05.05.2021 - 15:10 Uhr
AmbergOberpfalz

Ambergs Radler stellen sich jeder Kontrolle

Zweiradfahrer und insbesondere die Radler leben im Straßenverkehr an sich schon gefährlich. Das tun sie auch in Amberg. Doch hier trotzen sie einem Trend, der sich gerade durch Corona noch einmal verstärkt hat.

Alles richtig gemacht. Dieser Radfahrer schiebt sein Gefährt über den Zebrastreifen. Er musste – wie viele andere auch – beim Aktionstag der Polizei nicht ermahnt werden.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Bei diesem Radfahrer müssen sogar die Polizeibeamten lachen, die ihn kontrollieren. Mit seinen Ohrhörern kann er leider nicht verstehen, dass er die im Straßenverkehr bitte aus seinen Ohren entfernen soll. "Ich kann nichts verstehen", sagt er und schaut die Beamten ratlos an. Irgendwann kapiert er es dann und zieht die Stöpsel heraus. Da sein Rad ansonsten ganz gut in Schuss ist und mit Ausnahme der Speichenreflektoren auch sonst alles vorhanden, darf er weiterfahren - ohne Ohrstöpsel natürlich.

Aktion zum Schutz der Radfahrer

Die Kontrolle am Nabburger Tor ist keine Schikane. "Ungeschützte Verkehrsteilnehmende, insbesondere Radfahrende", heißt sie ganz offiziell und ist Teil der bayernweiten Aktion "Bayern mobil - sicher ans Ziel". Zusätzlich ist an diesem ersten Kontrolltag auch noch bundesweiter Sicherheitstag in Sachen Radverkehr, die Amberger Polizeiinspektion hat also Gründe genug, sich einmal die Radler, ihre Gefährte und ihr Verhalten im Verkehr genauer anzuschauen.

Dafür hat sie an diesem verregneten Maitag reichlich Zeit und Muße. Nur wer muss, steigt heute auf seinen Drahtesel. Meist sind es Berufstätige, die in die Arbeit fahren. Sie wissen, wie sie sich zu verhalten haben und dass ihr Fahrrad verkehrssicher sein muss. Nicht alle haben es allerdings mit dem Helm, sie erhalten die zarte Aufforderung, sich schon aus Selbstschutz künftig einen solchen aufzusetzen. Hier am Nabburger Tor kommt noch eine Besonderheit dazu: das Verhalten beim Queren des Zebrastreifens. Wer als Radler einen Zebrastreifen benutzt, muss absteigen, um sein Vorfahrtsrecht gegenüber den Autofahrern zu behalten. Wer hingegen über den Streifen radelt, muss anhalten, wenn ein Auto kommt.

Schnell springt ein Radfahrer noch kurz vor dem Zebrastreifen am Nabburger Tor ab und schiebt drüber. Sein verschmitztes Lächeln zeigt schon: Normalerweise hätte er das nicht getan. Das wissen natürlich auch die Polizisten und erinnern ihn noch einmal daran. Damit Amberg auch weiterhin dem Trend trotzt: Hier hat es in den vergangenen Jahren keine toten Radler im Verkehr gegeben.

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Amberg
Hintergrund:

Immer mehr Radfahrer sterben im Straßenverkehr

  • Die Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern sind in Bayern 2020, unter anderem wegen der Corona-Pandemie, um 9,6 Prozent auf 19.212 angestiegen.
  • Dabei wurden 68 Radfahrer getötet (2019: 77) und 18.006 Radfahrer verletzt (2018: 16.291).
  • Der Radverkehr war an 70 tödlichen Verkehrsunfällen beteiligt.
  • Auffällig ist, dass die Radfahrer 49 dieser Unfälle selbst verursachten und bei sechs weiteren Unfällen Mitverursachende waren.
  • Die häufigsten Unfallursachen der Radfahrer bei den tödlichen Verkehrsunfällen waren andere Fehler (17 Fälle), Missachten der Vorfahrt (10 Fälle) sowie nicht angepasste Geschwindigkeit (8 Fälle).
  • Im Amberg gab es seit 2018 keinen toten Radfahrer mehr nach Verkehrsunfällen.
Kommentar:

Wir Radfahrer müssen die besseren Verkehrsteilnehmer sein

Natürlich kann man hinter den derzeit laufenden Verkehrskontrollen für Radler wieder einmal reine Schikane vermuten. Aber abgesehen davon, dass die Polizistinnen und Polizisten vor Ort ohnehin nur sehr sympathisch aufklären und informieren und nicht gleich strafen, geschieht das zu unser Radler aller Sicherheit. Normalerweise sollte ohnehin jeder, der auf sein Rad – sei es elektrisch oder immer noch analog – steigt, eine Klingel, Schutzbleche, funktionierende Bremsen oder ein gutes Licht dabei haben. Das passiert zur eigenen Sicherheit, denn gerade die nicht von Blech und Airbag geschützten Radfahrer sind mit die schwächsten Glieder im Straßenverkehr. Theoretisch Vorfahrt zu haben und darauf zu bestehen, nützt einem Radfahrer nichts, wenn er dann schwer verletzt oder gar tot ist. Radler müssen schon aus Selbstschutz immer die besseren Verkehrsteilnehmer sein. Noch besser wäre es übrigens, wenn sie das auch noch mit einem Helm auf ihrem Kopf wären.

Andreas Ascherl

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