22.11.2019 - 11:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Physiotherapeut betreut Tennis-Profi Julia Görges

"Mein Ziel für 2020 ist, stärker als je zuvor auf den Court zurückzukehren", schreibt Tennisspielerin Julia Görges auf ihrer Homepage. Die deutsche Nummer zwei plant einen Neuanfang – mit einem neuen Team. Teil davon ist auch ein Amberger.

Julia Görges in Aktion: Die 31-jährige Tennisspielerin trennte sich von ihrem Trainer und Physiotherapeuten. In der kommenden Saison wird sie vom bisherigen Fed-Cup-Teamchef Jens Gerlach trainiert. Auch ein Amberger gehört nun zu ihrem Team: Physiotherapeut Jörg Fauland behandelt künftig die deutsche Nummer zwei.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Julia Görges zählt aktuell zu den besten deutschen Tennisspielerinnen. Seit 2015 lebt die 31-Jährige aus Bad Oldesloe (Schleswig-Holstein) in Regensburg. Nach einem perfekten Start mit dem Turniersieg in Auckland (Neuseeland) spielte Görges 2019 eine durchwachsene Saison. In der Weltrangliste fiel die ehemalige Top-Ten-Spielerin auf Rang 28 zurück. "In diesem Jahr hatte ich mit einigen Problemen zu kämpfen, aber mit meinem neuen Team werde ich die Dynamik vom letzten Turnier in Luxemburg in die Vorsaison mitnehmen", verkündet Görges auf ihrer Website. Zu diesem neuen Team gehört auch ein Amberger: Der Physiotherapeut Jörg Fauland betreut die Sportlerin künftig.

Seit 2008 Praxis in Amberg

Gemeinsam mit seiner Frau Sonja betreibt Jörg Fauland seit 2008 eine Praxis in Amberg. Nebenbei unterrichtet der ausgebildete Osteopath in Plauen und Donaustauf - vor allem als Dozent für Manuelle Therapie. "Ein Kollege dort hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Julia Görges als Physiotherapeut zu zwei WTA-Turnieren nach Linz und Luxemburg zu begleiten." Eine Chance, die sich nicht alle Tage bietet. Der 44-Jährige freute sich. "Ich arbeite sehr gerne in der Praxis", erklärt er. Es gefalle ihm, mit vielen verschiedenen Leuten in Kontakt zu kommen. "Aber es reizte mich auch, einen Sportler mal intensiver betreuen zu können." Dennoch zögerte der Physiotherapeut. "Meine Familie hat Priorität."

Mit seiner Frau hat Jörg Fauland zwei Söhne, fünf und acht Jahre alt. "Und auch die Praxis muss natürlich laufen", sagt er. "Aber meine Frau unterstützt mich. Sie hält mir den Rücken frei. Das rechne ich ihr hoch an." Nach einem Telefonat mit Görges sagt Fauland für Linz zu. Persönlich treffen sich Sportlerin und Physiotherapeut das erste Mal bei der Abfahrt nach Österreich. "Das war schon eine Fahrt ins Ungewisse. Aber es hat sofort funktioniert, wir haben uns gleich gut verstanden."

In Amberg betreibt er mit seiner Frau eine eigene Physiotherapie-Praxis. Seit kurzem betreut Jörg Fauland zusätzlich Tennisspielerin Julia Görges und begleitet sie auch zu nationalen und internationalen Wettkämpfen.

Sportlerin im Mittelpunkt

Im Hotel angekommen erfährt der Amberger, was es heißt, eine Profi-Sportlerin zu betreuen. "Das ist natürlich ein ganz anderes Arbeiten als in der Praxis", erzählt er. "Ein Ganztagsjob."

