29.04.2021 - 19:43 Uhr
AmbergOberpfalz

Bei der Amberger Feuerwehr kommt der Atemschutz jetzt in die Spülmaschine

Ruß, Schmiere, Dreck: Wenn Atemschutzträger der Feuerwehr im Einsatz waren, muss ihre Ausrüstung sauber gemacht werden. Das war bis vor kurzem Handarbeit. Doch jetzt nutzt die Amberger Feuerwache dafür moderne Technik.

In der Atemschutzwerkstatt der Amberger Feuerwache werden nicht nur die Ausrüstungen der fünf Amberger Feuerwehren gereinigt, gerpüft und gewartet, sondern auch die der 40 Wehren aus dem Landkreis, die Atemschutzgeräteträger in ihren Reihen haben.
von Heike Unger Kontakt Profil

Die Sanierung der Amberger Feuerwache ist schon lang ein Thema. Gebaut wurde die Wache am Schießstätteweg von 1979 bis 1981. Und ist damit heute, nach rund 40 Jahren in Betrieb, in die Jahre gekommen. Es gebe inzwischen „immer mehr bauliche Dinge, die im Lauf der Zeit auftreten“, meint Stadtbrandrat Bernhard Strobl, der Chef der Amberger Feuerwehr: Höchste Zeit für eine Sanierung, die jetzt angefangen hat.

Risse im Schlauchturm

Strobl spricht von baulichen Schäden und Mängeln, die nun schrittweise behoben werden. Das undichte Flachdach sei inzwischen instandgesetzt. Der Schlauchturm hat mit den Jahren manchen Riss bekommen: Noch sei das nicht dramatisch, aber ein deutlicher Hinweis, dass man hier tätig werden muss. Und dann steht auch eine energetische Sanierung des Gebäudekomplexes an. Das, sagt Strobl, sei schließlich „in den 1970er-Jahren gebaut worden, wo Heizöl noch sehr billig war“. Ironisch fügt er hinzu: Wenn man heute die Heizung in der Wache aufdrehe, werde es draußen warm.

Nicht nur der Heizölpreis, auch die Feuerwehrarbeit hat sich über die Jahre stark verändert: Es ist viel Technik dazu gekommen, die untergebracht, gepflegt und gewartet werden muss. Der Atemschutz ist dabei ein besonders wichtiges Thema: Längst unverzichtbare Ausrüstung für alle Amberger und immer mehr Landkreis-Feuerwehren. Die Amberger Wehr ist die zentrale Stelle im Raum Amberg-Sulzbach, wo diese Geräte für alle Feuerwehren gereinigt, gewartet und geprüft werden. Bislang geschah das auf beengtem Raum, weshalb die Experten der Atemschutzwerkstatt schon auf den Gang ausweichen mussten.

Der Gang als Arbeitsplatz

Das war nicht nur eng, sondern auch ungesund, wie Strobl berichtet: Die Atemschutzausrüstung, also der Luftvorrat, mit denen Aktive in brennende Bauten gehen, wird dabei unter anderem durch Ruß stark verschmutzt. „Wenn die dreckigen Geräte dann bei uns durchs ganze Haus gezogen werden, werden dabei auch ungesunde Partikel verbreitet“, schildert es Strobl. „Ein einziger Raum für die Pflege der Atemschutzausrüstung, das ist hygienisch nicht mehr tragbar“, betont der Amberger Feuerwehr-Chef. „Der Arbeitsplatz war mehr oder weniger der Gang.“ Doch das ist nun Vergangenheit, die Feuerwache hat eine ganz neue Atemschutzwerkstatt bekommen – mit neuen, großen Räumen, die strikt in schwarze (verschmutzte) und weiße (saubere) Bereiche unterteilt sind und mit modernen Maschinen, die die bislang oft sehr langwierige und mühsame Handarbeit nun überflüssig machen. Rund 400.000 Euro wurden in den Umbau und die Ausstattung investiert.

