20.03.2021 - 17:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg-Sulzbacher CSU-Bewerber für Bundestagsdirektmandat: Der Jüngste setzt sich durch

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Der CSU-Kreisverband Amberg-Sulzbach schickt Florentin Siegert ins Rennen um das Direktmandat im Bundestagswahlkreis 232 Amberg/Amberg-Sulzbach/Neumarkt. Das Votum ergibt eine klare Mehrheit für den 23-jährigen Hirschauer.

Florentin Siegert (23), der CSU-Ortsvorsitzende von Hirschau, ist vom Amberg-Sulzbacher CSU-Kreisverband als Kandidat für das Bundestagsdirektmandat gewählt worden.
von Markus Müller Kontakt Profil

Wie CSU-Kreisvorsitzender Harald Schwartz am Samstag auf AZ-Nachfrage mitteilte, erhielt Florentin Siegert bei der Kür des Amberg-Sulzbacher CSU-Kandidaten für das Direktmandat schließlich 45 von 81 abgegebenen Stimmen. Wahlberechtigt waren die Mitglieder des Kreisvorstands (plus einige kooptierte Mitglieder wie die CSU-Bürgermeister im Landkreis) und die Ortsvorsitzenden.

Florentin Siegert ist in Hirschau seit 2019 CSU-Ortsvorsitzender und seit der Kommunalwahl 2020 auch CSU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Er hat in Bamberg Politikwissenschaft studiert und arbeitet aktuell für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion als Referent beim Beauftragten für Maritime Wirtschaft, parallel macht er sein Masterstudium in Konfliktforschung in Potsdam.

Der Bericht über die Wahl von Florentin Siegert zum CSU-Ortsvorsitzenden in Hirschau

Hirschau

Einsatz für die Kommunen

Gegenüber der AZ hatte er im Vorfeld der Kandidatenauswahl erklärt, er würde sich freuen, seine "Heimat in Berlin vertreten zu dürfen". Als für ihn besonders wichtigen Aspekt der Arbeit im Bundestag nannte er, dass die Kommunen in und nach der Coronakrise vom Bund unterstützt werden: "Die Kommunen sind das Herz unseres Landes, hier findet das Leben statt. Wenn die Aufgaben hier immer größer werden, wenn immer mehr geleistet werden muss und in dieser schwierigen Zeit mit Gewerbesteuereinbrüchen zu kämpfen ist, muss der Bund finanziell unter die Arme greifen."

Der CSU-Kreisvorsitzende Harald Schwartz, selbst seit 2013 Landtagsabgeordneter, hob hervor, dass mit Siegert der jüngste der vier Kandidaten das Rennen gemacht habe. Auf einen besonders gut gelungenen Auftritt bei der Vorstellung der Bewerber wollte Schwartz das aber nicht zurückführen: „Nein, da haben sich alle vier sehr gut geschlagen.“ Er habe aber schon im Vorfeld viele Stimmen gehört, die in Siegert jemanden sahen, der das Zeug für so eine Aufgabe habe.

Siegert selbst zeigte sich nach der Bekanntgabe des Ergebnisses "sehr glücklich, dass mir dieses Vertrauen ausgesprochen worden ist", auch angesichts eines "extrem starken Kandidatenfeldes". Er tue sich aber schwer, die genauen Gründe für seinen Erfolg zu benennen. Einige Wähler hätten womöglich sein Alter als Positivfaktor gesehen, andere seine Tätigkeit für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion als Referent beim Beauftragten für Maritime Wirtschaft. Die übe er seit rund eineinhalb Jahren aus. Er habe sich nach seinem Studium für diese Stelle beworben, "weil ich mir das mal von innen anschauen wollte". Am späteren Samstagnachmittag hatten Siegert bereits zahlreiche Glückwünsche ereilt. "Besonders habe ich mich über die von den anderen Kandidaten gefreut", sagte er gegenüber der AZ.

Interview mit Florentin Siegert über sein politisches Engagement

Hirschau

Neumarkter Gegenkandidatin: Susanne Hierl

Dass Florentin Siegert für den CSU-Kreisverband Amberg-Sulzbach ins Rennen geht, bedeutet aber noch nicht, dass er zwingend Direktkandidat wird. Denn hier haben auch noch die Kreisverbände aus Amberg und Neumarkt ein Wörtchen mitzureden. Die Entscheidung fällt bei der Bundeswahlkreisversammlung am 20. Mai im ACC in Amberg. Von den 160 Delegierten dort stellen die Neumarkter 83, die Amberg-Sulzbacher 59 und die Amberger 18. Mit dem Amberger CSU-Kreisverband unter dem Vorsitz von Michaela Frauendorfer werde man sich zeitnah ins Benehmen setzen, sagte Harald Schwartz. Eine Absprache mit den Neumarktern werde es wohl vor der Versammlung eher nicht geben: „Zum Schluss treten doch die Kandidaten gegeneinander an.“

Für Neumarkt wird dies die CSU-Kreisvorsitzende Susanne Hierl (47) sein. Sie setzte sich am Samstag bei der Abstimmung ihres Kreisverbands gegen Marco Gmelch durch, den Vorsitzenden der CSU-Stadtratsfraktion in Neumarkt.

