01.08.2021 - 10:33 Uhr
AmbergOberpfalz

Bastian Vergnon mit "Ankerpunkte-Blog" im Finale des Oberpfälzer Ideenwettbewerbs

Der Amberger Historiker Bastian Vergnon interessiert sich dafür, was gewesen wäre, wäre die Geschichte in der Oberpfalz anders verlaufen. Er hat dazu einen Internet-Blog ins Leben gerufen und ist im Finale des Oberpfälzer Ideenwettbewerbs.

Bastian Vergnon steht mit seinem "Ankerpunkte-Blog" im Finale des Oberpfälzer Ideenwettbewerbs.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Was wäre eigentlich passiert, wenn Amberg die Hauptstadt der Oberpfalz geblieben wäre? Genau kann man das nach rund 200 Jahren nicht mehr sagen. Davon ist auch Bastian Vergnon überzeugt. Fragen wie diese haben ihn aber seit seiner Schulzeit nicht mehr losgelassen. Aus diesem Grund hat der promovierte Historiker und gebürtige Amberger einen Blog gestartet, der sich mit solchen Themen auseinandersetzt. Mit seinem "Ankerpunkte-Blog" steht der heute 37-Jährige im Finale des Oberpfälzer Ideenwettbewerbs.

Nach seinem Abi am Erasmus-Gymnasium hat es Vergnon nach Regensburg gezogen, wo er Geschichte und Politikwissenschaft studierte und später seine Dissertation in Geschichte schrieb. Das Thema seines heutigen Blogs war sein ständiger Begleiter. Er sagt: "Ich habe im Studium angefangen, darüber zu schreiben." Ausschlaggebend dafür war laut eigenen Aussagen sein Geschichtslehrer in der elften Klasse. "Unser Lehrer hat damals gefragt, was wäre eigentlich, wenn die Geschichte anders gelaufen wäre, als wir sie kennen? Die Frage hat mich nie wieder losgelassen", sagt er. Ihn fasziniere die Vorstellung, dass das, was man heute im Geschichtsunterricht lerne, nicht so alternativlos hätte laufen müssen, wie es suggeriert wird. Vergnon: "Wenn wir heute auf die Zukunft blicken, dann ist nicht sicher, was sein wird." Genau das könne man auch auf historische Themen übertragen.

Corona schafft Zeit für Projekt

Als die erste Welle der Coronapandemie zu tragen kam, habe Vergnon für sich entschieden, das Projekt Internet-Blog in Angriff zu nehmen. Wie man mit Geschichte umgeht, hat Vergnon an der Uni gelernt, bei den technischen Anforderungen an einen Internet-Blog konnte er auf seine Erfahrungen aus dem Online-Marketing zurückgreifen. Vergnon: "In der ersten Welle war es auf einmal so, dass ich mehr Zeit hatte, mich dem Projekt zu widmen. Gleichzeitig dachte ich, dass gerade jetzt auch viele Menschen mehr Zeit haben, um sich für so ein Thema zu interessieren."

Was Vergnon mit seinem Anker-Punkte-Bolg macht, ist keinesfalls reine Spekulation. "Dafür gibt es ganz klare Regeln, die ich ebenfalls in einem Blog-Artikel beschrieben habe", sagt er. Dementsprechend könne er kein Bild davon abgeben, wie es heute mit Amberg ausschauen würde, wäre Amberg, nicht Regensburg, Hauptstadt der Oberpfalz geworden. "Das wäre viel zu spekulativ. Was ich aber machen kann, ist, mir die zehn bis zwanzig Jahre anzuschauen, die auf die Entscheidung gefolgt sind", erklärt er. Alles, was nach dieser Zeit passiert sei, habe zu viele Wendungen, um eine fundierte Einschätzung möglich zu machen. Eine seiner Ideen ist es, sich zu überlgen,was passiert wäre, hätten Amberg und Weiden nicht die OTH bekommen. "Da ist in einem zeitlichen Rahmen, dass man sich noch damit beschäftigen kann, was das für heute bedeuten würde."

Freizeit für den Blog

Pro Woche arbeitet Vergnon zwischen fünf und zehn Stunden an dem Blog. "Ich merke, dass wenn ich einen Monat lange nichts poste, die Zahlen abstürzen", sagt er.

Vergnon hat für das Projekt auch eine eigene Seite auf Instagram und auf Facebook. Für den 37-Jährigen sei es selbstverständlich, sich immer mal wieder ein bisschen "Zeit aus den Rippen zu schneiden, um einen neuen Roman zum Thema zu lesen".

Oberpfälzer Nerv treffen

Vergnon sagt, dass er nicht unbedingt das Ziel hatte, mit dem Projekt ins Finale des Ideenwettbewerbs zu kommen. Vergnon: "Man sieht das ja auch an den anderen Finalisten, dass es da sehr viele tolle Projekte gibt, die aus der Oberpfalz kommen." Umso mehr freue er sich, mit seiner Idee überzeugt zu haben.

Auf die Frage, ob es in der Region ein großes Interesse an seinem Thema gibt, antwortet Vergnon: "Das Thema ist noch nicht sehr im deutschsprachigen Raum verbreitet." Allerdings habe er auch gemerkt, dass viele Feuer und Flamme für seinen Ansatz sind, wenn er sie darauf aufmerksam macht.

Vergnon: "Ich spüre, dass ich besonders dann, wenn ich es regional aufziehe, einen starken Nerv bei den Menschen treffe." Er hofft, durch den Ideenwettbewerb mehr Menschen darauf aufmerksam zu machen. Seinen Blog bezeichnet er als "Langzeit-Projekt".

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Info:

Zur Person Bastian Vergnon

  • Bastian Vergnon wurde 1983 in Amberg geboren.
  • Dort machte er 2003 sein Abitur am Erasmus Gymnasium und hatte bereits zu seiner Schulzeit eine Schwäche für Geschichte.
  • Von 2004 bis 2009 studierte der heutige Wahlregensburger Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität in Regensburg.
  • Von 2009 bis 2017 promovierte er sich in Geschichte. Das Thema seiner Dissertation lautete: „Die sudetendeutschen Sozialdemokraten und die bayerische SPD 1945 bis 1978“.
  • Seit 2019 ist Vergnon Projektleiter des „Oberpfalz Startup HUB“ an der OTH Amberg-Weiden. Dabei geht es darum, Start-Up-Gründungen aus der Hochschule heraus zu fördern.
Service:

Wettbewerb „Opf.rocks – Deine Oberpfalz. Deine Idee.“

  • Das Oberpfalz Marketing hat 18 Finalisten ausgewählt.
  • Sieben davon kommen aus Amberg oder aus dem Kreis Amberg-Sulzbach.
  • Es gibt die Kategorien Wirtschaft, Kunst und Kultur, Sport und Freizeit, Soziales, Essen und Trinken sowie den Bereich Wissenschaft und Bildung.
  • Die Verkündung des Siegers findet am 11. August in Kallmünz statt.
  • Alle Infos zum Wettbewerb gibt es online auf der Website des Oberpfalztags unter www.oberpfalztag.de/ideenwettbewerb.

 

 

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