Der Weg zur neuen Werkstatt führt durch den erwähnten Gang, der jetzt wieder als solcher dient und an seinen gerade geöffneten Decken den Blick auf unzählige Kabelstränge frei gibt. Sie illustrieren, was Matthias Hofmann, der Leiter Atemschutz bei der Amberger Wehr, sagt: „Wir können ja nirgends anders hin“, die Sanierung müsse hier bei laufendem Betrieb erledigt werden. In ihrer neuen Werkstatt haben Hofmann und seine Kollegen vom Atemschutzpflege-Trupp (3 Haupt- und 15 Ehrenamtliche) diese Phase jetzt hinter sich, Räume und Maschinen sind fertig und auch schon in Betrieb. Wenngleich der momentan durch Corona noch ein bisschen gebremst wird: Von März bis Juni gab es wegen der strengen Vorgaben keine Feuerwehr-Übungen. Weil die erst jetzt langsam wieder anlaufen, kommen auch aus diesem Bereich jetzt wieder Geräte zur Pflege und Prüfung. Das ist „nach jeder Benutzung“ erforderlich, erklärt Hofmann – also nicht nur nach Einsätzen, sondern auch, wenn nur geübt wurde.

Lebenswichtige Technik

Die Atemschutzgeräte müssen jederzeit einwandfrei funktionieren: Sie liefern ihren Trägern die nötige Atemluft und schützen sie vor Rauch und anderen giftigen Stoffen. Diese Ausrüstung muss auch hygienisch sauber sein: Die Geräte sind nur den jeweiligen Feuerwehren zugeordnet, nicht einzelnen Aktiven. Schutzmaske, Lungenautomat, Pressluftflasche, Tragegeschirr: Es gibt einiges zu tun, wenn der Atemschutz gereinigt werden muss. Das bedeutete bis vor kurzem viel Handarbeit – mit der Bürste schrubben. Jetzt übernehmen das moderne Maschinen. Und die Ausrüstung muss auch nicht mehr durch die Wache getragen werden: Die Feuerwehren haben von außen direkten Zugang zu einem Raum, in dem sie das benutzte Material in Regale legen. Die Luft hier kann abgesaugt werden: So muss das Werkstatt-Team keine schädlichen Partikel einatmen, die die verschmutzte Ausrüstung abgibt.

Wie viele Geräte abgelegt werden, könne man vorher nie sagen, meint Hofmann: Feuerwehr-Einsätze seien schließlich nicht vorhersehbar. Wenn die Experten hier morgens ihre Wartungsarbeit beginnen, steht aber fest: „Innerhalb von 24 Stunden müssen die Geräte wieder einsatzbereit sein.“ Das, sagt Hofmann, „ist unsere Zielvorgabe“, die auch eingehalten werde. Die Reinigung erledigen jetzt Maschinen automatisch. „Das kann man sich wie einen Geschirrspüler vorstellen“, erklärt Hofmann. Während sich ein Kollege darum kümmert, kann ein zweiter in einem eigenen Raum über eine Zapfstation die Pressluftflaschen neu befüllen, „mit guter Amberger Luft“. 6 Liter/300 bar lauten hier die Kennzahlen. „In einem Autoreifen sind es rund drei bar“, verdeutlicht Hofmann in einem Vergleich.

Ruß, Fett, Schmiere

Der Kompressor steht nun im Keller, damit bleibt auch der Lärm dort. Die Pressluftflaschen werden mit 60 Grad heißem Wasser dampfgestrahlt. So werden Ruß, Fett und Schmiere auch von den Tragegurten entfernt. „Man kann sich vorstellen, wie mühsam das früher war“, sagt Hofmann. In der großen Multiwaschkabine, „unsere größte und schönste Errungenschaft“, können 20 Atemschutzmasken und 20 Lungenatmer gleichzeitig gereinigt werden. Und hier werden auch die Chemikalien-Ganzkörper-Schutzanzüge durchgespült.

