11.08.2020 - 08:22 Uhr
AmbergOberpfalz

Bergwirtschaft ist zu und Klage läuft

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Die "alte" Wirtschaft auf dem Mariahilfberg ist Geschichte. Seit ein paar Wochen ist das Gasthaus nun geschlossen. Im Hintergrund müssen jetzt Planer und Verwaltungsgericht entscheiden, wie es mit dem ehemaligen Mesnerhaus weitergeht.

Mit Flatterband, das mal mehr mal weniger Umfang hat, ist die Terrasse der Bergwirtschaft abgesperrt. Deutlich sind am Gebäude die Schäden zu sehen, die eine Sanierung dringend notwendig machen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

"Die Terrasse ist geschlossen" steht in großen Lettern am Zugang zur Aussichtsterrasse der Bergwirtschaft. Rot-schwarz-weißes Flatterband mit polnischer Aufschrift versperrt den Zugang. "Privatgrundstück - betreten verboten", heißt es daneben, um unliebsame Besucher von dem Ort fernzuhalten, an dem Generationen von Ambergern und Besuchern der Stadt Kaffee tranken, die legendären Windbeutel der Pächter-Familie Erras verzehrten und dazu den atemberaubenden Blick über die Stadt genossen haben.

All das ist erst einmal vorbei. Zum 19. Juli haben die Pächter das Gasthaus zugesperrt. "Es war uns in den letzten 25 Jahren immer eine Freude, Sie vor der tollen Kulisse, mit Blick auf unser schönes Amberg, zu bewirten" steht auf einem Zettel, der an der Wirtshaustüre hängt. Von der Wand des ehemaligen Mesnerhauses, das über viele Jahrzehnte als Pilgergaststätte gedient hat, bröckelt der Putz, Teile des Dachgesimses sind abgefallen und das Dach selbst soll auch undicht sein.

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Amberg

Investor macht den Umbau

Das erzählt Kirchenpfleger Franz Mertel, der an diesem sonnigen Tag zufällig ebenfalls zur Bergwirtschaft kommt, um mit seinem Handy ein paar Fotos vom Gebäude zu machen. Das alte Gebäude ist ziemlich marode, eine Sanierung stand eigentlich schon vor Jahrzehnten an. Nun soll sie tatsächlich erfolgen, im großen Stil inklusive Erweiterung samt 20 Gästezimmern. Mangels Eigenmittel hat sich die Kirchenstiftung dafür einen Investor gesucht und in Michael Fellner, einem direkten Nachbarn der Bergwirtschaft, gefunden.

Gegen die von Fellner vorgelegten Sanierungs- und Erweiterungspläne aber hat sich die Interessengemeinschaft (IG) Unser Berg gegründet.

Die IG Unser Berg sieht durch diese Pläne die Identität des Mariahilfbergs gefährdet, fürchtet Party und Verkehr statt Ruhe und Erholung. Das sahen auch zahlreiche Amberger so und leisteten ihre Unterschrift auf den Listen der IG mit dem Zweck, einen Bürgerentscheid gegen das Projekt herbeizuführen. Zwar reichte die Anzahl der Unterschriften tatsächlich dafür aus, doch lehnte der Stadtrat mit großer Mehrheit die Zulassung aus formalen Gründen ab. Die Begründung auf den Unterschriftslisten, so die Argumentation, enthalte "fehlerhafte und missverständliche" Formulierungen.

Die aktuellen Bilder von der Bergwirtschaft

Doch die IG Unser Berg lässt nicht locker. Als Folge der Stadtratsentscheidung hat die Interessengemeinschaft Klage beim Verwaltungsgericht Regensburg gegen diesen Beschluss eingereicht. Wie Hans Neiswirth, einer der Aktivisten der IG bestätigt, liegt dem Gericht inzwischen auch die Klagebegründung der Interessengemeinschaft vor, die von einem Regensburger Anwalt vertreten wird. Diese Begründung liege jetzt auch der Stadt Amberg vor, bestätigt Thomas Graml von der Pressestelle. "Wir arbeiten derzeit an einer entsprechenden Klageerwiderung", sagt Graml und verweist ansonsten auf das laufende Verfahren. Auch die IG Unser Berg ist übrigens derzeit nicht bereit, der Amberger Zeitung ihre Klageschrift zur Verfügung zu stellen. Da die Klageerwiderung noch nicht vorliegt, gibt es bis jetzt auch keinen Termin für eine Verhandlung beim Verwaltungsgericht.

