19.08.2020 - 18:04 Uhr
AmbergOberpfalz

Ambergerin will mehr Straßen mit Frauennamen

Warum gibt es in Amberg so wenige Straßen, die nach Frauen benannt sind? Susan Batten-Seidl hat recherchiert und ist, abgesehen von weiblichen Heiligen, auf gerade mal drei "Frauen-Straßen" gekommen. Das sei zu wenig, sagt sie.

Susan Batten-Seidl findet es höchste Zeit, dass in Amberg mehr Straßen oder Plätze nach Frauen benannt werden.
von Heike Unger Kontakt Profil

In Paris, Amsterdam und Brüssel gibt es bereits seit einiger Zeit eine Kampagne, mehr Straßen nach Frauen zu benennen, sagt Susan Batten-Seidl. Die Wahl-Ambergerin, die aus Großbritannien stammt, aber schon lange hier lebt und gerade auch die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen hat, hat bei ihren Nachforschungen nur drei Amberger Straßen gefunden, die nach Frauen benannt sind (abgesehen von Heiligen wie Barbara): Lena-Christ-, Marie-Ankermüller- und Sophie-Scholl-Straße. Sie versucht nun, Ähnliches wie in Amsterdam oder Paris auch in Amberg anzustoßen. Der Club Soroptimist International, eine Serviceorganisation berufstätiger Frauen, dem Batten-Seidl angehört, habe der Stadt bereits entsprechende Vorschläge gemacht.

Frauen mit einem Bezug zur Stadt, die Bemerkenswertes vollbracht haben, oder andere verdiente weibliche Persönlichkeiten gebe es schließlich genügend. Batten-Seidl wären schon vor ihren Recherchen ein paar Beispiele eingefallen. Etwa Maria Geiss-Wittmann, ehemalige Landtagsabgeordnete, Ex-Vorsitzende des Sozialdienst katholischer Frauen, von Donum Vitae und Initiatorin des Moses-Projekts (anonyme Geburt). "Aber das geht nicht", weiß Batten-Seidl inzwischen: Nur bereits Verstorbene kämen als Namensgeber für Straßen infrage.

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"Frauen sind nicht anerkannt"

Noch eine Hürde gibt es, wie Susan Batten-Seidl bei ihren Nachforschungen herausgefunden hat: Frauen wie Maria Geiss-Wittmann müssten als potenzielle Namensgeber auch eine besondere Auszeichnungen erhalten haben, zum Beispiel die Ehrenbürgerschaft. Das, meint die Ambergerin, "ist das Problem: Dass Frauen nicht anerkannt sind für ihre Arbeit". Ein Grund mehr für Batten-Seidl, bei diesem Thema nicht nachzugeben – nicht aggressiv, wie sie sagt, aber doch mit Nachdruck.

Sie nennt noch ein paar Namen: Die Ambergerinnen Johanna Decker (Missionsärztin), Annie Hertinger (Gründerin SkF Amberg), Anni Brucklachner (Heilpraktikerin, Gründerin der Frauen-Union Oberpfalz) oder Frauen wie Loki Schmidt (Lehrerein, Botanikerin, Autorin) oder Agnes Neuhaus (Politikerin, Gründerin des Vereins vom Guten Hirten/später SkF). "Diese Frauen haben wahnsinnig viel getan für die Gesellschaft und unser Leben geformt", sagt Batten Seidl. Und jetzt, wo der SkF in Amberg ein Frauenhaus errichte, wäre es doch ein gute Anlass, wenn man beispielsweise die Arbeit dieses Vereins, die "wirklich wichtig ist", auch symbolisch durch Benennung einer Straße nach einer Persönlichkeit aus ihren Reihen würdigen würde.

Stadtführung zum "weiblichen Amberg"

Dazu passe auch die aktuelle Debatte um umstrittene Straßen- und Platznamen in Amberg wie den Hindenburgplatz, meint Susan Batten Seidl. Aber auch, dass ihr Mann Peter Seidl, der Stadtführer ist, in Kontakt mit Stadtheimatpflegerin Beate Wolters an einer speziellen Führung zur weiblichen Seite Ambergs arbeite.

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Von Stadtarchivar Johannes Laschinger hat Batten-Seidl gerade eine E-Mail bekommen mit dem Hinweis, dass eine der von ihrem Verein vorgeschlagenen Namensgeberinnen schon zum Zuge gekommen ist. Laschinger schreibt: "Es dürfte Sie freuen, dass der Hauptverwaltungs- und Finanzausschuss des Amberger Stadtrates in seiner Sitzung vom 20. Februar 2020 die Ärztin und Gründerin der Deutschen Krebshilfe Dr. Mildred Scheel, die in den Jahren 1944-1954 in Amberg lebte und hier auch das Abitur ablegte, mit einer Straßenbenennung geehrt hat."

Ein kleiner Erfolg. Aber der reicht Batten-Seidl nicht. Sie will weiter am Ball bleiben – und hofft, dass sich ihrem Anliegen noch weitere Amberger, vielleicht auch Gruppen, Institutionen oder Parteien, anschließen und es unterstützen. Damit Ambergs Straßen weiblicher werden.

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Kommentare

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Wolfgang Junak

???

20.08.2020
Elfriede Itzel

Zu den weiblichen Straßennahmen in Amberg. Ich schreibe aus der Entfernung (Großraum Rhein-Main) und freue mich als alte Ambergerin, dass dieses Thema an Aktualität gewinnt. Besonders freut mich, dass nach Dr. M. Scheel, geb. Wirtz (Vater hatte das erste Röntgeninstitut im Hause meiner Großtante am Kaiser-Wilhelm-Ring in Amberg) eine Straße in Amberg benannt wurde.
Elfriede Itzel

20.08.2020