22.05.2020 - 14:14 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Altstadtfest soll virtuell laufen

Nachdem das Amberger Altstadtfest - wie alle anderen Feste 2020 - dem Corona-Virus zum Opfer gefallen ist, müssen neue Ideen her. So will Musiker-Legende Fritz Pawlick einen ganzen Altstadtfestabend live streamen - die Musik jedenfalls.

Die Mad Company aus Amberg. Bevorzugt ist sie in Corona freien Zeiten im Sudhaus des Kummertbräu anzutreffen. Links im Bild die Amberger Musik-Legende Fritz Pawlick.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Seit Jahrzehnten gehört das Altstadtfest zum eisernen Festlkalender für alle Amberger und die es werden wollen. Live-Musik auf allen Plätzen, Bier und Bratwurst gehen hier einen beinahe traditionell zu nennenden Dreiklang ein. Auch wenn dieser - zugegebenermaßen - immer wieder von gewissen Disharmonien gestört wird. Die Auflagen, die sehr sportlichen Sperrstunden und die immer gleichen Bands seien hier stellvertretend genannt.

Nun, in diesem Seuchenjahr 2020 wird es überhaupt kein Altstadtfest geben. Eine Chance vielleicht auch, wie viele Amberger sagen, dass sich diese altehrwürdige Einrichtung mal an Haupt und Gliedern reformieren könnte und mit neuem Schwung und Konzept in ein Jahr 2021 startet. In dem sowieso ganz vieles ganz anders sein wird, als wir es bisher so lieb gewonnen haben.

Fritz Pawlick mittendrin

Aber das ist Zukunftsmusik, die Realität spielt im Jahr 2020 und dem fehlt das Altstadtfest. Das haben sich auch die Musiker der Band Mad Company gedacht. Übrigens ist das eine Band aus Amberg, die aber Propheten gleich in der Heimat stets etwas unterrepräsentiert ist. Dabei bedient hier eine echte lokale Musikerlegende die Keyboards - eine richtig echte. Fritz Pawlick war bereits Mitte der 1960er Jahre bei den Rotten Bones aktiv. Einer Band, die weit über Amberg hinaus Anerkennung fand und einmal sogar mit dem Ehrentitel "Beste Beat-Band Bayerns" ausgezeichnet worden ist.

Termin ist der 20. Juni

"Alle kulturellen Ereignisse sind auf Null", sagt Fritz Pawlick und meint damit natürlich auch das Altstadtfest. Gemeinsam mit seiner Mad Company, einer vom Alter her zum Teil sehr jungen Band, plant er nun, wenigstens den Altstadtfest-Samstag, also den 20. Juni, irgendwie zu retten. Das Prinzip ist auf das erste Hinsehen sehr einfach, allerdings verbirgt sich ein gewaltiger Aufwand dahinter. Am 20. Juni von etwa 17 bis 23 Uhr werden auf der Bühne des Musikomm Bands spielen. Live und mit dem gegebenen Corona-Abstand, versteht sich. Namen will Fritz Pawlick derzeit noch nicht nennen, erst wenn das Programm steht. Aber es werden ausschließlich Amberger Bands sein, die live via Youtube zu sehen sein werden. "Das Bier und die Bratwürste muss man sich halt selbst hinstellen", sagt Pawlick. "Und beim Zuhören ist selbstverständlich eine Gesichtsmaske zu tragen und der vorgeschriebene Abstand einzuhalten", lacht er.

Interaktion nicht möglich

Das Musikomm ist insofern ideal für so eine Veranstaltung, weil hier der Regieraum, über den das Streaming laufen wird, strikt vom Bühnenbereich getrennt ist. Musiker und Technik kommen also nicht mehr in Berührung, als unbedingt notwendig ist. Trotzdem weiß Fritz Pawlick als erfahrener Musiker, dass an diesem Altstadtfest-Samstag trotzdem alles ganz anders sein wird. "Die Interaktion mit dem Publikum ist uns als Live-Band ja ungemein wichtig", sagt er. "Wir spielen, um die Leute aufzupushen - und keiner ist da." Geister-Konzerte haben eben ihre eigenen Gesetze.

Die Idee für das virtuelle Altstadtfest ist übrigens bei einer ebenfalls rein virtuellen Bandprobe der Mad Company entstanden. "Wir proben jeden Samstag in einer Videokonferenz mit Amberger Bier und feilen an Verbesserungen", schildert Pawlick die Geschichte. Doch mit den technisch bedingten Zeitverzögerungen ist das gar nicht so einfach zu bewerkstelligen, ein Live-Konzert kann das ohnehin nicht im Ansatz ersetzen. Das soll es am 20. Juni jetzt geben. Allerdings ist nur das Konzert live, das Publikum kommt ausnahmsweise aus der Konserve.

Wer ist diese Mad Company eigentlich?:

Der Begriff Legende wird zwar gerne und oft strapaziert, auf Fritz Pawlick trifft er aber uneingeschränkt zu. Wer immer im Zusammenhang mit dem Beat der 60er Jahre in Amberg spricht, wird eher früher als später über den Namen des heute knapp 70-Jährigen stolpern. Musik war und ist seine Leidenschaft, der er nach seiner Pensionierung als Direktor des Schwandorfer Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums wieder sehr umfangreich nachgeht. Eine der Formationen, in der Fritz Pawlick aktiv ist, ist die Mad Company. 2017 in Amberg gegründet, hat die Band sehr schnell einen großen Fankreis um sich versammelt – wenn auch nicht unbedingt in Amberg selbst. Der Erfolg liegt unter anderem an der Qualität der Musiker, so sagt Fritz Pawlick. Angefangen bei Schlagzeuger Stefan Bauer (Lucky Punch) über Bassist Jakob Prechtl und Gitarrist Bastian Kretschmar bis hin zu Sänger Daniel Nees, der bereits in jungen Jahren seine Liebe für die Klassiker des Beat und Rock entdeckt hat und dieser in unterschiedlichen Bands nachgeht. Alles gute Musiker mit einer soliden Ausbildung, wie Fritz Pawlick betont. „Wir können übrigens alle Noten lesen.“ Das mag nicht ausschlaggebend gewesen sein für die Tatsache, dass ein Konzert der Mad Company im Schwandorfer Felsenkeller via Internet-Radio weltweit übertragen worden ist. Doch mit Sicherheit waren die fundamentalen musikalischen Kenntnisse der Bandmitglieder ein Grund dafür, dass die Mad Company ausgewählt wurde für ein „Rock meets Klassik“-Projekt gemeinsam mit einem tschechischen Orchester. 2019 waren sie Support für Haindling, 2020 sollte ein ganz großes Jahr werden, so erzählt Fritz Pawlick. Die Band war gebucht für die European Championship im Cross-Triathlon im sächsischen Olbersdorf – die leider abgesagt worden sind. Gebucht wurde die Mad Company auch für das diesjährige amerikanische Volksfest in Grafenwöhr, das aber ebenfalls der derzeit grassierenden Corona-Pandemie zum Opfer gefallen ist.

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