19.04.2021 - 18:56 Uhr
AmbergOberpfalz

Citybusse fahren trotz der Pandemie auch in der Nacht

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Wie passt das zusammen, wenn mitten in der Nacht, lange nach Beginn der Ausgangssperre, die Citybusse durch die Stadt "rumpeln"? Einige Bürger schütteln den Kopf, vom Zweckverband Nahverkehr (ZNAS) kommt eine Erklärung.

Wenn keine Schüler von A nach B transportiert werden müssen, ist der Citybus oft ziemlich leer unterwegs. Das ist während der Corona-Pandemie nicht unbedingt besser geworden.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Als Horst F. (Name geändert) an einem frühen Sonntagmorgen gegen 1.30 Uhr aufwacht und aus dem Fenster schaut, traut er seinen Augen kaum: Draußen fährt ein großer, gelber Citybus vorbei. Ohne Fahrgäste darin, nur der Mann am Lenkrad tut eisern seinen Dienst. Die ganze Sache kommt unserem Leser zumindest seltsam vor. Denn bekanntlich herrscht bei uns ab 22 Uhr eine Ausgangssperre, alle Lokale oder Diskotheken sind seit Monaten geschlossen. "Die werden doch nicht trotzdem den Partybus fahren lassen?", kombiniert der Bürger aus Amberg und fragt nach bei der Amberger Zeitung.

Es fährt kein Partybus

"Nein, es fährt kein Partybus", kann Sabine Rappl vom Zweckverband Nahverkehr (ZNAS) sogleich beruhigen. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie seien die Sonderlinien am Wochenende zu den Diskotheken in Nabburg selbstverständlich eingestellt. Darüber hinaus verkehre aber der Amberger Citybus tatsächlich nach Fahrplan – unter der Woche bis 22 Uhr, am Wochenende teilweise bis 2 Uhr. "Die Regierung der Oberpfalz hat uns wegen der Berufspendler, die es ja immer noch gibt, aufgefordert, den normalen Verkehr beizubehalten." Berufspendler müssten am Wochenende eben auch nach 22 Uhr mit dem ÖPNV nach Hause kommen können. "Tatsächlich gibt es einige, die nach ihrer Schicht mit dem Bus nach Hause fahren."

"Wir würden überhaupt nichts einsparen und es würden sogar zusätzlich Kosten auf den ZNAS zukommen, die durch Steuergelder finanziert werden müssen."

Sabine Rappl vom Zweckverband Nahverkehr

Sabine Rappl vom Zweckverband Nahverkehr

Auch vom Geld her würde es nach Aussage von Sabine Rappl ebenfalls nichts bringen, die Citybus-Linien vorübergehend einzustellen. "Wir würden überhaupt nichts einsparen und es würden sogar zusätzlich Kosten auf den ZNAS zukommen, die durch Steuergelder finanziert werden müssen." Das liegt laut Rappl unter anderen an dann fehlenden Zuschüssen der Regierung der Oberpfalz. "Wir hatten den Nachtverkehr übrigens während des ersten Lockdowns tatsächlich vorübergehend eingestellt. Da haben wir Beschwerden von Leuten bekommen, die nicht mehr von der Arbeit heim gekommen sind."

ÖPNV attraktiver machen

Grundsätzlich kennt man natürlich auch beim ZNAS die Problematik, dass außerhalb der Stoßzeiten am Morgen und am Mittag viele Citybusse nur sehr mäßig besetzt sind oder gleich leer durch die Stadt fahren. Das liegt nach Einschätzung vieler aber vor allem daran, dass die Menschen in Amberg noch immer viel lieber schnell mal ins Auto steigen, um innerhalb der Stadtgrenzen von A nach B zu kommen. Der Öffentliche Nahverkehr ist – auch zu normalen Zeiten außerhalb der Pandemie – hier noch nicht sehr tief im Bewusstsein verankert. "Unser Ziel ist es, den ÖPNV noch attraktiver zu gestalten. Hierzu gehört auch die Ausweitung der Fahrtangebote", sagt Sabine Rappl dazu. Ob es ökologisch sinnvoll ist, fast immer leere Busse durch die Nacht fahren zu lassen, steht auf einem anderen Blatt.

Kommentar:

Die leeren Citybusse sind an sich ein Skandal

Citybusse, die trotz der Ausgangssperre auch nach 22 Uhr durch die menschenleere Stadt fahren? Man möchte fast automatisch den berüchtigten Skandal-Knopf drücken. Doch so einfach ist es eben nicht. Abgesehen davon, dass es vielleicht tatsächlich möglich wäre, die wenigen Nacht-Passagiere ökologischer durch die Ausgangssperre zu transportieren, als mit großen Citybussen, ist der Skandal ein ganz anderer. Denn auch außerhalb der Corona-Pandemie und der nächtlichen Ausgangssperre fahren die Citybusse meistens leer durch die Stadt. Nur Schüler, Rentner sowie Promille- oder Geschwindigkeitssünder nehmen den Bus. Der Rest fährt Auto, ein paar Ökos nehmen das Rad. Dabei wäre gerade der Umstieg auf den Bus ein enormer Beitrag zur Einsparung von Kohlendioxid, zur Reduzierung der täglichen Blechlawine und zur Rettung unseres Planeten.

Andreas Ascherl

Hier geht es zu den Citybus-Fahrplänen und mehr

Leer fahrende Busse spielen auch hier eine Rolle

Amberg

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