30.10.2020 - 09:58 Uhr
AmbergOberpfalz

Brauchtum zu Allerheiligen: Das Spitzl-Schenken

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Auf geht's Firmpaten! Am 1. November ist euer Tag. Zu Allerheiligen schenken Gläubige im Landkreis Amberg-Sulzbach ihrem Patenkind ein spezielles Gebäck. Sie tun damit nicht nur dem Schützling etwas Gutes, sondern auch sich selbst.

Ruth Herbst aus Hohenkemnath mit ihrem ganzen Stolz: den Allerheiligenspitzeln.
von Andreas Brückmann (brü)Profil

Das Patenspitzl-Schenken zu Allerheiligen ist ein katholischer Brauch mit langer Geschichte: Bereits Ende des 16. Jahrhunderts gibt es Überlieferungen von einer Essensgabe an Bedürftige zu Allerheiligen. Das sollte sich förderlich auf das Seelenheil des Spenders auswirken. Die Hoffnung: Je großzügiger der Geber, desto größer die Chance auf einen Sünden-Erlass im Jenseits.

Früher stellte das Gebäck eine recht einfache Form dar, es war mehr so ein Art Stange. Mit der Zeit wandelte sich die Form in ein Spitzl, das sich wunderbar für katholische Symbolik eignet. Die verflochtenen drei Stränge sollen die Vergangenheit, das Jetzt und die Zukunft darstellen. Jede Zeit brauchte ihre guten Taten, um die Menschen in den Himmel kommen zu lassen.

Waren es früher eher die Reichen, die die Armen zu Allerheiligen beschenkten, so wandelte sich der Brauch mit der Zeit: Bis heute ist es in den katholischen Gegenden der Oberpfalz der Firmpate, der seinem Patenkind ab dem ersten Jahr nach der Firmung ein Patenspitzl zu Allerheiligen schenkt. Dies wiederholt sich so lange, bis das Patenkind heiratet. Zur Hochzeit bekommt das Patenkind dann sein letztes Spitzl, den Spitzwecken, dieser ist dann oft zwei, drei oder sogar bis vier Meter lang. Damit kauft sich der Pate quasi von seiner Patenschaft frei. Und auch der Spitzwecken strotzt nur so von Symbolik.

Wissenswertes zum Brauchtum: Deswegen gibt es zur Hochzeit einen Spitzwecken

Bei der Bäckerei Wenkmann und rund um Hohenkemnath im Landkreis Amberg-Sulzbach wird das Patenspitzl-Schenken mit Stolz aufrechterhalten. Bei der Bäckerei Wenkmann buk schon der Opa die Spitzl im Holzofen, halt damals in einfacherer Variante, aber mit den gleichen Zutaten wie heute.

Mit den Jahren wurden die Ansprüche höher und heute aprikotiert und glasiert man den Hefeteig, der aus Weizenmehl, Milch, Eier, Zucker, Hefe und eine Prise Salz hergestellt wird. Und dann sind da noch die berühmt, berüchtigten "Weinbirln" - Rosinen. Von den einen gehasst, von den anderen heißgeliebt und begehrt.

Aber auch hier gibt es Unterschiede. Weinbeeren sind getrocknete Weintrauben mit Kernen, beim draufbeißen halt nicht immer so angenehm. Irgendwann züchtete man die kernlosen Weintrauben, getrocknet heißen sie dann nicht Rosinen sondern Sultaninen, weiß Bäckerei-Inhaberin Ruth Herbst. "Sultaninen sind die einzige Zutat, die nicht regional ist, ansonsten verwenden wir nur Zutaten aus dem Landkreis, der Oberpfalz oder Deutschland“, erzählt Herbst.

„Weil das Allerheiligenspitzl bei uns so eine lange Tradition hat und ein hochwertiges regionales Produkt ist, habe ich mich entschlossen dieses Gebäck beim Spezialitätenwettbewerb der Metropolregion Nürnberg anzumelden und es wurde prompt als ein Siegerprodukt ausgezeichnet", sagt die Bäckerei-Fachfrau. Seitdem tragen das Allerheiligenspitzl und auch der Spitzwecken das Label "original regional" der Metropolregion. "Darauf bin ich natürlich stolz und habe somit auch was für den Erhalt alter Traditionen getan.“

Schön schauen sie aus, die Spitzln zu Allerheiligen. Das Verschenken des Gebäcks wird in katholischen Gegenden am Feiertag bis heute zelebriert.

Rezepttipp: So wird ein Allerheiligenspitzl gemacht

Pirk

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