26.09.2021 - 22:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger stimmen gegen geplante Ten-Brinke-Bebauung

Mit hauchdünnen 255 Stimmen Vorsprung in der Stichfrage haben die Amberger gegen die geplante Ten-Brinke-Bebauung auf dem Bürgerspitalareal gestimmt.

Auszählung der Stimmen zum Bürgerentscheid in Amberg.
von Redaktion AmbergProfil

Von Andrea Mußemann, Markus Müller und Andreas Ascherl

Es ist eine Nervenschlacht - und schwer verwirrend. Denn tatsächlich gewinnen beide Seite beim Bürgerentscheid um das Bürgerspitalareal. Und am Ende muss deshalb die Stichfrage entscheiden. Diese Entwicklung war bereits im Vorfeld des Bürgerentscheids über die Zukunft des Bürgerspitalareals befürchtet worden: Weil beide Seiten - sowohl das Bürger- als auch das Ratsbegehren - eine satte Mehrheit erreichten, musste am Sonntag am Ende die Stichfrage entscheiden: "Falls beide Bürgerentscheide eine Mehrheit erhalten, welcher Bürgerentscheid soll dann gelten?"

19.45 Uhr: Matthias Schöberl, Vorsitzender der CSU-Fraktion und Initiator des Ratsbegehrens verfolgt das Hin und Her mit Kopfschütteln: "Beide haben die Mehrheit", kommentiert er zu einem Zeitpunkt, als das Kopf-an-Kopf-Rennen noch in vollem Gang ist. Zur gleichen Zeit schaut der Vorsitzende der IG Menschengerechte Stadt, Achim Hüttner, gebannt auf den Bildschirm im Casino, wo sich die Initiatoren des Bürgerbegehrens "Keine Brutalarchitektur in der Altstadt" versammelt haben. Gerade eben hat in der Entscheidungsfrage das Ratsbegehren das Bürgerbegehren wieder leicht überholt.

Trend dreht ständig

21 Uhr: Die beiden Briefwahlbezirke II und IV sind ausgezählt. Der zwischenzeitlich deutliche Vorsprung des Ratsbegehrens ist dahin, nun führt wieder das Bürgerbegehren der IG Menschengerechten Stadt. Doch gegen 21.30 Uhr hat sich der Trend schon wieder umgekehrt. Nun liegt das Ratsbegehren bei der Entscheidungsfrage vorn - mit 36 Stimmen. Um 21.51 Uhr dreht der Trend erneut. 38 von 41 Wahllokalen sind ausgezählt, bei der Stichfrage führt das Bürgerbegehren mit 203 Stimmen Vorsprung. "Ich glaube, so einen Bürgerentscheid hat es in Bayern und Deutschland noch nie gegeben", kommentiert Oberbürgermeister Michael Cerny die Tatsache, dass sowohl das Bürger- als auch das Ratsbegehren eine deutliche Mehrheit bekommen haben. Angesichts der hohen Zahl ungültiger Stimmen sei es aber natürlich schwer, ein eindeutiges Ergebnis der Abstimmung herauszulesen. Doch wie auch immer die Entscheidung letztlich ausfalle: Politik und Verwaltung müssten sie als klaren Auftrag verstehen, selbst wenn der Bürger sich mit der Materie erkennbar schwergetan habe. Um 22.20 Uhr (ein Stimmkreis muss noch ausgezählt werden, das Bürgerbegehren führt mit 226 Stimmen in der Stichfrage) sagt Co-Initiator und ÖDP-Stadtrat Klaus Mrasek : "Der Souverän hat gesprochen. Die Sachfrage ist entschieden. Jetzt muss man überlegen wie es mit dem Gelände weitergeht." Schöberl bedauert das Ergebnis: "Es wurde sehr knapp eine wichtige Sachfrage entschieden: Das Projekt Leben am Spitalgraben soll nicht weiterverfolgt werden. Wir bedauern dies, denn aus unserer Sicht wird damit eine Chance vergeben, etwas für die Attraktivität der Altstadt zu erreichen.

Aber es ist auch klar, dass dieses Projekt nur ein Puzzlestein ist und dass wir noch vieles andere tun und berücksichtigen müssen, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen." Wie es auf dem Gelände weitergehen soll, dazu werde jetzt ein neuer Anlauf genommen - "mit einer erneuten Bürgerbeteiligung, mit einer Verständigung auf neue Entwicklungs-Ziele und mit dann veränderten Ideen für die Umsetzung".

Jubel bei Achim Hüttner

Jubel bei Achim Hüttner, dem Vorsitzenden der IG Menschengerechten Stadt. "Ich war zwischendrin mal total deprimiert", kommentiert er den Wahlkrimi. "Und jetzt bin ich total happy." Wichtig ist Achim Hüttner, dass die IG mit sehr bescheidenen Mitteln gegen die wirtschaftliche Übermacht um Investor Ten Brinke gekämpft und am Ende gewonnen habe. "Aber es geht nicht darum, dass wir gewonnen haben. Es geht darum, dass unsere schöne Altstadt erhalten bleibt."

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"Es geht nicht darum, dass wir gewonnen haben. Es geht darum, dass unsere schöne Altstadt erhalten bleibt."

Achim Hüttner, Vorsitzender der IG Menschengerechte Stadt

 

 

Kommentare

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Dominik Bauer

Glückwunsch an Hr. Hüttner dessen Protest gegen die Entwicklung aufgrund diverserer Unwahrheiten demokratisch gesiegt hatte.
Da hat der unausgeglichene Rentnerverein tatsächlich gegen den von Ihm zum Feindbild ernannten Goliath gesiegt und für Amberg tolles erreicht.
Ein Grundstück mitten in der Altstadt, das kein weiterer Investor oder Bauträger jemals mehr anfassen wird aufgrund der nun verbrannten Erde. Wer soll den dann die gewünschte Oase künfitg schaffen? Die Stadt Amberg oder gar die IG?

Da hat Amberg ein paar Spezialisten die nicht an morgen gedacht haben..
Ein Grundstück mit negativem Image dank der Querulanten, kein neuer Wohnraum, kein neuer Arbeitsplatz in der Altstadt.. Bravo!

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