21.07.2021 - 08:50 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Künstler machen Pflegekräfte sichtbar

Marcus Trepesch, Vorsitzender des A.K.T.-Kunstvereins Amberg, wollte in der Corona-Krise nicht untätig sein. Er weiß, was Künstler-Kollegen und Pflegekräfte alles durchmachen müssen. Von seiner Idee profitieren nun beide Berufsgruppen.

Ina Schleicher (links) ist die Sponsorin dieses Portraits von Pflegekraft Tanja Dandorfer (rechts).
von Andreas Brückmann (brü)Profil

Künstler aus der Region portraitieren Pflegekräfte und unterstützen sich dabei gegenseitig. In einem Interview Anfang Juni erläuterte Marcus Trepesch, Vorsitzender des A.K.T.-Kunstvereins, die Idee des Ganzen: Maler, insbesondere die, die von ihrer Kunst leben, sollen jeweils eine Person aus dem Bereich Kranken- oder Altenpflege porträtieren. Das können Bekannte sein, mit denen die Künstler privat verbunden sind, aber auch Pflegekräfte, die von ihren Chefs empfohlen werden. Frei nach dem Motto: „Derjenige oder diejenige hätte es verdient.“

Denn, so Trepesch: „Vom Applaus können sie alle nicht leben." Das Geld, als Basis nannte Trepesch ein Honorar von 500 Euro, sollen Künstler und Pflegekraft untereinander aufteilen, so, wie sie es möchten. Ein paar Wochen später konnte das erste Porträtbild präsentiert werden. Gemalt hat es Anja Kraus, die seit 2015 Mitglied im Amberger Kunstverein ist und sich mit zahlreichen Ausstellungen in der Region einen Namen gemacht hat.

Idee ursprünglich aus Nürnberg

Die Künstlerin freut sich, Teil der Aktion zu sein, die zunächst in Nürnberg ihren Ursprung hatte und von Trepesch auf Amberg übertragen wurde: „Ich bin hier ausgewählt worden, dieses Gefühl in Farbe zu packen und ich denke, die Kunst ist auch ein Ausdruckmittel für diese ganzen Emotionen, Gefühle und diese Stärke, die in dieser schwierigen Zeit benötigt wurde und immer noch wird.“ Fertig mit dem Bild ist Anja Kraus aber noch nicht ganz. „Auf das Bild kommt als Schriftzug noch folgendes Motto, das uns ganz wichtig ist: Die Sehnsucht nach Berührung, nach liebevollen Worten ist unaussprechlich in einer Zeit, in der man es am nötigsten hat.“

Portraitiert hat Anja Kraus dabei Tanja Dandorfer, Pflegekraft auf der Intensivstation: „Es geht auch um die Kunst des Lebens. Und auch das haben wir in der Krise gemerkt, dass es nicht die bildende Kunst ist, oder die Fotografie oder die Musik, sondern es ist die Kunst des Lebens, diese Krisen zu meistern – dass ist das, was uns wieder zusammenbringt. Und das fand ich eben an diesem Projekt so genial", sagt Dandorfer.

Lehrerin als Sponsorin

Gesponsert wird das Bild von Lehrerin Ina Schleicher: „Ich habe in Corona-Zeiten gelernt, dass es wichtig ist, zu teilen. Ich möchte mit meiner Spende zwei Gruppen, die Künstler und die Pflegekräfte, unterstützen, die in der Krise besonders hart getroffen worden sind. Die Künstler hatten keine Chancen ihre Kunst auszustellen und zu verkaufen und die Pflegekräfte mussten die Krise meistern und haben dafür viel zu wenig Anerkennung bekommen, sei es finanzieller Art oder auch durch die Öffentlichkeit. Und durch meine Spende will ich hier zumindest einen kleinen Beitrag dazu leisten.“

„Bis jetzt sind es sechs bis sieben Portraits, die unterwegs sind“, sagt Trepesch über die derzeit noch laufende Aktion, die nach seiner Einschätzung noch gut vier Wochen andauern wird. „Ich denke, es werden noch mehr. Maler sind hierbei unter anderem noch Achim Hüttner und ich“, lässt Trepesch wissen. Sponsoren gibt es auch. Aber: „Die würde ich jetzt noch nicht nennen wollen, darunter sich wahrscheinlich auch Pflegeheime." Auch eine Ausstellung sei geplant: Wann, wo und in welchem Rahmen? Das stehe derzeit noch nicht ganz fest.

Das steckt hinter der Idee von Marcus Trepesch

Amberg

„Vom Applaus können sie alle nicht leben."

Marcus Trepesch, Vorsitzender A.K.T.-Kunstverein

Marcus Trepesch, Vorsitzender A.K.T.-Kunstverein

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