08.08.2019 - 10:26 Uhr
AmbergOberpfalz

Anton Wurzer alias "Ritter Bardenbaß"

Der Heimatdichter war Mitglied im Männerbund "Schlaraffia". Mit Herrmann Hesse pflegte er einen Briefwechsel.

Die Todesanzeige für „Ritter Bardenbaß“ alias Anton Wurzer in der Zeitung der „Schlaraffen“.

Unter dem Titel "Durchgefallen im Fach Deutsch" berichtete die OWZ (26. Juni) bereits von dem Lehrer und bekannten Heimatdichter Anton Wurzer, der aus Altenstadt/WN stammt. Zuletzt wohnte er in Amberg und war vielen dort besser unter seinem "Schlaraffen"-Namen "Ritter Bardenbaß van der Weyden" bekannt.

Was ist "Schlaraffia"? Ein vor 160 Jahren in Prag gegründeter Männerbund, dessen Mitglieder sich im Winterhalbjahr weltweit in zirka 300 Orten einmal wöchentlich nach genau festgelegtem "Ceremoniale" treffen und unter dem Motto "Freundschaft, Kunst, Humor" spätmittelalterliches Spiel persiflieren. Mit Kurzvorträgen, Gedichten und musischen Darbietungen werden die Abende gestaltet. Damit die "Burgfrauen" und "Burgwonnen" - wie es "schlaraffisch" korrekt heißt - wissen, in welchem Freundeskreis sich ihr Partner bewegt und welches Spiel er "spielt", werden diese bei festlichen Anlässen während des Winterhalbjahres, im Sommer stets, eingeladen. Nach dem Krieg trafen sich aus Böhmen vertriebene "Schlaraffen" zufällig in Amberg. Zu ihnen stieß Anton Wurzer und wurde 1952 gemeinsam mit 23 Gleichgesinnten, nun als Ritter "Bardenbaß van der Weyden" Gründungsmitglied ("Erzschlaraffe") des "Reyches Am Eysenhammer". Die Ritter-Namen basieren auf Steckenpferden, Tätigkeiten, Eigenschaft oder, Herkunft. So entstand aufgrund Wurzers Freude zu Gesang und Spiel mit dem Kontrabass sein Ritter-Name. Der Beiname ist selbsterklärend. Spontan übernahm "Ritter Bardenbaß" das Amt des Hofmalers und des Wappen- und Adelsmarschalls.

Bei eisiger Kälte erinnerte anlässlich der Beerdigung Wurzers im Januar 1955 auf dem Katharinenfriedhof in Amberg der Schulrat mit den Worten: "Er war ein vorbildlicher Lehrer und Erzieher, zeichnerisch, musikalisch und literarisch tätig und wirkte am weitesten durch seine dichterische Begabung." Der Rektor der Luitpoldschule ergänzte: "Wir haben unser Bestes verloren." Ein Vertreter des Nordgautags würdigte "den treuen Sohn der Oberpfalz". Am Grab sprach neben dem Weidener Oberbürgermeister und dem Bürgermeister von Pleystein auch ein Vertreter "Schlaraffias". Der Gesangverein Pleystein und der Amberger Lehrerchor sorgten für den musikalischen Rahmen, ein wehmütiges Trompetensolo erklang.

1939 war Anton Wurzer von Pleystein nach Amberg gezogen. Der Grund dafür ist vermutlich im Nationalsozialismus zu suchen. "Um sich der Vereinnahmung durch die NSDAP in Pleystein zu entziehen, bemühte sich Wurzer um eine Versetzung nach Weiden. Dem wäre jedoch nur stattgegeben worden, wenn er der Aufforderung des damaligen Oberbürgermeisters nachgekommen wäre, aus der Kirche auszutreten. (...) Wurzer blieb seinem Bekenntnis treu und wählte schweren Herzens den Weg nach Amberg. Auch wandte er sich vehement gegen den ,braunen Vorschlag' der Umbenennung der Oberpfalz in Nordgau." (Quelle: "Der neue Tag").

Vier Briefe soll Hermann Hesse zwischen 1932 und 1937 an Anton Wurzer geschrieben haben. In einem stand: "Die Melodie Ihrer Verse und die Gesinnung des Herzens, aus der sie kommen, sind so schön und haben mir so sehr Freude gemacht, daß ich wenigstens mit diesen Zeilen danken möchte."

Mehr von und über Anton Wurzer finden Interessierte auch in "Die Oberpfalz" (Verlag Laßleben; 41/1953 und 71/1983).

Informationen über "Schlaraffia" gibt es auf www.schlaraffia.org, www.am-eysenhammer. com und www.in-der-weyden.de.

Das Lied vom Bardenbaß:

Von seiner Begeisterung für das schlaraffische Spiel zeugt ein von Anton Wurzer für seine schlaraffischen Freunde verfasstes Gedicht: das „Lied vom Bardenbaß“.

Der Bardenbaß, der Bardenbaß,/spielt einen prima Kontrabaß./Er streicht ihn laut, er streicht ihn leis‘.

Vidiriumpumbumm, vidiriumpumbumm, vidiriumpumbumm – pumbumm.

War sehr verliebt in seinen Baß,/Der gute, alte Bardenbaß./Wenn er gespielt mit Energie,/war er ein Kontrabaßgenie. (Vidiriumpumbumm...)

Und Lola sprach von Bardenbaß:/Sein Spiel, sein Spiel, das ist etwas;/Das greift dich an und nimmt dich mit./Er ist ein Virtuos‘, ich bitt‘! (Vidiriumpumbumm ...)

Doch einmal sprach der Bardenbaß:/„Mir wird zu laut der Kontrabaß./Ab morgen spiele ich Klavier!“/Und spielt auf zärtlichste Manier: Klimperimpimbimm ...

Da weinte Lola: „Bardenbaß,/du spielst so flau, was ist denn das?/Das ist nicht mehr das alte Lied,/das mir so tief zu Herzen zieht!“ (Klimperimpimbimm ...)

Drauf griff der gute Bardenbaß/Zu seinem alten Kontrabaß/Und strich mit Macht im Orgelton/Der Lola auf mit Donnerton. (Vidiriumpumbumm ...)

Er geigte hoch und geigte tief,/daß Lola wieder jubelnd rief:/„Ach Bardenbaß, ach Bardenbaß,/so macht mir Spaß dein Kontrabaß!“ (Vidiriumpumbumm ...)

Jedoch im besten Kontrabaß/Hakt’s einmal aus, es reißt etwas./Vielliebe Lola, merke dir,/am End‘ bleibt doch nur das Klavier. (Klimperimpimbimm ...)

Begrüßung eines eingerittenen Freundes in der Burg (Vereinsheim) der "Schlaraffen".
Ein Totengedenken (Ahallafeyer) der "Schlaraffen".

Mehr über das Leben von Anton Wurzer:

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