. Also mit Masken und Abstandsregeln.

Und wer von den Evakuierten nicht anderweitig unterkommt, sitzt dann im ACC oder in der Turnhalle des Gregor-Mendel-Gymnasiums. Man kann sich gut vorstellen, zu welch bösen Blicken hier jeder Husterer oder Nieser geführt hätte. Abstand hin, Abstand her. Und an die daraus resultierenden Quarantäne-Maßnahmen, falls ein Corona-Infizierter dabei gewesen wäre, mag man gar nicht denken.

Aber vielleicht war das auch ein Glück, das man sich verdienen musste. Durch einen wohldurchdachten Umgang der zuständigen Behörden mit der Angelegenheit. Durch die Bereitschaft von 300 Ehrenamtlichen, bei der Evakuierung mitzuwirken. So etwas zeigt auch: Selbst wenn sich in Zeiten der Pandemie viele Menschen seltsam benehmen (vorsichtig ausgedrückt), so hat unsere Gesellschaft doch immer noch eine gewaltige Kraft, die sie im Innersten zusammenhält.

Warum der Bombenfund am Bergsteig glimpflich abging

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