05.02.2021 - 10:36 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg-Sulzbacher Faschingsfinale fällt aus – aber nicht ganz

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Das wird nichts mit der närrischen Gaudi heuer. Corona bremst die Faschingszüge in Amberg-Sulzbach aus. Das hatte sich schon länger angedeutet. Aber ein bisschen Fasching gibt es doch, in einigen Ecken des Landkreises.

So bunt war der Schlichter Frauenbund im vergangenen Jahr beim Faschingszug in Vilseck unterwegs. Heuer muss das farbenfrohe Treiben auf den Straßen ausfallen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Es geht einfach nicht, auch wenn den Faschingsgesellschaften und dem närrischen Partyvolk das Herz blutet: Aufgrund der aktuellen Corona-Lage sind alle Faschingszüge im Landkreis Amberg-Sulzbach heuer gestrichen. Normalerweise bringen sie zum närrischen Finale zwischen Faschingswochenende und Faschingsdienstag Tausende auf die Straßen in den Karnevals-Hochburgen im Landkreis Amberg-Sulzbach. Genau das macht die Gaudi aber heuer einfach unmöglich – solche Massen-Veranstaltungen wären absolute Infektions-Hotspots, das wissen die Verantwortlichen. Also sind alle Faschingszüge, aber auch die anderen Veranstaltungen von Kinderfasching bis Maskenball gestrichen. Auch "das" Großereignis der Region, die Amberger Hexennacht, ist inzwischen offiziell abgesagt.

Amberger Hexennacht ist abgesagt

Amberg

In Schnaittenbach gibt es eine Ersatz-Veranstaltung

Schnaittenbach

"Alles gestrichen", meldet beispielsweise Vilsecks Bürgermeister Hans Martin Schertl, der sonst selbst den Faschingszug mit anschließender Party organisiert. Man wolle den Menschen auch durch alternative Angebote keinen Anreiz geben, zusammenzukommen, schließlich seien die Kontakte das große Infektionsrisiko in dieser Pandemie. "Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr umso toller feiern können", versucht Schertl die Faschingsfans zu vertrösten, und verspricht ihnen schon mal: "Nach dem Lockdown fangen wir sofort mit den Planungen fürs nächste Jahr an."

Keine Faschingszüge

"Wenn nichts ist, ist nichts", auf diesen Nenner bringt es Franz Erras, bei dem der Hahnbacher Faschingszug seit Jahren organisatorisch in besten Händen liegt: "Wir machen gar nichts", der Hahnbacher Fasching samt Zug fällt aus, ebenso wie der Riedener, der Schmidmühlener, der Gebenbacher und der Schnaittenbacher. Von letzterem hieß es zuletzt, es sei die erste Absage seit 68 Jahren. Das, stellte sich inzwischen heraus, stimmt so nicht: Ein Leser aus Fürth hat die Redaktion daran erinnert, dass auch schon wegen des Golfkriegs 1991 der Schnaittenbacher Gaudiwurm abgesagt worden war. Auch in Sulzbach-Rosenberg, Freudenberg und Hohenburg schlängelt sich kein Zug durch die Straßen.

Wegen Corona: In Amberg-Sulzbach ist der Fasching gestrichen

Amberg

Ein bisschen Licht am närrischen Horizont gibt es aber, nicht überall ist der Fasching komplett gestrichen: Einige Gemeinden zeigen zumindest optisch, dass sie die fünfte Jahreszeit lieben. Deshalb soll Freudenbergs Ortsmitte bunt werden: Die Gardekinder gehen am Samstag, 6. Februar, in der Hauptstraße von Haus zu Haus und verteilen Luftballons, Luftschlangen und Girlanden an die Anwohner. Sie sollen dann eine Woche später, am Samstag, 13. Februar, den Ort dekorieren, damit alle sehen, dass der Fasching in Freudenberg nur pausiert und nicht tot ist. Für die Gardekinder selbst hat sich der Heimat- und Kulturverein eine besondere Aktion einfallen lassen. Wenn sie zwischen Weiberfasching (Donnerstag, 11. Februar) und Faschingssamstag (14. Februar) bei der Bäckerei Ries in Wutschdorf einkaufen und sagen "Ich bin ein Gardekind", bekommen sie einen Krapfen geschenkt. Erwachsene, zum Beispiel Väter, die sich fälschlicherweise als Gardekind ausgeben, erhalten den Krapfen nur, wenn sie entsprechend verkleidet sind.

So feierte Freudenberg 2020 seinen Kehraus-Umzug

Zeichen der Verbundenheit

Weil der Fasching auch in Hohenburg ins Wasser fällt, haben die Verantwortlichen auch dort eine coronagerechte Aktion geplant. Sie treffen sich am Samstag, 13. Februar, um 13.13 Uhr – zu dieser Zeit beginnt sonst der berüchtigte Krautkopfball des Obst- und Gartenbauvereins. Den gibt's heuer nicht, aber ersatzweise werden die Bäumchen auf den Verkehrsinseln im Markt mit Schnüren, an denen bunten Wimpeln hängen, dekoriert. "Diese Wimpelschnüre sollen unseren eigenen Zusammenhalt und die Verbundenheit der Menschen symbolisieren, etwas Farbe in den zur Zeit arg geschundenen Markt bringen und natürlich auch an den Fasching an sich erinnern", teilt der Verein mit. Damit diese Aktion nicht zum Infektionsrisiko wird, wird die Öffentlichkeit nicht einbezogen. Aber der Bürgermeister will mal mit Abstand vorbeischauen. Die Gardemädchen sind mit mindestens einem Elternteil willkommen und dürfen sich jeweils einen Baum zum Dekorieren aussuchen.

Das Faschingstreiben 2020 in Hohenburg

Hirschau zeigt im Lockdown Flagge für den Fasching. Oder besser gesagt ein Banner. Regina Merkl, die Präsidentin der erst im vergangenen Jahr als eigenständigen Verein gegründeten Narrhalla Hirschau, hat ein Bild von deren Garden und Präsidium auf ein Banner drucken lassen, das am Marktplatz aufgestellt wird. Sogar ein Hirschauer Faschingsbier soll es geben, allerdings wird das nicht ausgeschenkt, sondern nur in der Brauerei Dorfner verkauft. Überlegt hatte man sich laut Merkl, vielleicht Kaffee und Kuchen "to go" anzubieten – schließlich wäre in Hirschau am 6. Februar der Faschingszug durch die Stadt gezogen. "Lieber nicht" lautete dann die Entscheidung in Sachen Kaffee und Kuchen. Vielleicht feiert der Verein dann aber im März/April eine kleine "After-Faschingsparty. Damit wir einfach ein bissl was haben", wie die Präsidentin sagt.

In Hirschau stehen die Kinder im Mittelpunkt

"Es geht irgendwann weiter"

Ganz einfach ausfallen lassen will man den Narren-Endspurt auch in Sulzbach-Rosenberg nicht. Natürlich gibt es auch hier keine Veranstaltungen, aber Narrhalla-Präsident Christian Kellner überlegt, zwischen Sulzbach und Rosenberg ein Banner seines Vereins aufzuhängen, "damit man wenigstens sieht, es ist Fasching – und uns gibt's trotzdem". Für ihn, wie er sagt, wäre dies auch ein kleiner aufmunterndes Signal an alle, die gerade in der Corona-Pandemie verzweifeln: "Es geht irgendwann weiter."

Im Herbst 2020 zog die Knappnesia in Sulzbach-Rosenberg die Reißleine

Sulzbach-Rosenberg

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