04.07.2021 - 14:34 Uhr
AmbergOberpfalz

"Ambergs Drive-in-Friedhof": Das halten die Bewohner der Luitpoldhöhe vom Stadtteil

Weder Bäcker noch Metzger. Der nächste Laden befindet sich auf Landkreisseite. Der Stadtteil Luitpoldhöhe schlummert in Amberg vor sich hin. Das soll sich ändern.

Für den Friedhof im Stadtteil Luitpoldhöhe gibt es nur zwei Parkplätze. Zudem darf mit dem Auto über das Gelände gefahren werden. Für viele Anwohner sind das untragbare Zustände.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Die Ausarbeitung des Entwicklungskonzepts für den Stadtteil Luitpoldhöhe schreitet voran. Die Teams der von der Stadt Amberg beauftragten Büros Planwerk aus Nürnberg und Dragomir (München) haben beim digitalen Auftakt Ende vergangenen Jahres viele Informationen und Anregungen von Anwohnern erhalten. Auch über eine Online-Umfrage sind zwischenzeitlich Ideen eingegangen. Das alles mündete in Fragestellungen zu fünf markanten Bereichen, die am Freitagnachmittag bei einem Rundgang Stationen waren. Gut 30 Bewohner machten sich mit Planwerk-Büroleiter Tobias Preising und dessen Kollegen rund zwei Stunden lang zu Fuß auf den Weg durchs Viertel.

Der Stadtteil Luitpoldhöhe wurde einst als Arbeitersiedlung der benachbarten Luitpoldhütte gegründet und 1972 nach der Gebietsreform ein Teil von Amberg. Jetzt strebt die Stadt die Aufnahme des Gebiets in ein Städtebauförderprogramm an. Dazu braucht es aber ein Entwicklungskonzept, das nun immer konkretere Züge annimmt. Wesentlicher Bestandteil: Die Bewohner dürfen mitreden. Auch deswegen gab es am Freitag den Rundgang, vor dessen Start Tobias Preising warnte: „Wir werden in diesen zwei Stunden nicht alles sehen.“

„Es ist alles wichtig“

Der Stadtplaner nahm sich aber die Zeit für jede Anregung, jede Frage und jede Idee. Sein Credo: „Selbst Dinge, die nicht auf der Route liegen, sagen Sie es uns. Es ist alles wichtig. Wir sind für jeden ihrer Vorschläge dankbar.“ Bevor sich der Tross von der Kindertagesstätte an der Selgradstraße aus in Richtung Friedhof, Spielplatz, Hörburgerstraße, Schwedenschanze, Dr.-Robert-Strell-Straße und Schützenheim in Bewegung setzte, bekam Preising zum ersten Mal an diesem Nachmittag Gegenwind aus der Bevölkerung. Aber auch zum letzten Mal. Klaus Neidl monierte, dass Touren wie diese nicht unbedingt an einem Freitagnachmittag stattfinden sollten, sondern „montags um 10 Uhr“: „Dann sollten wir uns mal die Parkplatzsituation ansehen und uns die Luitpoldhütte anhören. Wenn wir uns freitags treffen, spiegelt das ja nicht die Situation wider.“ Preising nickte und sagte, dass das Entwicklungskonzept schrittweise erarbeitet werde und alles beinhalte, „was angepackt werden muss“. Unabhängig von einer Tages- oder Uhrzeit.

Damit punktete der Nürnberger, der auch Verständnis für das Anliegen der Bewohner zeigte, den Friedhof nicht so zu lassen, wie er derzeit ist. Zwei Parkplätze seien einfach zu wenig. Außerdem missfällt es einigen Bewohnern, dass Autos durch das Gelände fahren dürfen. Wieder war es Klaus Neidl, der sich meldete: „Das ist Ambergs einziger Drive-in-Friedhof. Da fehlt nur noch der McDonald’s.“ Und wieder war es Preisingers Part, zu antworten. Das tat er mit diesen Sätzen: „Wir können nicht alles versprechen, aber wir können zuhören. Schreiben Sie es auf. Dafür haben sie die Zettel.“

Gaststätte auf Wunschliste

Jeder, der mitging, bekam zu den einzelnen Stationen Bögen, auf denen Anregungen und Ideen hinterlassen werden konnten. So wurde der Wunsch nach Läden und Gastwirtschaft laut, wurde niedergeschrieben, dass es einen Fußweg hinauf zu Platte geben sollte, die Straßen saniert werden müssten und ein geplantes Neubaugebiet vernünftig erschlossen werden sollte – und nicht über die schon jetzt zu engen Straßen. Tobias Preising warnte die Anwohner schon mal vor: „Kanalsanierung und Straßensanierung. Das wird eine große Baustelle. Um es mal so zu sagen.“ Was bei seinen Zuhörern ebenfalls gut ankam: „Wir wissen, dass es Zeit wird.“

Bis September sollen die am Freitag formulierten Anregungen ausgewertet und in einem Workshop mit den Anwohnern vertieft werden. Danach könne alles in das Entwicklungskonzept münden. Spätestens Anfang 2022 sollen laut Preising die ersten Entscheidungen im Stadtrat anstehen. „Kleine Dinge“, zum Beispiel die Aufstellung der von vielen Anwohnern gewünschten Ständer mit Hundekot-Beuteln, könnten schon jetzt realisiert werden: „Da braucht es keinen Stadtratsbeschluss.“ Und auch das kündigte Preising an: „Wir werden wegen der Lärm- und Geruchsbelästigung nochmal mit der Luitpoldhütte reden. Wir wissen, worum es geht. Wir haben es selbst gerochen und wir haben’s gehört.“

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Amberg
Rund 30 Bewohner des Stadtteils Luitpoldhöhe begaben sich am Freitagnachmittag mit dem Nürnberger Stadtplaner Tobias Preising (links) und dessen Kollegen auf einen zweistündigen Spaziergang durchs Viertel. Dabei wurden Ideen gesammelt, die in ein Entwicklungskonzept münden sollen.
Hintergrund:

Die Stationen und die Fragestellungen

Kindertagesstätte:

Was fehlt als Funktion für einen Quartiersplatz? Wie könnte man den überdimensionierten Straßenraum nutzen? Welche Nutzungsmöglichkeiten gibt es für das ehemalige Schulgebäude?

Spielplatz:

Welche Gestaltungs- und Nutzungsmöglichkeiten gibt es? Welche Wünsche gibt es für die Freizeitgestaltung im Viertel?

Dr.-Robert-Strell-Straße:

Wie soll die Verkehrssituation verbessert werden? Welche Ideen gibt es zur Verbesserung der negativen Einflüsse durch die Luitpoldhütte?

Schwedenschanze:

Wie kann die Grünfläche genutzt werden? Wie kann das Miteinander der Nachbarschaft gestärkt werden?

Kleingartenanlage:

Gibt es Bedarf für die Nutzung der Kleingartenanlage? Wie kann das Wohnumfeld verbessert werden? Wie kann der Erzberg als Naherholungsgebiet aufgewertet werden?

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