19.02.2021 - 14:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Aufruf an Unternehmer aus Amberg: Existenzielle Problemfälle jetzt melden

Was macht der verlängerte Lockdown mit Amberger Unternehmen? Karlheinz Brandelik befürchtet Schlimmstes. Der Chef der Wirtschaftsförderung hat deswegen eine dringende Bitte und startet einen Aufruf.

Die Läden sind zu. Und sie bleiben es auch noch auf unbestimmte Zeit. Die Gewerbebau bietet Firmen mit finanziellen Nöten ihre Hilfe an.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Die Miene von Karlheinz Brandelik ist ernst. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Gewerbebau sagt vor allem mit Blick auf die kleineren Unternehmen aus der Stadt: "Vielen geht die Luft aus." Deutlich sei zu spüren, dass der zweite Lockdown eine andere Qualität habe "als das, was wir im Frühjahr vergangenen Jahres erleben mussten". In vielen Betrieben habe damals Zuversicht geherrscht, dass die Krise in einem überschaubaren Zeitraum überwunden werden könnte. Auch wegen der Hilfsprogramme. Doch diese Stimmungslage habe sich mittlerweile grundlegend geändert.

Kurzarbeit nicht für alle geeignet

Gerade Kleinst- und Kleinunternehmer bis maximal 20 Mitarbeiter steuerten auf eine existenzielle Krise zu oder befänden sich längst mittendrin. Brandelik denkt dabei in erster Linie an Einzelhändler, Gastronomen und Dienstleister, hauptsächlich aus der Altstadt. "Es geht weniger um das produzierende Gewerbe und die Industrie", sagt Brandelik und geht davon aus, dass diese Betriebe wesentlich leichter das Instrument der Kurzarbeit nutzen können. Ein Solo-Selbstständiger dagegen könne sich selbst ja schlecht in Kurzarbeit schicken.

"Viele schon auf Anschlag"

Vor diesem Hintergrund gewinnt Brandelik den Eindruck, "dass viele schon auf Anschlag sind oder darüber hinaus". Doch der Gewerbebau-Chef hat ein Problem: Obwohl es sie höchstwahrscheinlich gibt, seien ihm und seiner Gesellschaft offiziell keine Fälle bekannt, in denen kleinere Betriebe auf eine Insolvenz zusteuerten: "Es gibt nur Gerüchte, zu denen ich mich nicht näher äußern möchte. Aber auf der Basis von Gerüchten lässt sich keine Politik machen. Wir brauchen schon Fakten, um auch helfen zu können."

Und das will die Gewerbebau natürlich: "Wir können nicht mit Geld helfen, aber Lösungsansätze liefern. Wir wollen nicht, dass jemand zumacht oder nicht wieder aufmacht, obwohl es Möglichkeiten und Lösungsansätze gegeben hätte." Soll heißen: Wer sich selbst nicht mehr zu helfen weiß oder angesichts der Förderprogramme von Bundesrepublik und Freistaat den Überblick verloren hat, soll sich bei der Gewerbebau melden: "Dafür würden wir gern da sein. Als Vermittler und Ratgeber." In einem Gespräch, das vertraulich behandelt werde, ließen sich vielleicht neue Überlegungen und Lösungsansätze finden. Und wenn es nur der Tipp sei, sich vielleicht auch vertrauensvoll an die Hausbank zu wenden: "Für Private ist es schwierig, das alles im Blick zu behalten. Aber wir haben die Informationen und können individuell helfen." Das könne übrigens auch die Stadt in Form von Sondernutzungsregelungen oder Stundungen bei der Gewerbesteuer sowie Mieten, falls es sich um die Nutzung städtischer Gebäude handelt.

Apropos Mieten: Brandelik ist davon überzeugt, dass die Pandemie das Mietniveau verändern wird. Vor dem Hintergrund der sinkenden Umsätze müssten sich Vermieter darauf einstellen, künftig nicht mehr die bisher gewohnten Beträge verlangen zu können: "Wir werden die Vermieter zur Bewältigung der Situation brauchen."

"Resignation aufbrechen"

Mit seinem Aufruf, sich an die Wirtschaftsförderer zu wenden, will der Gewerbebau-Chef "die Resignation aufbrechen", wie er es nennt, denn: "Wir möchten nach dieser schwierigen Zeit eine vitale Stadt haben und dabei helfen, wo es nur geht." Selbst wenn es so sein sollte, dass die Hilfesuchenden bei der Gewerbebau etwas erfahren, was sie schon wissen, sei das nicht schlimm: "Lieber einmal zu viel darüber geredet als einmal zu wenig."

Hintergrund:

So erreichen Ratsuchende die Gewerbebau

Im Internet: www.coronahilfeamberg.com

Telefonisch: Corona-Hotline: 09621/916 40-23

Per E-Mail: corona[at]gewerbebau-amberg[dot]de

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