Zum sogenannten „Weißbereich“, wo die sauberen Geräte landen, haben nur die Atemschutzbeauftragten Zutritt. Sie bauen alles wieder so zusammen, dass es einsatzbereit ist und prüfen auch, wie gut jedes einzelne Gerät funktioniert. Ist die Schutzmaske dicht? Arbeitet der Lungenautomat richtig? Gibt die Restluft-Warneinrichtung akustisch Alarm, wenn die Atemluft in der Flasche zur Neige geht? „Wir sind darauf bedacht, dass das alles hundertprozentig funktioniert – weil da hängt Leben dran“, betont Strobl. Das gilt auch für eine weitere Neuanschaffung, eine Maschine, die die Gasmessgeräte durcheckt. Die ermitteln die CO2-Konzentration in der Luft. Gruppenführer haben die kleinen Geräte dabei, um gewarnt zu sein, wenn irgendwo Gas ausgeströmt ist oder Explosionsgefahr besteht.

"Da kommt immer was Neues"

Sogar für ein kleines Büro war noch Platz in der neuen Atemschutzwerkstatt. Damit ist nun auch der „Schreibkram“ sauber getrennt von allem anderen. „Wir sind jetzt wirklich auf dem Stand der Technik“, freut sich Hofmann. Wohl wissend, dass sich diese Technik gerade bei der Feuerwehr immer weiter entwickelt. „Das ist wie bei einem Computer, da kommt immer was Neues.

Die Pressluftflaschen der Atemschutzträger müssen dampfgestrahlt werden. Danach geht’s zum Check.
Atemschutz-Leiter Matthias Hofmann vor der großen Multiwaschkabine: In ihr können 20 Atemschutzmasken und 20 Lungenatmer gleichzeitig gereinigt werden. Auch die Chemikalien-Schutzanzüge werden hier durchgespült.
Hintergrund:

Die Atemschutzpflegestelle der Feuerwehr Amberg

Die Atemschutzpflegestelle in der Amberger Feuerwache wartet und pflegt die Atemschutzgeräte und Chemieschutzanzüge der Feuerwehr Amberg, kümmert sich aber auch um entsprechende Ausrüstung von derzeit 40 der insgesamt 115 Wehren aus dem Landkreis, die Atemschutzträger in ihren Reihen haben. Eine Zahl, die laut Matthias Hofmann (Leiter Atemschutz FFW Amberg) ständig zunimmt. War Atemschutz früher nur ein Thema bei Stützpunkt-Feuerwehren, haben im Lauf der Zeit zunächst größere, inzwischen aber auch immer mehr kleiner Wehren solche Geräte bekommen. „Man hat erkannt, dass es ohne nicht geht“, ergänzt Stadtbrandrat Bernhard Strobl.

Und dass man, wenn es irgendwo in einem Ort im Landkreis brennt, nicht warten kann, bis eine größere Feuerwehr anrückt. „Wenn eine Person in einem Haus im Rauch liegt, hast du ein Zeitfenster von 15 Minuten“, um diesen Menschen ins Freie bringen zu können. Strobl verdeutlicht mit einem Beispiel die Lebenswichtigkeit des Faktors Zeit: „Wenn es in Holstein brennt, bis da die Sulzbacher Feuerwehr hin kommt ...“ Auch 19 Betriebe haben mit der Atemschutzpflegestelle der Amberger Feuerwehr einen Wartungsvertrag abgeschlossen. Der Jahresbericht 2019 der Wehr liefert Zahlen: Insgesamt werden in Amberg 418 Pressluftatmer, 1189 Atemschutzmasken, 825 Druckflaschen und 37 Chemieschutzanzüge gewartet und gepflegt. „Der Gesamtaufwand im Jahr 2019 lag bei 1671 Gerätewartungen, 2796 Maskenwartungen und 1992 Flaschenfüllungen.“

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.