11.08.2020 - 11:29 Uhr
AmbergOberpfalz

Bergsteig-Arena bietet traditionellen Sport in futuristischer Hülle

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Fast zwei Jahre sind ins Land gezogen, doch jetzt ist die Bergsteig-Arena tatsächlich fertig. Innovativ vom Boden bis zum Dach. Ein Versuchsfeld für neue Werkstoffe. Aber auch sehr nervenaufreibend für alle die, die am Bau beteiligt waren.

Zukunft pur. So wie die neue Bergsteig-Arena könnten in Zukunft viele Funktionsgebäude aussehen. Denn zunehmend wird Sand zur Mangelware, das Bauen mit Beton wird teuer und schwierig.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Am Anfang der Geschichte steht der Mut eines Geschäftsführers. Maximilian Hahn, Chef der Amberger Stadtbau, lernt 2017 bei einem der Architekturvorträge im Luftmuseum den Bauforscher Robert Roithmayr von der Donau-Universität im österreichischen Krems kennen. Der experimentiert mit neuen Materialien für den Bau von Häusern und Funktionsgebäuden. Ziel ist es, die Abhängigkeit vom Beton zu reduzieren. Gleichzeitig soll CO2-neutral gebaut und temperiert werden. Zusätzlich soll es auch noch gut aussehen. Hahn ist begeistert und weiß sehr schnell, wo die graue Theorie praktisch umgesetzt werden kann. Die Ringer am Bergsteig brauchen eine neue Halle, der Bergsteig einen Bürgertreff.

Heute, gut drei Jahre nach diesem Tag, sitzt Maximilian Hahn in der nagelneuen Bergsteig-Arena und erzählt, wie die Halle nach dem Prinzip Learning by Doing entstanden ist. Wie aus der ursprünglichen Idee von der Wunderfolie, die Beton und Wärmedämmung gleichzeitig ersetzt, in vielen Arbeits- und Denkstunden die Bergsteig-Arena entstanden ist. Eine Mischung aus Holz und Hightech-Folien, die sogar an diesem heißen Sommertag ohne künstliche Klimatisierung eine angenehme Kühle verbreitet. Begleitet wird er von Simon Schneider, einem jungen Umweltingenieur, der sich in seinem Studium auf CO2-neutrales Bauen spezialisiert hat und die theoretischen Grundlagen der neuen Halle kennt.

Wie genau das funktioniert, das ist schon auch ein bisschen geheim.

Maximilian Hahn, Geschäftsführer der Stadtbau GmbH über die neu entwickelte Folie

Maximilian Hahn, Geschäftsführer der Stadtbau GmbH über die neu entwickelte Folie

Zwischendrin, da hat es viele Diskussionen gegeben über den richtigen Weg zum Ziel, zahlreiche Experimente mit bislang unbekannten Materialien. Denn so einfach, wie sich das der Visionär aus Österreich vorgestellt hatte, war es am Ende wohl nicht. Und natürlich ist die Halle teurer geworden, als ursprünglich geplant, aber jetzt ist sie fertig. Und sie ist schön und funktional zugleich. Bei der Bergsteig-Arena haben die Planer das Kunststück fertig gebracht, die runde Halle mit dem eckigen Funktionsgebäude daneben zu einer harmonischen Einheit zu verbinden. Ein architektonischer Leckerbissen in einem an architektonischen Höhepunkten ohnehin schon reichen Stadt-Areal. Hier stehen auf engstem Raum die Glaskathedrale von Walter Gropius und die beiden vom Bauhaus-Architekten ebenfalls entworfenen Wohnhäuser neben der neuen Bergsteig-Arena.

Zur Vorgeschichte der Bergsteig-Arena

Apropos Gropius. Der hat in den 1920er Jahren ebenfalls rund um alternative Baumaterialien geforscht. Damals ging es laut Maximilian Hahn um Häuser aus Kupfer und ähnliche Dinge. "Die wollten ja auch Haustypen erschaffen, die für alle Menschen erschwinglich sind", nennt Hahn die soziale Komponente dahinter. Damit schließt sich auch schon wieder der Kreis zu Glaskathedrale und Gropius-Wohnhäusern. Neue Materialien, jenseits von Beton und Stein sollten es bei der neuen Bergsteig-Arena auch sein. "Das Problem: Sand ist endlich", nennt Maximilian Hahn eine wenig bekannte Tatsache. Denn für Beton muss es eine bestimmte Körnigkeit sein, die in der Wüste oder am Meer nicht zu haben ist.

