01.12.2021 - 15:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Warum Amberg bei "Nordsee" und "KFC" keine Chance hat

Eine Nordsee-Filiale in der Innenstadt: Dieser Wunsch ist in Amberg immer wieder mal zu hören. Auch am Dienstag in der Bürgerversammlung. Die zeigte aber recht deutlich, dass Amberg bei vielen Filialisten schlichtweg keine Chance hat.

Ein schon lang andauernder Leerstand an prominenter Stelle in der Georgenstraße, mitten in der Amberger Fußgängerzone.
von Heike Unger Kontakt Profil

Linda Seim hatte zur Bürgerversammlung am Dienstagabend im ACC ein paar Anregungen in Gestalt von Geschäften mitgebracht, die die Amberger Innenstadt beleben könnten: "Eine Nordsee, die fehlt", aber auch Fastfood-Restaurants wie McDonald's, Kentucky Fried Chicken (KFC), oder Geschäfte wie Schuh Mücke listete die Ambergerin auf. "Und ein besonderes Anliegen von mir wäre ein Spanier", Seim meinte damit ein Tapas-Lokal. Damit könnte sich auch Oberbürgermeister Michael Cerny anfreunden, wie er Seim mit einem Augenzwinkern verriet: "Wenn da mal einer kommt, dann lade ich Sie ein."

Für Ambergs Wirtschaftsförderer Karlheinz Brandelik sind solche Anregungen nicht zum ersten Mal gehörte Wünsche – aber auch ein Dilemma: Solche Unternehmen in die Innenstadt zu holen, sei "nicht mit einem Fingerschnippen zu lösen", sondern erfordere "größte Anstrengungen", die in Amberg alleine wegen der Größe der Stadt oft aussichtslos seien. Die "nur" rund 40.000 Einwohner seien für viele der Großen in der Branche ein Ausschlusskriterium. Abgesehen davon gingen die Meinungen dazu, was Leben in ein Stadtzentrum bringe, auseinander: Währen die einen meinten, es müssten hier alle Filialisten vertreten sein, wollten andere genau die nicht, sondern wünschten sich "kleinere Individualisten", also inhabergeführte Läden, die es nicht in jeder beliebigen Fußgängerzone gibt.

Ambergs Burger-Könige

Brandelik hatte dazu ein ganz konkretes Beispiel parat: In der Amberger Bahnhofstraße gebe es in Sachen Burger-Gaststätte beides, den Franchiser "Hans im Glück" und das lokale, inhabergeführte Restaurant "Lui Burger". "Aber unsere beiden Burger-Könige haben den größten Zulauf", sagte Brandelik mit Blick auf die beiden großen Fastfood-Ketten am Stadtrand. Am Ende entscheide also der Kunde. Amberg habe ja schon einmal einen McDonald's in der Altstadt gehabt, auch eine Nordsee und Schuh-Hofbauer. "Aber es ist uns als Kunden nicht gelungen, sie zu halten." Interessant war in diesem Zusammenhang Brandeliks Hinweis darauf, dass bei den regelmäßigen Befragungen, die die Amberger Wirtschaftsförderung/Gewerbebau macht, zuletzt im April 2020 zwar auch wieder die Nordsee als Wunsch-Ansiedlung auftauchte. Ansonsten aber sei eine deutliche Tendenz zu Fairtrade und Regionalem erkennbar.

Brandelik gab Einblick, wie schwierig es ist, neue Geschäfte oder Gastronomie in die City zu holen. Nahe gekommen sei man dem in Zusammenhang mit dem Versuch der Wiederbelebung des ehemaligen Kaufhauses Forum mit Frey-Moden, was dann aber nicht geklappt habe. Als die Amberger Firma Bauart den Dauer-Leerstand übernommen habe, um hier Neues zu schaffen, habe man ihr den Kontakt zur "Fussl-Modestraße" weitergereicht, sagte Brandelik: "Unser letzter Kontakt war 2019."

Nordsee hat 2019 abgesagt

Der Nordsee habe man schon diverse Standorte in der Innenstadt angeboten, darunter die ehemalige "Back-Opera" in der Oberen Nabburger Straße. "Nordsee hat 2019 abgesagt", berichtete Brandelik und nannte als Hintergrund "in Amberg nicht erfüllbare Forderungen" des Unternehmens. Hier, aber auch bei anderen "Platzhirschen" in Handel und Gastronomie, spielten Aspekte wie Verkaufs-, Gastro- oder Freischankflächen sowie die Größe der Schaufensterfront eine Rolle, aber auch Kundenfrequenz, Mitbewerber, Kaufkraft. "Diese Dinge werden genau bewertet." Manche Unternehmen, beispielsweise die Adler-Modemärkte, schließen laut Brandelik beispielsweise die Altstadt als Standort sogar grundsätzlich aus.

Schließlich sei noch die Größe einer Stadt ausschlaggebend. So poche Nordsee inzwischen auf mindestens 50.000 Einwohner, bei"Douglas" oder dem Franchiser "Pommes Freunde" liege diese Marke sogar bei 100.000 Einwohner und "KFC" gehe nur ab "mindestens 500.000 Einwohnern" in Innenstädte. Und selbst wenn man alle Vorgaben erfüllt, kann eine Ansiedlung letztlich am Eigentümer der ins Auge gefassten Immobilie scheitern: Der Mietpreis ist laut Brandelik ein Knackpunkt. Und, noch ein Argument in Sachen Nordsee: "Der eine oder andere mag auch keinen Fischgeruch" und wolle den auch "seinen Mietern im oberen Stock nicht zumuten". Bei allen Bemühungen um Gewerbe und Gastronomie spielen laut Brandelik die Kunden eine große Rolle. Je besser die Kundenfrequenz sei, desto erfolgreicher sei das Unternehmen – und das wiederum könne eine Stadt dann auch für weitere Neuzugänge interessant machen.

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