29.10.2020 - 14:03 Uhr
AmbergOberpfalz

Blicke in die Amberger Unterwelt: Kanal-Roboter sparen Millionen

Ein Schlagloch erkennt jeder auf den ersten Blick. Anders sieht das bei Schäden unter der Erde aus. Ob es im 347 Kilometer langen Kanalsystem Ambergs etwas auszubessern gibt, sehen nur Spezialfirmen. Eine von ihnen ist derzeit aktiv.

Mario Bösl (Dritter von rechts), Bauleiter der Firma Geiger, erklärt OB Michael Cerny (links) die Robotertechnik, die im Kanalsystem zum Einsatz kommt.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Als es in diesem Monat im Hauptverwaltungs- und Finanzausschuss um die ab 1. Januar wirksam werdende Erhöhung der Abwassergebühren ging, ließ Tiefbauamtsleiter Norbert Füger wissen, dass jährlich fünf bis sechs Millionen Euro investiert werden müssten, um das Netz intakt zu halten. Das habe in den vergangenen 30 Jahren in dem gewünschten Umfang aber nicht stattgefunden, weshalb nun mehr getan werden müsse. Wie zum Beispiel in der Katharinenhöhe zwischen Blößner- und Reichstraße. Dort sind im Auftrag der Stadt und unter der Regie des in Inning am Ammersee ansässigen Ingenieurbüros Dörschel Spezialisten der Kanaltechnik-Firma Geiger aus dem Allgäu damit beschäftigt, das Kanalnetz zu reparieren - ohne die Fahrbahn aufreißen zu müssen. Im Vorfeld waren laut Oberbürgermeister Michael Cerny rund 30 Kilometer Kanalnetz in Karmensölden, Schäflohe, Neubernricht, an der Raigeringer Straße, am Eisberg, im Drillingsfeld und eben auch in der Katharinenhöhe mit Kameras begutachtet worden. Dort, wo Bedarf bestehe, werde auch gehandelt. Wo es möglich ist, werde das sogenannte Inline-Verfahren angewendet, bei dem die Straße und der Gehweg nicht aufgebaggert werden müssen. Und noch einen Vorteil habe das Verfahren, wie OB Cerny bei einem Ortstermin erklärte: "Es ist viel, viel günstiger, wenn man das unter der Erde machen kann."

Konkret funktioniert das so: Ein Roboter bringt mit Harz getränkte Glasfasern aus. Das Gemisch wird dann auf der Innenseite des alten Rohres mit UV-Licht ausgehärtet. So entstehe ein Rohr im Rohr. Der ferngesteuerte Roboter arbeitet dabei laut Thomas Palaske, dem zuständigen Projektleiter aus dem Ingenieurbüro Dörschel, im Prinzip auf den Millimeter genau: "Händisch würde man das gar nicht so hinbekommen." Auch das war bei dem Ortstermin zu erfahren: Bei ungefähr 15 der 30 begutachteten Amberger Kanal-Kilometer besteht Handlungsbedarf, auf knapp zehn Kilometern komme das Inline-Verfahren zum Einsatz. Die Kosten beliefen sich auf etwas weniger als zwei Millionen Euro. Zum Vergleich, beim alternativen Verfahren, bei dem die Straße aufgerissen wird, würde laut Norbert Füger die zehnfache Summe zu Buche schlagen. Dafür würde die klassische Variante rund 80 Jahre und damit doppelt so lang wie die Inline-Methode halten.

Gerade diese Überlegungen und Abwägungen wertet Cerny als Beleg dafür, dass das Tiefbauamt die Kostenentwicklung bei den Abwassergebühren immer im Blick hat.

Abwassergebühren steigen in Amberg zum 1. Januar 2020

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