29.07.2021 - 11:16 Uhr
AmbergOberpfalz

Ambergs kurioseste Baustelle: Das Bootshaus an der Vils

Diese Baustelle erregt Aufsehen. Viele Passanten fragen Bauherr Klaus Herdegen, was hier, mitten in den verwinkelten Amberger Altstadtgassen an der Vils, entsteht: Hier werden vier historische Häuser zum Hotel Bootshaus verbunden.

Amberg vermutlich kurioseste Baustelle, mit sehr wenig Platz und riesigem Kran, direkt an der Vils, im Herzen der Altstadt: Hier entsteht aus vier historischen Häusern das Hotel/Café Bootshaus.
von Heike Unger Kontakt Profil

In dem handschriftlich verfassten Brief, den er im März mit in die Grundstein-Box gelegt hatte, hat Klaus Herdegen vom "Sehnsuchtsort Bootshaus" geschrieben. Dass der Weg dorthin, zum Café und kleinen Hotel direkt an der Vils, mitten in der Amberger Altstadt, nicht einfach werden würde, war ihm klar. Doch das bremst den Lüdecke-Geschäftsführer nicht, im Gegenteil: Vier Monate nach der Grundsteinlegung steht der Bauherr vor Ambergs wohl ungewöhnlichster Baustelle, um vom Stand der Arbeiten zu berichten.

Vier betagte Gebäude, die sich um eine kleine Freifläche gruppieren, auf der gerade ein riesiger Kran steht. Spezielle Gerüste zwängen sich zwischen Baustelle und Nachbargebäude, teilweise muss die Schiffbrücke für Passanten gesperrt werden. Weil es hier keinen Lagerplatz gibt und sehr große Fahrzeuge die Baustelle durch die enge Schiffbrückgasse nicht ansteuern können, wurden Container und Gerätschaften, die für den Spezialtiefbau benötigt werden, ans gegenüberliegende Vilsufer, in die Schiffgasse, ausgelagert. Hier werden auch manche der Baumaterialien angeliefert und dann vom Kran über die Vils gehoben.

Endspurt beim Rückbau

In die vier alten Häuser an der Vils, direkt zwischen Luftmuseum und Schiffbrücke, kann man momentan nicht hinein – der Rückbau ist im Endspurt, Experten arbeiten an den Dachstühlen. Doch Herdegens begeisterte Schilderung gewährt trotzdem schon einmal Einblick in seinen Sehnsuchtsort, den er im Geiste mit vielen Ideen schon jetzt sehr lebendig werden lässt. Auf der Schiffbrücke schwärmt er davon, was er sich alles vorstellen kann rund ums Bootshaus. Den Betrieb von Hotel und Café überlässt er gern seiner Tochter Eva Bogner – aber freitags will er da sein, um selbst auszuschenken.

Keine Frage: Da investiert einer ganz viel Herzblut. Und ganz sicher auch sehr viel Geld. Zum Thema Kosten will Klaus Herdegen nichts sagen. So bleibt es der Fantasie seines Gegenübers überlassen, wieviel Geld die denkmalgerechte Sanierung von vier alten Häusern in einer historischen Altstadt direkt am Fluss verschlingt, die hochwassersicher und barrierefrei eine neue, moderne Nutzung bekommen sollen. Nur eine Anmerkung macht der Bauherr zu diesem Thema. Und die zeigt deutlich, worum es geht: Alleine die Sicherung der schwer in Schlagseite geratenen Ufermauer ist ein finanzieller Kraftakt. Ohne die Städtebauförderung, die es dafür gab, "wäre das ein Totschlagargument gewesen", räumt Herdegen ein – dann hätte sich das Projekt erledigt: "Das wäre alleine nicht zu machen gewesen." Und dabei spricht er noch gar nicht von der geplanten Neugestaltung dieses Uferbereichs, wo einmal Gäste im Freien sitzen sollen. Denn das Geld, das dieser Teil des Projekts gerade verschlingt, dient nur dazu, "dass die Mauer nicht umfällt". Das wurde am Ende doppelt so teuer wie zunächst veranschlagt.

Schwieriger Untergrund

Doch Herdegen klagt nicht. Auch nicht über das Spannungsfeld Baureferat, Wasserwirtschaftsamt, Archäologie/Denkmal- und Hochwasserschutz, in dem er sich bei diesem Projekt bewegt. Im Gegenteil: Er lobt das Miteinander alle Beteiligten. "Wir kommen gut voran", sagt er, auch wenn die aufwendige Sicherung des Untergrunds die Arbeiten etwas in Verzug gebracht hat. "Wir mussten dafür deutlich mehr Pfähle setzen, als wir gedacht hatten", denn der Untergrund war "viel schlechter als wir angenommen hatten". Also mussten um die 30 Microbohrpfähle 14 Meter tief in den Boden getrieben werden, um die Häuser zu unterfangen.

