07.05.2021 - 12:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Beschädigte Archivalien zurück in Amberg: Ausmaß der Zerstörung erst jetzt richtig sichtbar

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Eine gelöste Rohr-Verpressung setzte das Stadtarchiv Amberg am 16. Februar unter Wasser. Die betroffenen Archivalien sind nun zurück aus dem Leipziger Zentrum für Bucherhaltung. Die Folgen werden damit erst jetzt so richtig deutlich.

Deutlich ist bei diesem Buch der Wasserrand zu sehen, der auch nicht mehr verschwinden wird.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Seinen Start als neuer Leiter des Stadtarchivs hatte sich Dr. Andreas Erb sicherlich etwas anders vorgestellt. Als der gebürtige Bad Dürkheimer (Rheinland-Pfalz) zum 1. April die Nachfolge des in Ruhestand gegangenen Stadtarchivars Dr. Johannes Laschinger antrat, konnte er nicht gleich zum üblichen Tagesgeschäft übergehen, sondern musste sich in erster Linie mit den Folgen des Wasserschadens vom 16. Februar beschäftigen. Die Geschehnisse, die Oberbürgermeister Michael Cerny damals als Katastrophe bezeichnete, waren Erb an seiner alten Wirkungsstätte im Landesarchiv Sachsen-Anhalt natürlich nicht verborgen geblieben: "Das hat mich schon aus der Ferne bewegt."

Am Donnerstagnachmittag war es nun Erbs Aufgabe, im Hauptverwaltungs- und Finanzausschuss Bericht zu erstatten, wie es um das Archiv und die in Mitleidenschaft gezogenen historischen Schätze bestellt ist. Die erste gute Nachricht: "Das Gebäude ist getrocknet." Die zweite folgte gleich hinterher: Das Archivgut, das ins Leipziger Zentrum für Bucherhaltung geschickt worden war, befindet sich seit rund einer Woche wieder in Amberg. Die betroffenen Exemplare seien gefriergetrocknet worden, sagte Erb. Dadurch sei ihnen die Feuchtigkeit entzogen worden: "Damit ist die Trocknung nun abgeschlossen."

Wasserränder und aufgequollen

Verluste seien nicht zu beklagen. Soll heißen: "Es gibt keine Archivalien, die unbenutzbar sind." Schäden seien dennoch vorhanden und nicht zu übersehen. Erb zeigte den Mitgliedern des Ausschusses Bilder von Wasserrändern, aufgequollenen Einbänden und Büchern, die sich deswegen nicht mehr vollständig schließen lassen. Letztlich sei das Stadtarchiv mit einem blauen Auge davongekommen. Zu verdanken sei das auch dem schnellen Eingreifen der Mitarbeiter und Feuerwehr: "In dieser Notfallsituation gab es ein gutes Zusammenspiel aller Beteiligter", analysierte der Archivleiter und versäumte es nicht zu erwähnen, dass auch die Kollegen aus dem Staatsarchiv ihre Hilfe angeboten hatten. Andreas Erb schlussfolgerte: "Ich denke, das alles sollten wir auf eine festere institutionelle Grundlage stellen." Ein Notfallverbund mit dem Staatsarchiv sei bereits gegründet, wegen der Pandemie aber noch nicht mit Leben erfüllt worden. Das sollte aber zu gegebener Zeit unbedingt nachgeholt werden.

Verpacken und digitalisieren

Was die Schäden auch in Grenzen gehalten habe, sei die Tatsache, dass es in Amberg vergleichsweise viel verpacktes Archivgut gibt. Erb: "Das heißt für uns, Archivgut müssen wir weiterhin konsequent verpacken." Der Archivleiter sagte aber auch ganz deutlich: "Trotz alledem hing in der Situation alles an einem seidenen Faden. Es hätte nicht viel gefehlt, und Totalverluste wären eingetreten. Hier sollten wir gewappnet sein und auch durch eine konsequente Digitalisierung vorbeugen." Auf welche Gesamtsumme sich der Schaden beläuft, vermag Andreas Erb noch nicht zu sagen. Auch die haftungsrechtliche Frage, wie es überhaupt zu dem Wasserschaden kommen konnte, müsse noch abschließend geklärt werden.

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