14.01.2021 - 00:38 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit Bauernregeln zur Wetterprognose

Der Amberger Josef Popp zeichnet seit 50 Jahren akribisch das Wetter auf. Durch diese Erfahrungen kann er gut einschätzen, wie das Wetter wird. Er greift aber auch zurück auf das überlieferte Wissen der bäuerlichen Lostage.

Für Josef Popp ist Wetterbeobachtung pure Faszination und Leidenschaft.
von Adele SchützProfil

Seit 50 Jahren beobachtet der ehemalige Postbote das Wetter Tag und Nacht und führt akribisch Buch darüber. "Wetter beobachten ist für mich pure Leidenschaft und aufrichtiges Interesse am Wettergeschehen, das sich stündlich ändern, ja blitzartig umschlagen kann", schwärmt Josef Popp.

Notizen im Wandkalender

Er startete am 1. Januar 1971 als Schüler der neunten Klasse mit seinen Wetterbeobachtungen, die er in einem Wandkalender notierte. Nach dem Schulabschluss begann er eine Lehre bei der Deutschen Post und pausierte in dieser Zeit mit seinen akribischen Wetterbeobachtungen und zeitaufwendigen Aufzeichnungen darüber. Doch als junger Postbote, der täglich dem Wetter ausgesetzt war, holte ihn seine Leidenschaft für das Wetter wieder ein. Ab Januar 1979 wurde er dann zum regelrechten "Wetterfrosch": Er begann erneut mit der Wetterbeobachtung und den exakten Aufzeichnungen in Heften.

Jeden Monat widmete er dem Wetter eine Doppelseite. Dazu passend notierte er die Lostage (sie bezeichnen im Bauernjahr Tage, die nach alter Überlieferung für das Wetter der kommenden Wochen ausschlaggebend sind, und damit auch für die anstehenden Arbeiten; Anm. d. Red.) und die Bauernregeln und machte sich zusätzlich theologische Gedanken zu den jeweils anstehenden kirchlichen Feiertagen.

Islandtief und Azorenhoch

"Die jahrzehntelange, exakte Beobachtung des Wetters haben mich gelehrt, Wettereignisse in ihrer Form vorherzusagen, nicht ohne Berücksichtigung der Ursache der Wetterlage", erklärt Josef Popp. "Das Islandtief und das Azorenhoch bestimmen das Wetter in ganz Europa. Ob es nun regnerisch durchwachsen oder sonnig wird, hängt ganz vom Wechselspiel der beiden Wettermacher ab." Um allerdings Fragen zu beantworten, wie der Winter noch wird, ob der Sommer heiß und trocken oder eher feucht und kühl ausfällt, ob wir einen Altweibersommer oder Goldenen Herbst bekommen oder endlich mal wieder ein weißes Weihnachten, dienen dem "Wetterfrosch" als Quellen die Lostage und die daraus resultierenden Bauernregeln.

"In früherer Zeit, als es noch keine Wettervorhersagen gab, stützten sich gerade die Landwirte auf ihre langjährigen Beobachtungen des Wetters und den daraus resultierender Erfahrungen für eine erfolgreiche Feldarbeit. Als Basis dienten die Lostage, aus denen die Bauernregeln abgeleitet sind", erklärt Josef Popp. Wissenschaftlich belegt seien die Lostage nicht, doch erfahrungsgemäß dienten sie immer noch als sichere Quelle für eine zutreffende Wetterprognose.

"Magische Zwölf"

Bedeutende Lostage seien beispielsweise die "magischen Zwölf" zwischen 26. Dezember und 6. Januar (auch Rauhnächte genannt), die eine Vorausschau für jedes Monat des Jahres bieten würden. Große Bedeutung käme hier dem Sebastianstag (20. Januar) zu. Unsere Vorfahren hätten gewusst, dass Sebastian unter dem Motto "Erfroren oder ersoffen" zeige, wie sich das Winterwetter gestalte. Denn an "Sebasti" setze entweder Tauwetter ein - was zu Hochwasser führen könne - oder es werde noch einmal richtig kalt und trocken.

Dass die Eisheiligen mit ihrer Kaltwetter-Periode und Nachtfrost vom 10. bis 15. Mai so "sicher wie das Amen in der Kirche" kommen, weiß Josef Popp aus Erfahrung. Ein weiteres Beispiel für Lostage sei der Siebenschläfer-Tag am 27. Juni: "Statistisch gesehen liegt hier die Wahrscheinlichkeit zwischen 50 bis 70 Prozent, dass das Wetter, das an diesem Tag vorherrscht, auch die nächsten Wochen anhält und damit dieser Lostag gewissermaßen die Wetterentwicklung des Hochsommers bestimmt."

Die Lostage seien laut Popp zwar verlässliche Quellen für eine zuverlässige Wetterprognose, doch der Klimawandel mit zunehmender Erderwärmung sorge dafür, dass die Lostage nicht mehr pünktlich eintreffen würden. "Mit dem Klimawandel müssen wir uns auf immer extremeres Wetter mit längeren und trockenen Sommern mit Hitzewellen, Starkregen und Überschwemmungen sowie milderen Wintern einstellen", macht Josef Popp bewusst. Er weist darauf hin, dass es immer seltener die warmen Landregen im Sommer gebe, dafür aber starke Regengüsse, die zu Überschwemmungen führen. Die zukünftig milden Winter könnten allerdings auch für zwei bis drei Wochen mit eisiger Kälte oder extremen Schneefall ihre Macht demonstrieren.

Im März bäumt sich der Winter noch einmal auf, wenn schon allgemeine Frühlingsstimmung herrscht, weiß Josef Popp. "Der Winter gestaltet sich heuer zwar relativ mild, doch wird er seine Kraft noch kurzzeitig zeigen", ist sich Wetterfrosch Josef Popp sicher.

Vor genau 50 Jahren hat Josef Popp begonnen, das Wetter Tag und Nacht zu beobachten und täglich morgens und abends in Wandkalender aufzuzeichnen.
Hintergrund:

Bauernregeln

  • 20. Januar: Sebastian je kälter und heller – dann werden Scheuer und Fässer umso völler.
  • 26. Januar: Timotheus bricht das Eis; hat es keins, so macht er eins.
  • 2. Februar: Wenn’s zu Lichtmess stürmt und schneit, so ist der Frühling nicht mehr weit. Doch ist’s zu Lichtmess mild und warm, dann friert’s zu Ostern, dass Gott erbarm.
  • 14. Februar: Kalter Valentin, früher Lenzbeginn.
  • 29. März: Wie St. Berthold gesonnen, so der Frühling wird kommen.
  • 23. April: Ist’s an Georgi warm und schön, wird man noch rauhe Wetter seh’n.
  • Ein kühler Mai wird hochgeacht’, hat stets ein gutes Jahr gebracht.
  • Im Juni viel Donner bringt einen trüben Sommer.
  • Im Juli muss vor Hitze braten, was im September soll geraten.
  • Bringt der August viel Gewitter, wird der Winter kalt und bitter.
  • Donnert’s im September noch, wird der Schnee um Weihnacht hoch.
  • Oktober rau, Januar flau.
  • Gefriert im November schon das Wasser, wird der Januar umso nasser.
  • Dezember, kalt mit Schnee tut dem Ungeziefer weh.
1979 begann Josef Popp Hefte mit seinen Wetterbeobachtungen zu füllen. Für jedes Monat legte er eine Doppelseite an, auf die er zunächst die jeweiligen Lostage und Bauernregeln notierte und sich zu den kirchlichen Feiertagen theologische Gedanken machte.

 

 

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