09.07.2021 - 15:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Italiener und das EM-Finale: Zwischen Euphorie und Arbeitsalltag

Italien steht im EM-Finale. Doch was machen die italienischen Gastronomen am Sonntag? Schließen sie und gucken das Spiel oder wird es ein ganz normaler Arbeitstag für sie? Wir haben mit einigen von ihnen gesprochen.

Italien steht im EM-Finale. So ähnlich wie auf diesem Bild sah es auch in Mauro Grestas Geburtsstadt Treviso in Venetien aus, als Italien am Dienstag gegen Spanien gewonnen hatte.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Fußball und Italien ist gleich "Amore". Oder? Die aus Italien stammenden Gastronomen in Amberg und Umgebung sind da eher geteilter Meinung. Der eine macht am Sonntag extra früher zu, weil er mit seinen Mitarbeitern zusammen das EM-Finale sehen und die "Squadra Azzurra" anfeuern möchte. Die anderen lassen das Spiel laufen, während sie arbeiten. Wiederum andere ignorieren komplett, dass Italien spielt.

Daniele Rizieri liebt Fußball. Das sagt schon seine Frau am Telefon, als die Redaktion im "Eisiglu" in Haselmühl anruft. Rizieri hat nach eigener Angabe nur italienische Mitarbeiter. Eigentlich hätte die Eisdiele am Sonntag bis 21.30 Uhr offen. Das Spiel beginnt um 21 Uhr. Was also tun? Für Rizieri ist die Sache glasklar. "Wir schließen schon um 21 Uhr, damit die Mitarbeiter das Spiel sehen können", sagt er. Das Spiel schaut er sich mit seinen Mitarbeitern zusammen an. "Wir fiebern mit und würden uns natürlich freuen, wenn Italien gewinnen würde." Eine EM-Feier gibt es bei Rizieri nicht. "Das ist aufgrund der Coronalage nicht möglich. Wir werden natürlich auch nicht mit anderen Menschen auf die Straße gehen und feiern, falls wir gewinnen. Das sollte man ja momentan vermeiden", sagt er.

Über das Spiel am Dienstag

Was sagt Rizieri zu dem Elfmeter-Krimi am Dienstag gegen Spanien sagt, nach dem feststand, dass Italien ins EM-Finale einzieht? Rizieri: "Das war spannend. Der Sieg war aber nicht ganz so verdient. Aber solche Spiele muss es ja auch geben." Weil Spanien bereits drei Mal bei der EM ins Elfmeterschießen gehen musste, findet Rizieri, dass die Mannschaft, wenn sie kein Tor schießt, selber Schuld ist, wenn sie irgendwann rausfliegt.

Ebenso ein Fußball-Fan wie Rizieri ist Atreo Lentini von der Pizzeria Riva am Schanzl. Extra wegen des Spiels schließen, kommt für ihn aber nicht infrage. "Wir arbeiten, das können wir uns nicht leisten, einfach mal zuzusperren", erklärt er. Gibt es also kein Fußball-Spiel für die Mitarbeiter und Chefs in der Pizzeria "Riva" am Sonntag? Ganz darauf verzichten will Lentini auch nicht. "Wir werden ganz normal arbeiten, aber wir werden einen Laptop in der Küche aufstellen und das Spiel währenddessen schauen", verrät er .

Über das Italienische Herz

Kein Fußball-Junkie dagegen ist der gebürtige Italiener Mauro Gresta. Er arbeitet im Drahthammerschlössel. Auf die Frage, ob er die Spiele der Italiensische Nationalelf verfolgt hat, sagt er: "Nein, ich habe bisher kein Spiel gesehen, weil ich immer gearbeitet habe." Auch das Endspiel wird er sich vermutlich nicht anschauen.

Er weiß aber, wie viel der Fußball den Menschen in Italien bedeutet und ist davon überzeugt, dass das Herz vieler Italiener dafür brennt. Um das zeigen zu können, hat er der Redaktion ein Bild von seiner Heimatstadt Treviso (rund 85 000 Einwohner, Venetien) am Dienstag nach dem Spiel gegen Spanien geschickt. Er hat es auf einer Nachrichtenseite der Stadt gefunden. Darauf zu sehen: Jubelnde Menschenmengen, Italienflaggen, Pyrotechnik und Feierlaune pur vor dem Dom in der Stadt. Gresta: "Die Menschen in Italien feiern das, als wäre es eine WM. Sie sind auf der Straße und Jubeln. Alle sind völlig aus dem Häuschen. Es ist wie ein Volksfest."

Keine Extra-Wurst wegen des EM-Finales gibt es in der Eisdiele "Eis 2000" in Ammersricht. Dort sei man nicht sonderlich fußballbegeistert.

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Kommentar:

Fürs EM-Finale kann man schon mal früher zusperren

Sobald es um eine Fußball-EM oder WM geht, spielt ganz Deutschland verrückt. Zumindest habe ich das Gefühl. Ich persönlich bin nicht böse, dass der ganze Zirkus dieses Mal schon nach dem Spiel Deutschland gegen England im Achtelfinale vorbei war.

Was ich aber zugeben muss: Wenn ich mir die Euphorie anschaue, mit der die italienischen Fans ihre „Squadra Azzurra“ feiern, finde ich das beeindruckend. Das Foto, das uns Mauro Gresta aus seiner Heimatstadt Treviso geschickt hat, spricht für sich. Ob solch exzessives Feiern angesichts der Corona-Lage sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt. Was für mich aber auf jeden Fall nachvollziehbar ist, ist, wenn es sich ein Gastronom wie Daniele Rizieri herausnimmt, mal einen Tag früher zu schließen, um das Finale mit der italienischen Nationalmannschaft zu sehen.

Das tut keinem weh und macht ihm und seinen Angestellten sicherlich eine riesige Freude, sollte Italien am Sonntag dann auch tatsächlich gewinnen.

Wolfgang Ruppert

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