Trotzdem ist auch in der Bergsteig-Arena Beton verbaut. Die Bodenplatte wurde nach herkömmlichen Methoden gegossen, doch darauf steht ein Gerüst aus gebogenen Holzbalken. "Das Holz bindet über Jahrzehnte CO2", betont Umweltingenieur Simon Schneider die ökologische Komponente dieses Baustoffs, aus dem auch das eckige Funktionsgebäude errichtet worden ist. Zwischen den massiven Balken ist Folie verspannt. Wobei ursprünglich nur die "Wunder-Folie" des österreichischen Forschers Robert Roithmayr vorgesehen war. Sie ist mit Aluminium bedampft und sollte verhindern, dass zwischen draußen und drinnen überhaupt ein Wärmeaustausch stattfinden kann. "Das hat aber nicht gereicht", sagt Maximilian Hahn.

Zu den Problemen mit der Wunderfolie

Amberg

Letztendlich sind es dann diverse Folienschichten geworden. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die mit Alu bedampfte Folie nur wenig Licht in den Raum lässt. Es gibt nun eine Außenfolie als Schutz für die eigentliche "Wunder-Folie", eine Dampfsperre sowie eine Eigenentwicklung, die im Prinzip ähnlich funktioniert wie die Luftpolsterfolie, die zur Verpackung von Gegenständen verwendet wird. "Wie genau das funktioniert, das ist schon auch ein bisschen geheim", sagt Maximilian Hahn, der irgendwann von der Pionierarbeit profitieren will. Die Luftpolster lassen zusätzlich Licht durch, sie dienen also nicht nur der Wärmedämmung.

Den Abschluss nach innen bildet eine weitere Spezialfolie. Zu der weiß der Stadtbau-Geschäftsführer eine ganz besondere Geschichte. "Wir haben die weltweit gesucht", so erzählt er. Und zunächst nichts Geeignetes gefunden. Erst als er selbst im Internet recherchiert habe, sei er auf eine Firma ausgerechnet im nahen Nürnberg gestoßen, die eine geeignete Folie herstellt. Doch das Unternehmen habe ihm mitgeteilt, dass sie so kleine Mengen, wie für die Halle benötigt würden, nicht verkaufe. Am Ende aber stellte sich heraus, dass das Nürnberger Unternehmen die Amberger Druckerei Frischmann mit exakt dieser Folie beliefert. "Von dort haben wir sie dann tatsächlich zu einem günstigen Preis bekommen."

Das Holz bindet über Jahrzehnte CO2.

Umweltingenieur Simon Schneider über Holz als Baustoff.

Umweltingenieur Simon Schneider über Holz als Baustoff.

Jetzt sitzt Maximilian Hahn entspannt in der neuen Halle und ist zufrieden. Das Gebäude ist hell und kühl an diesem heißen Sommertag. Und es widersteht Wind, Regen und Schnee. Aber es ist auch sehr dicht, zu dicht. Daher musste eine spezielle Lüftungsanlage eingebaut werden, die den Preis noch oben getrieben hat. Geheizt und Warmwasser produziert wird übrigens mit der Abwärme der benachbarten Kristallglasfabrik. Womit sich der Kreis zu Walter Gropius auch hier schließt. Nun muss die Bergsteig-Arena auf Herz und Nieren getestet werden. "Die Ringer sind unsere Probanden", sagt Hahn. Auf 400 Quadratmeter Hallenfläche können die mit zwei Ringermatten trainieren. Außerdem sei ein Zusatzangebot wie Reha-Sport oder Akrobatik angedacht. Und als Bürgerzentrum soll die Halle auch noch genutzt werden. Wobei sie derzeit für maximal 100 Menschen zugelassen ist. Peter Leifridt, der Trainer der Bergsteig-Ringer, hätte die neue Halle übrigens gerne noch ein bisschen größer gehabt. Damit dort Weltmeisterschaften stattfinden können. Diesen Wunsch konnte ihm Maximilian Hahn aber nicht erfüllen.

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Besichtigung "Bergsteig-Arena".
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