02.07.2020 - 08:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Bedienung am Bergfest: Heimkommen um ein Jahr verschoben

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Normalerweise bringt Claudia Mai zu dieser Zeit Bier, Radler und Weizen zu den Gästen im Festzelt. Diesmal stößt sie selbst mit einem Masskrug an - und erzählt, was das Bergfest für sie bedeutet und warum es ein Heimkommen für sie bedeutet.

Dort, wo Claudia Mai sonst Bierkrüge durchs Zelt schleppen würde, nimmt sie sich Zeit für ein entspanntes Gespräch mit Oberpfalz-Medien.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Claudia Mai ist eine gute Bedienung. Das kann gar nicht anders sein. 13 Jahre lang bringt sie am Bergfest nun schon die Bierkrüge zu den Gästen an den Tischen. Noch kein einziges Mal sei ihr ein Krug runtergeflogen, erzählt sie bei einem Gespräch am Mariahilfberg. Dabei schleppt sie mitunter bis zu zwölf Krüge auf einmal durchs Zelt. In diesem Jahr wird sie ganz sicher auch unfallfrei bleiben - das ist die schlechte Nachricht.

Denn sie ist gleichbedeutend mit einem abgesagten Bergfest. Corona machte wie bei so vielen Festen in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung. Klar, dass sie deswegen traurig sei, erzählt Mai bei einem Gespräch für die Serie "Auf a Maß am Berg". Die 33-Jährige nimmt dafür dort Platz, wo normalerweise das Kummert-Zelt während der Bergfestwoche aufgebaut wäre. Also dort, wo sie seit 13 Jahren die Gäste bewirtet. Bei strömenden Regen oder Tagen mit über 30 Grad im Schatten - Mai hat schon alle Wetterlagen und viele Erlebnisse auf dem Berg mitgemacht. Die 33-Jährige erinnert sich noch an ihr erstes Bergfest als Bedienung, ein verregnetes und unglaublich kaltes: "Die ersten kamen mit einer Strumpfhose unter der Lederhose."

Ausdauer kommt zugute

Die Nachricht, dass das Fest nicht stattfindet, hat sie deshalb "schon mit einem weinenden Auge" aufgenommen. Ihr wird die Arbeit fehlen, sagt sie. "Ich bin schon so lange Bedienung, dass es einfach Spaß macht." Das erledigt sie mittlerweile mit einer gewissen Routine. Angefangen mit dem bedienen hat sie schon nach dem Abi. Sie habe das Geld gebraucht und im Musikcafé Amadeus angeheuert. Die Ambergerin wollte aber schon immer auf dem Bergfest arbeiten. Dabei hatte sie als Jugendliche noch keine Ahnung vom Krüge tragen. Das hat sich bekanntlich geändert. Sie lernte auch, wie sie sich merken konnte, ob die Krüge mit Bier, Radler oder Weizen gefüllt sind.

Die Serie "Auf eine Mass am Berg" – Ersatz für das Mariahilfbergfest

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Bei der mitunter sehr schweißtreibenden Arbeit kommt Mai ihre Sportlichkeit zugute. Für den CIS Amberg tritt sie regelmäßig bei Triathlon-Wettbewerben auf - im Sommer mindestens jedes zweite Wochenende. Die antrainierte Ausdauer schadet sicher nicht, wenn Mai neun Tage am Stück die Gäste bewirtet.

Familiäre Zusammenkunft

Noch mehr als das Bedienen an sich wird die 33-Jähriger die Begegnungen und Gespräche am Berg vermissen: "Das Bergfest ist für uns Amberger so schön, weil man immer jemanden trifft, den man kennt. Es ist wie eine Art heimkommen." Das gelte auch für diejenigen, die weiter weg wohnen und regelmäßig zum Bergfest wieder nach Amberg kommen.

Wenn Mai nicht gerade für den CIS unterwegs ist oder auf dem Bergfest arbeitet, ist sie als kommunale Jugendpflegerin für den Landkreis tätig. Da liegt die Frage nahe, wie sie zum Thema Alkoholkonsum bei jungen Menschen beim Bergfest steht. "Wir achten bei uns im Zelt schon immer auf den Jugendschutz", sagt die 33-Jährige. Einen großen Vorteil sieht sie darin, dass kein Schnaps ausgeschenkt werde. "Man muss halt einfach darauf achten, wenn jemand genug hat. Das gilt aber für jeden." Ihrer Erfahrung nach sei es ohnehin so, dass vor allem Ältere mal zu viel erwischen, die dann von der Bierbank kippen. Prinzipiell sei es aber so, dass sie beim Bedienen ihre Arbeit als kommunale Jugendpflegerin ausschaltet.

Sollten große Veranstaltungen im kommenden Jahr wieder erlaubt sein, freut sich Mai am meisten darauf, alle wieder zu sehen: Die Schenker, die anderen Bedienungen, die Gäste. Die 33-Jährige beschreibt das Bergfest als eine Art familiäre Zusammenkunft.

Auch das abgesagte Bergfest kann die gute Laune der 33-jährigen Claudia Mai nicht trüben.
So kennen Claudia Mai viele. Während der Bergfestwoche bringt sie Bier, Radler und Weizen mit einem Lächeln an den Tisch. Schöner könnte das Leben kaum sein. Dieses Jahr müssen die Amberger auf ihr geliebtes Bergfest verzichten. Nächstes Jahr findet es hoffentlich wieder statt. Dann wäre auch die 33-Jährige wieder dabei.
Serie:

Auf eine Mass am Berg

Auf dem Festplatz, der heuer nur Parkplatz ist, und vor der Bergkirche plaudert die Redaktion der Amberger Zeitung/Oberpfalz-Medien an sechs Tagen mit Menschen, die einen besonderen Bezug zum Amberger Bergfest haben. „Auf eine Mass am Berg“ heißt die kleine Serie, die in der Bergfestwoche trotz Absage wegen der Corona-Pandemie täglich den Blick dorthin richtet, wo sich jedes Jahr um den 2. Juni herum die Amberger scharen – zum Beten, Genießen und zum Ratschen. (eik)

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