07.09.2021 - 16:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg hat jetzt wieder einen Unverpackt-Laden

Sonja Koch und Robert Adunka betreiben den Unverpackt-Laden in Sulzbach-Rosenberg. Nun gibt es sie mit einem vergleichbaren Angebot auch in Amberg. In einem Viertel, das fünf Jahre warten musste, wieder einen Nahversorger zu bekommen.

Gewürze, Nudeln, Müsli oder Knabbereien – im Laden von Sonja Koch und Robert Adunka an der Friedlandstraße gibt es das alles ohne Verpackung.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Die älteren Amberger werden sich noch daran erinnern können, dass früher an der Friedlandstraße auf der Raigeringer Höhe direkt neben dem Caritas-Altenheim ein Coop-Einkaufsmarkt Dinge des täglichen Bedarfs anbot. Es folgte ein Condi-Laden, anschließend gab es zwei Nah-und-Gut-Geschäfte aus dem Hause Edeka und bis vor fünf Jahren einen Mix-Markt. Nach dessen Schließung aber stand die Immobilie leer. Vor allem ältere Menschen aus der direkten Umgebung vermissten einen Nahversorger, denn die nächsten Einkaufsmärkte befinden sich jeweils eineinhalb Kilometer weiter in Raigering beziehungsweise in der Pfistermeisterstraße. Gerade vielen Senioren, die ihre Einkäufe zu Fuß erledigen, war und ist das jeweils zu weit.

Für Abhilfe sorgen seit 1. September Sonja Koch aus Ebermannsdorf und ihr Schwager Robert Adunka aus Großalbershof. Beide führen seit November 2019 den Unverpackt-Laden in Sulzbach-Rosenberg. Nun betreiben sie ein zweites Geschäft. Der Start war vielversprechend, verrät Sonja Koch im Gespräch mit Oberpfalz-Medien: „Unsere Erwartungen wurden sogar übertroffen.“ Das liege vor allem daran, dass Schwager und Schwägerin in Amberg bereits über einen gewissen Kundenstamm verfügten, der sich bisher auf den Weg nach Sulzbach-Rosenberg gemacht habe und das nun nicht mehr müsse.

„Ein Vollsortimenter“

Unverpackt – wie der Name schon sagt. Die Ladeninhaber kommen ohne Plastik aus und setzen auf Selbstbedienung: „Jeder kann abfüllen, wie viel er eben braucht“, sagt Sonja Koch und spricht davon, durchaus den Anspruch zu haben, „ein Vollsortimenter“ zu sein, „damit man nicht in fünf verschiedene Geschäfte muss“. Denn auch das stecke hinter der Idee der Weltfairbesserer, wie sich Koch und Adunka nennen: durch weniger Autofahrten das Klima schonen, Verpackungsmüll vermeiden, Konzentration auf regionale und fair gehandelte Bio-Produkte, Reduzierung der weggeworfenen Lebensmittel, weil die Mengen individuell wählbar sind.

In erster Linie handle es sich aber um einen Bio-Laden, der hauptsächlich Regionales anbietet. Laut Koch kommen die Gemüsesorten aus Edelsfeld, die Nudeln aus Neukirchen, die Brote aus Amberg und Edelsfeld, die gerösteten Kaffeebohnen aus Velburg und die Wurstwaren aus Penkhof: „Wir versuchen, so regional wie möglich zu sein.“ Das gelinge aber nicht immer, denn Grapefruits zum Beispiel würden in der Amberg-Sulzbacher Region nicht wachsen und kämen aus dem Ausland, aber: „Die sind dann sicher aus biologischem Anbau.“ Manch Exotisches gebe es aber dennoch auch hierzulande: „Wir haben Ingwer aus Bayern. Den muss man nicht aus Peru haben. Bei den Waren gehen wir aus Europa nicht raus.“ Neben Lebensmitteln hat der Laden auch andere Sortimente zu bieten, bei denen die Kunden über die zu kaufende Menge selbst entscheiden können. Als Belege nennt Koch ökologische Waschmittel und Artikel der Körperhygiene. Die Seifen kommen zum Beispiel aus Fensterbach. Die 44-Jährige ist davon überzeugt, dass es möglich ist, sein Leben komplett mit Unverpackt-Waren zu leben: „Wir schaffen das ja auch.“ Gemeint ist damit ihre Familie, zu der auch der 17 Jahre alte Sohn Luca gehört. Er hilft im Laden und steht wie seine Schwester Lena (18) hinter dem Konzept: „Wenn ich oft höre, dass es nicht möglich ist, auf Verpackungen zu verzichten, dann ist das meiner Meinung nach nur eine Ausrede. Denn es gibt ja die Möglichkeit. Ich persönlich bin’s gewohnt.“