Mir ist nichts Gegenteiliges bekannt.

Kirchenpfleger Franz Mertel auf die Frage, ob Investor Michael Fellner weiter an seinen Plänen für die Bergwirtschaft festhält

Kirchenpfleger Franz Mertel auf die Frage, ob Investor Michael Fellner weiter an seinen Plänen für die Bergwirtschaft festhält

Verfahren läuft weiter

Ungeachtet dessen läuft das Aufstellungsverfahren für den Bebauungsplan in Sachen Sanierung und Erweiterung der Bergwirtschaft weiter. Das laufende Verfahren beim Verwaltungsgericht hat da keine aufschiebende Wirkung. "Mir ist nichts Gegenteiliges bekannt", antwortet Kirchenpfleger Franz Mertel auf die Frage, ob Investor Michael Fellner überhaupt noch Interesse am Projekt habe.

Mertel wie Neiswirth bestätigen auch, dass in der Zwischenzeit ein Treffen von Vertretern der IG mit der Kirchenstiftung stattgefunden hat. Man ging ohne Ergebnis auseinander.

Kommentar:

Einen Kompromiss wird es nicht geben

Ja klar, es ist tatsächlich schon alles gesagt zur Causa Bergwirtschaft. Dass die einen, Kirchenstiftung und Investor, eine Sanierung und Erweiterung des Gebäudes wollen bis hin zu 20 Gästezimmern im Haus und einen vergrößerten Saal. Dass die anderen, die IG Unser Berg und ihre Unterstützer, dagegen mobil machen bis hin zur Klage beim Verwaltungsgericht gegen den Mehrheitsbeschluss des Stadtrats, keinen Bürgerentscheid in dieser Sache zuzulassen.
Aber jetzt ist alles nicht mehr graue Theorie, jetzt ist die Bergwirtschaft tatsächlich geschlossen. Und das auf nicht absehbare Zeit. Kein Kaffee mehr auf der Terrasse hoch über der Stadt, keine gemütlichen Abende mit erfrischenden Getränken an herrlichen Sommertagen. Bei vielen Ambergern, die eine enge Beziehung zu „ihrem“ Mariahilfberg haben, kommt da schon Wehmut auf.
Auf der anderen Seite zeigt die geschlossene Bergwirtschaft aber auch das ungeschminkte Gesicht des Gebäudes. Abplatzender Putz an der Außenfassade dürfte dabei nur ein dezenter Hinweis daraus sein, wie es beispielsweise unter dem Dach des historischen Gebäudes inzwischen aussieht.
Die Bergwirtschaft muss saniert werden, darin sind sich die zerstrittenen Parteien tatsächlich einig. Die Geister scheiden sich nur an der Art der gewollten Sanierung. Einen Kompromiss wird es in dieser Sache aber sicher nicht geben. Bleibt also abzuwarten, wie die Juristen entscheiden werden.

Andreas Ascherl

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Ulrich Kreillinger

Die Bergwirtschaft war ein essentieller Teil der Stadt Amberg, sowohl für Einheimische, als auch für viele Besucher der Stadt. Sowohl in den Innenräumen, aber auch auf der sonnigen Terrasse herrschte häufig Hochberieb. Auch die Bewirtschaftung zeigte hohes Niveau und hat die zahlreichen Gäste erfreut. Ingesamt betrachtet ist die Einstellung des Gaststättenbetriebes ein herber Verlust! Es stellt sich für mich -jenseits rechtlicher Probleme- die Frage, ob nicht in dem vorhandenen Gebäude durch fachlich überzeugende Baumaßnahmen die Möglichkeit bestanden hätte, eine zeitgemäße Sanierung durchzuführen, den Baubestand aber in seiner jetzigen Kubatur und Gestalt zu erhalten. Eine überzeugende Ablehnung dieser Möglichkeit ist mir nicht gegenwärtig!

10.08.2020