Premiere bei Kandidatenkür

Die Konkurrenten von Florentin Siegert in der Amberg-Sulzbacher CSU waren Barbara Gerl (Freudenberg), Birgit Barth (Auerbach) und Andreas Otterbein (Kastl) gewesen. Die Entscheidung zwischen diesen vier Bewerbern hätte ursprünglich bereits am 10. März fallen sollen. Diese Versammlung hatte allerdings nur als Videokonferenz stattfinden können, was eine Abstimmung nach den üblichen Kriterien unmöglich machte. Deshalb wurde sie ausgelagert.

Die 85 Wahlberechtigten erhielten Stimmzettel plus Umschläge zugeschickt, die bis zur Auszählung am 19. März wieder an die Kreisgeschäftsstelle zurückgesandt sein mussten. Dabei sollte aber nicht nur ein Name angekreuzt werden, sondern die Delegierten sollten eine Reihung vornehmen. „Dann wäre für den Fall einer Stimmengleichheit die Stichwahl gleich inkludiert“, erklärte Harald Schwartz den Sinn dieser Regelung. Über die Reihung kamen dann auch die 45 Stimmen für Florentin Siegert zustande.

Für diese „innovative Mischform“ aus virtueller Kandidatenvorstellung und nachgelagerter Abstimmung auf Papier habe man kein Vorbild gehabt, erzählte Schwartz, sondern man habe sie aus den Pandemie-bedingten Notwendigkeiten heraus entwickelt. Und Kreisgeschäftsführer Stefan Frank habe dabei sein extremes Organisationstalent unter Beweis stellen können, weil er es tatsächlich geschafft habe, allen Teilnehmern binnen eines Tages die Stimmzettel zuzustellen.

Wahl des Kreisvorstands als „Geisterveranstaltung“

Als neuartige Hybrid-Veranstaltung wird auch die Kreisvertreterversammlung mit Neuwahlen der Amberg-Sulzbacher CSU am 24. und 27. März über die Bühne gehen. Der erste Teil als Videokonferenz mit Berichten des Kreisvorstands sowie der Mandatsträger und dem Sammeln von Wahlvorschlägen. Der reine Wahlvorgang selbst erfolgt dann am Samstag, 27. März, im ACC in Amberg in Präsenzform. „Ich schätze, dass das etwa 30 Minuten dauert“, sagte Schwartz. Einzige Aufgabe der Teilnehmer an diesem Tag: neun verschiedenfarbige Stimmzettel ausfüllen und in eine Urne werfen. Zu weiteren Kontakten soll es dabei nach Möglichkeit nicht kommen. „Geisterveranstaltung“ fällt Schwartz als Beschreibung für diesen Akt ein.

Dass die Kreis-CSU ihre Vertreterversammlung in Amberg abhält, ist ebenfalls eine Premiere. „Das ACC bietet das Hygienekonzept mit an“, erläuterte Schwartz die Beweggründe für diesen Schritt. „Das ist quasi alternativlos.“

Man habe die Versammlung aufgeteilt, als man festgestellt habe, dass bei sieben von zehn Tagesordnungspunkten eine körperliche Präsenz der Teilnehmer gar nicht nötig sei. Durch die Videokonferenz ergebe sich zudem kein Informationsverlust. „Deshalb haben wir alles vorweggenommen, was online genauso gut zu erledigen ist.“ Beim Bemühen, angesichts des Ansteckungsrisikos Kontakte zu vermeiden, sieht Schwartz seine Partei auch in der Pflicht: „Wir müssen da mit gutem Beispiel vorangehen und alles machen, was uns möglich ist.“

Auch beim Neujahrsempfang des CSU-Kreisverbands habe man eine Vorreiterrolle für ganz Bayern eingenommen: „Wir waren die Ersten, die ihn in virtueller Form abgehalten haben.“

Wie sich die Wahl des Amberg-Sulzbacher Bewerbers im Vorfeld dargestellt hatte

Amberg
Hintergrund:

Bundeswahlkreis 232 Amberg: Inhaber des Direktmandats

  • 1949-1953 Josef Schatz (CSU)
  • 1953-1957 Anton Donhauser (CSU)
  • 1957-1980 Heinrich Aigner (CSU)
  • 1980-1990 Hermann Fellner (CSU)
  • 1990-2005 Rudolf Kraus (CSU)
  • 2005-2021 Alois Karl (CSU)

 

 

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