Kein Fleisch und Käse

Seine Mutter muss aber etwas relativieren: „Natürlich gibt es immer das Eine oder Andere, was wir nicht haben, weil es wegen der Verpackung nicht klappt.“ Käse zum Beispiel oder Frischfleisch. Es sei aber daran gedacht, das Sortiment in Amberg auch dahingehend zu erweitern. Bis es soweit ist, müsse aber erst einmal die weitere Entwicklung des noch neuen Ladens abgewartet werden, denn von der Idee, die Welt auf diese Art zu verbessern, können die Geschäftspartner nicht leben, wie Sonja Koch wissen lässt: „Ich habe einen Beruf, ich bin Erzieherin.“ Deswegen sei der Laden unter der Woche nur halbtags und an Samstagen geöffnet.

Noch 75 Quadratmeter ungenutzt

Weil sich das Amberger Geschäft noch in der Startphase befindet, sei es auch noch nicht möglich, Kinder zum Ende der Sommerferien bereits mit Schulsachen auszustatten: „Wir haben zwar auch Schreibwaren, aber dafür reicht es noch nicht. Wir müssen erst mal gucken, wie wir angenommen werden.“ Laufen die Geschäfte so gut wie in Sulzbach-Rosenberg, sei eine Ausweitung der Produktpalette möglich. Koch: „In Sulzbach kommt mittlerweile etwa ein Prozent der Bevölkerung zu uns zum Einkaufen. Wenn das in Amberg auch so wäre, könnten wir sogar davon leben.“ Platz für mehr Waren wäre noch, denn Sonja Koch und Robert Adunka nutzen an der Friedlandstraße 125 von 200 Quadratmetern Verkaufsfläche. Aber: „Wir müssen zumindest kostendeckend arbeiten. Als Draufzahlgeschäft können wir es nicht machen.“

Eine Kundin, die den Markt längst für sich entdeckt hat, ist Dora Praller. Die Mutter eines neugeborenen Sohnes wohnt gleich um die Ecke und findet es toll, nun wieder einen Nahversorger vor der Haustür zu haben: „Das ist schön.“ Besonders praktisch findet sie es, nicht nur Müll zu vermeiden, sondern die Mengen selbst bestimmen zu können: „Man kann sich erst mal kleine Portionen holen und probieren, ob man’s überhaupt mag.“ Angesichts des vielversprechenden Starts geht Sonja Koch davon aus, dass ihr Geschäft eine Chance hat. Denn Ambergs erster Unverpackt-Laden, der von März bis Oktober 2019 am Malteserplatz existierte, war nicht wegen mangelndem Interesse geschlossen worden, sondern in erster Linie aus gesundheitlichen Gründen der Betreiber.

Darum musste Ambergs erster Unverpackt-Laden schließen

Amberg

Die Weltfairbesserer gibt es auch schon in Sulzbach-Rosenberg

Sulzbach-Rosenberg
Kommentar:

Der Anfang ist gemacht

Fast jedes Produkt steckt in einer Verpackung. Ohne Müll einkaufen? Geht nicht? Doch! Das beweisen Sonja Koch und Robert Adunka nicht erst jetzt an der Friedlandstraße in Amberg. Ihr Geschäft in Sulzbach-Rosenberg schafft das bereits seit fast zwei Jahren, und zwar so gut, dass es bisher gut ein Dutzend Amberger gab, die extra deswegen in die Nachbarstadt gefahren sind. Diesen Weg können sie sich alle nun sparen, was genau genommen wieder der Umwelt zugute kommt. Einer Tatsache muss man sich aber bewusst sein: Leben können die Weltfairbesserer, wie sie sich selbst nennen, davon nicht. Sie haben jeweils noch andere Jobs. Ihr Geschäft funktioniert nur, weil es nicht auf Profitmaximierung basiert, sondern auf der Überzeugung, die Welt besser zu machen. Sonja Koch sagt, sie fühle sich schlecht, da sie weiß, dass Unmengen von Müll in den Meeren herumschwimmen. Es liegt an uns allen, das zu ändern. Ein Anfang ist gemacht.

Thomas Kosarew

So sieht es aktuell in dem Markt an der Friedlandstraße aus. Von den vorhandenen 200 Quadratmetern Verkaufsfläche werden etwa 125 genutzt.

 

 

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