Diese Stabilisierung ist eine Herausforderung, eine andere ist die Hochwassersicherheit. "Wir wollten ja bewusst ans Wasser ran", betont Herdegen, wohl wissend, dass die Vils regelmäßig Hochwasser hat. Er macht sich darüber keine Sorgen, die Planung sei entsprechend ausgelegt. "Das wird alles wasserdicht", unter anderem durch eine Bodenwanne und Schotts, mit denen Fenster und Türen im Erdgeschoss dichtgemacht werden können. "Ich denke, wir werden regelmäßig Hochwasser-Übungen machen", blickt Herdegen schon mal in die Zukunft und erkennt darin lachend gleich ein Motto für den anschließenden Umtrunk im Café, "erst Schotten, dann Schoppen".

Die Weide darf bleiben

Auch draußen, an der Ufermauer, wird ein Hochwasserschutz installiert – in Form von ausklappbaren Platten. Und die beiden Plattformen, eine Art Terrasse, die vom kleinen Innenhof über den Fluss hinausführt, werden zwar fest verankert, sind dabei aber hochfahrbar, um einer Flut ausweichen zu können. Ganz hinten, am Ende des Außengeländes, wächst eine Weide. Herdegen hatte eine Genehmigung, sie zu fällen. Aber ihm war es wichtig, "dass diese Weide stehen bleibt", auch wenn das angesichts der an sich schon komplizierten Tiefbauarbeiten eine zusätzliche Herausforderung war: "Dieser Baum ist ein Traum, der gehört hier her."

Die Vils besorgt Herdegen nicht, sie beflügelt seine Ideen für das Bootshaus. Der Bauherr denkt schon an Zusammenarbeit mit Kanuverleihern, hofft, dass Paddler hier gerne Station machen und will auch den eigenen Gästen Kajaks zur Verfügung stellen. Einen Vilskahn hätte er auch gern – nicht so groß wie die Plätten, eher eine Art Ruderboot. Noch sucht er jemanden, der ihm so etwas zimmern könnte. Noch ein wenig weitergesponnen denkt er auch an eine kleine Plätte mit Elektroantrieb: Weil das Bootshaus keine eigenen Parkplätze hat, könnten Gäste beim ACC in der Tiefgarage parken, an der Anlegestelle beim ACC in die E-Plätte steigen und sich dann zum Bootshaus schippern lassen. Abgesehen davon gibt es ja auch den Fußweg entlang der Vils durch die Stadtbrille – für Herdegen "die schönsten 300 Meter" in der Altstadt.

Der Schafkopf-Tisch

Nach den jüngsten Hochwasser-Katastrophen im Westen habe es extra noch einmal ein Gespräch mit Fachleuten zu diesem Thema gegeben. Ergebnis war, dass der vorgesehene Schutz ausreicht. Grundlage dafür ist der Höchststand eines hundertjährlichen Hochwassers, der "etwa auf mittiger Höhe der Schiffbrücke" angenommen wird. Unter der Brücke, nahe dem Eingang zum künftigen Bootshaus, stand einst übrigens ein Tisch, wie Herdegen erzählt: "Da ist Wäsche gewaschen und Schafkopf gespielt worden." Waschen darf man an der Vils heute nicht mehr. Aber die Geschichte vom Tisch unter der Brücke gefällt Herdegen so gut, dass er verspricht, im Hof des Bootshauses "wird für Bootsfahrer immer ein Tisch frei sein". Bestimmt auch zum Schafkopfen.

Weil die Gebäude flutsicher umgebaut werden, kann das einst nachträglich durch Verfüllung angehobene Haus in der Mitte wieder auf sein original historisches Niveau abgesenkt werden. So bekommen im Erdgeschoss alle vier Häuser "ein einheitliches Niveau" für die gewünschte Barrierefreiheit. Den Weg nach oben macht neben einem zentralen Treppenhaus ein Aufzug frei. Dessen Schacht ist im nicht denkmalrelevanten Teil schon fertig. Damit kommt Herdegen gleich zur Inklusion, die er sich im Bootshaus auch beim Thema Personal wünscht. Mit den Amberger Jurawerkstätten gebe es dazu schon Gespräche.

Der erste Gast hat sich schon angemeldet

Bis alle diese Ideen umgesetzt werden, wird es noch eine Weile dauern. Herdegen kalkuliert mit der Fertigstellung des Bootshauses 2023. Und wirkt angesichts der Mammutaufgabe überraschend gelassen. Albträume habe er nur manchmal, sagt er lachend, "nachts im Halbschlaf", wenn im Kopf Zahlen kreisen. Doch auch die können ihn nicht bremsen: "Das ist über so viele Jahre gewachsen – ich lass' mir das nicht vermiesen." Er strickt lieber weiter an Geschichten rund um das Projekt.

Eine erzählt er noch schnell, bevor er weiter muss. Ein 85-Jähriger aus Bamberg ist übers Internet auf das Bootshaus aufmerksam geworden und hat sich gemeldet: Er hat seine Kindheit im "roten Haus", in der Mitte des künftigen Hotels, verbracht. Als er 1958 zur Bundeswehr ging, ist er aus Amberg weggezogen. Jetzt kam er für einen Tag zurück, hat Herdegen und seiner Tochter viel erzählt von damals, im roten Haus. Und er hat sich schon mal als Hotelgast im Bootshaus angemeldet – mit seiner ganzen Familie, zum Bergfest 2023.

Aus vier Amberger Altstadt-Häusern wird ein Hotel an der Vils

Amberg

Grundsteinlegung für das Bootshaus

Amberg

 

 

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