Der gesamte Tagesablauf sei voll auf den Sportler ausgerichtet. Im Hotelzimmer wird die Behandlungsbank aufgebaut, Fauland hat Tape-Material, Lotionen, Salben, Eisspray dabei. "Alles, was ich in der Regel benötige. Für andere Notfälle sind bei Turnieren auch immer Ärzte vor Ort." An spielfreien Tagen werde zweimal trainiert, vormittags und nachmittags. Das Training dauere jeweils ein bis zwei Stunden. "Da habe ich zugeschaut, eventuelle Defizite analysiert und nebenbei auch ein bisschen den Balljungen gespielt oder Getränke gemischt."

Eine Stunde vor Trainingsbeginn hingegen starte bereits die Vorbereitung: dehnen, mobilisieren, aufwärmen. Nach der Einheit ist der Physiotherapeut noch einmal rund eine Stunde mit der Nachbereitung beschäftigt, dazu gehöre wieder Stretching. Mittagessen. Dann das gleiche Spiel nochmal. Nach dem Abendessen folgt erneut eine Behandlung. "Wieder so ein bis zwei Stunden", sagt Fauland.

Aber auch gesellschaftliche Veranstaltungen gehören zu einem solchen Tennis-Turnier. "Wir waren gemeinsam bei der Eröffnungsparty. Da sind auch Promis. Es macht Spaß, einmal in diese Welt einzutauchen."

Der Amberger Physiotherapeut Jörg Fauland behandelt Tennisspielerin Julia Görges.

Jens Gerlach neuer Trainer

"Jule ist sehr strukturiert und arbeitet akribisch. Sie legt viel Wert auf das Drumherum, also auch Physio und Ernährung." Gegessen wurde immer gemeinsam. "Die Stimmung im Team war super." Dazu gehören neben Physiotherapeut auch Trainer und Fitness-Coach. Erst Ende Oktober wurde bekannt, dass der bisherige Fed-Cup-Teamchef Jens Gerlach als neuer Trainer von Julia Görges übernimmt. Sie hatte sich Anfang des Monats von ihrem Coach Sebastian Sachs, der erst Ende Mai die Nachfolge von Michael Geserer angetreten war, und Physiotherapeut Florian Zitzelsberger, mit dem sie bis zuletzt auch privat liiert war, getrennt.

In Linz war Gerlach bereits als Interimscoach eingesprungen, nun hat Görges ihn zu ihrem festen Trainer gemacht. Der Deutsche Tennis-Bund (DTB) stellte Gerlach, der erst Anfang Oktober seinen Vertrag beim DTB um ein Jahr verlängert hatte, mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben frei, damit er dauerhaft mit Deutschlands Nummer zwei zusammenarbeiten kann. Nach dem Kennenlernen in Linz und Luxemburg wünschte sich Julia Görges, dass auch Jörg Fauland als Physiotherapeut mit ihr in die neue Saison geht. "Sie hat mich gefragt, ob ich Lust darauf hätte."

Jörg Fauland (links) aus Amberg ist einer von drei Physiotherapeuten, die Tennisspielerin Julia Görges betreuen. Jens Gerlach (rechts) ist ihr neuer Trainer.

Dreier-Team die Lösung

Rund 30 Wochen im Jahr ist die Wimbledon-Halbfinalistin von 2018 unterwegs. Ein immenser Zeitaufwand. Und so nicht machbar für den Amberger Physiotherapeuten, der Anfang 2020 mit einem Umzug seine Praxis vergrößern wird. Doch dann tat sich eine Lösung auf. "Wir sind jetzt ein Dreier-Gespann", erzählt Fauland. Drei Physiotherapeuten. Alle mit eigener Praxis und Familie. "Wir wechseln uns ab. Die optimale Lösung für alle." So begleiten seine beiden Kollegen Julia Görges nach Australien und Asien, für Jörg Fauland hingegen geht es im März in die USA. "Den Rest des Jahres teilen wir noch ein", erklärt der Amberger. "Wimbledon oder die Olympischen Spiele in Tokio wären natürlich ein Traum."

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