06.11.2020 - 14:39 Uhr
AmbergOberpfalz

Absage der Martinsfeiern für Kinder mittlere Katastrophe

Der Legende nach teilte ein Soldat seinen Mantel mit einem frierenden Bettler. Am Martinstag dreht sich alles um diese Botschaft: Nächstenliebe. Das wird rund um das Fest in Kindergärten vermittelt. Wegen Corona ist da Kreativität gefragt.

Mit großem Eifer sind die Kinder in den Krippen und Kindergärten von Stadt und Land gerade dabei, ihre Martinslaternen zu basteln. In der Kindertagesstätte St. Vitus in Schnaittenbach zum Beispiel aus leeren Milchtüten – passend zum Jahresthema "Klimahelden vom Forst".
von Adele SchützProfil

„Ich geh mit meiner Laterne“: Schon seit Generationen machen sich Kinder um den Martinstag am 11. November bei Einbruch der Dunkelheit zu Laternenumzügen auf und singen dabei Martinslieder. In vielen Kindergärten und Krippen wird die Geschichte vom Mantelteilen als Rollenspiel einstudiert. Um den Kindern am Beispiel des Heiligen den hohen Stellenwert von Nächstenliebe, Mitgefühl, Gerechtigkeit, Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft zu vermitteln, erinnert Birgit Kumeth, die Leiterin der Kindertagesstätte St. Vitus in Schnaittenbach.

St. Martin teilt seinen Mantel mit einem frierenden Bettler und beweist damit Nächstenliebe, Mitgefühl, Großzügigkeit, Solidarität und Hilfsbereitschaft. Die christlichen Eigenschaften des Heiligen werden den Kindergarten- und Krippenkindern in der Vorbereitungszeit auf den Martinstag am 11. November vermittelt. Corona stellt die Feier heuer infrage.

Die Martinsfeiern fanden meist in einem geselligen Beisammensein in den Einrichtungen bei Kinderpunsch und gebackenen Martinsgänsen ihren Abschluss. „Doch heuer hat Corona die Welt auf den Kopf und die Feier des Martinsfestes in den Kindergärten und Krippen infrage gestellt“, sagt Kumeth. „Dinge, wie auch das bei den Kindern beliebte Martinsfest, sind auf einmal nicht mehr selbstverständlich.“

Kinder freuen sich auf Martinsfest

Gerade aus diesem Grund sei es ihr ein Anliegen, das Martinsfest im Corona-Jahr zu einem besonderen Fest werden zu lassen. Den Kindern nicht die negativen Auswirkungen der Pandemie, sondern die außergewöhnlichen Möglichkeiten im Umgang mit der Corona-Ausnahmesituation bewusstmachen, das ist das Ziel von Birgit Kumeth.

Die Kinder würden sich schon riesig auf das Martinsfest freuen und mit großem Eifer Lieder einüben und Laternen basteln, erzählt die Kindergartenleiterin. Auch die Rollen für das geplante Martinsspiel seien unter den Vorschulkindern schon verlost worden. Vom Backen der Martinsgänse habe man aufgrund der Corona-Pandemie verzichtet, was bei den Kindern für traurige Gesichter gesorgt habe.

Mit ihrem Team habe sich Kumeth viele Gedanken über eine Corona-konforme Martinsfeier mit strikter Einhaltung der Hygieneregeln gemacht und dabei viel Kreativität und noch mehr Vorsicht walten lassen. „Aufgrund des Lockdown light ist es derzeit sehr schwer, etwas Konkretes zu planen. Dennoch möchte ich alleine der Kinder wegen alles tun, was in meinen Möglichkeiten steht, um ein Martinsfest in irgendeiner Form zu feiern“, betont Birgit Kumeth. Sie befürchtet jedoch, dass schon der derzeit geplante Laternenlauf der Kinder in Gruppen durch den Garten der Einrichtung als nicht erlaubte Veranstaltung definiert wird und abgesagt werden muss. „Aus Kindersicht ist die totale Absage der Martinsfeier eine mittlere Katastrophe. Natürlich kann man den Kindern alles erklären, aber verstehen werden sie es trotzdem nicht. Für sie zählt nur eines: Spaß haben, die gebastelte Laterne ausprobieren und die gelernten Lieder singen“, weiß Kumeth. „Kinder bleiben eben Kinder. Gott sei Dank!“

Langlebige Laternen aus Holz

Auch die Amberger Kindergärten und Krippen ließen Einfallsreichtum walten. „Wir werden das Fest St. Martin natürlich nicht ausfallen lassen und werden es an die Gegebenheiten und die Situation anpassen“, versichert Sonja Stock, die Leiterin der Kindertagesstätte St. Georg Haus der Kinder. Wenn sie in diesem Jahr auch ohne Eltern feiern müssen, so möchten sie den Kindern ermöglichen, St. Martin auf besondere Art und Weise zu erleben. Das Team um Sonja Stock hat sich deshalb für eine besondere Variante der Martinslaterne entschieden: „Zum ersten Mal haben wir mit den Kindern Holzlaternen gebastelt, die dem Aspekt der Nachhaltigkeit entsprechen und dem Wunsch der Kinder gerecht werden, dass sie die Laternen mit nach Hause nehmen können.“

Die Spatzenkinder der Krippe werden am Vormittag in ihrem Gruppenraum mit einem Laternenumzug feiern. Im Kindergarten findet anstelle des eigentlich großen Festes ein Lichterfest in Kleingruppen statt, bei dem die Sonnenblumenkinder in den Abendstunden ohne Eltern im Garten der Einrichtung auf eine Martinsreise gehen. Anstatt Martinsessen und Kinderpunsch gibt es eine Tüte, die die Eltern beim Abholen der Kinder mit nach Hause nehmen können.

Spenden an Kindermissionswerk

Passend zu St. Martin unterstützt die Einrichtung die Spendenaktion „Meins wird deins“ des Kindermissionswerks. „Es ist schön, zu sehen, wie kreativ die Eltern und auch das Team gerade in dieser Zeit agieren. Man geht neue Wege und das macht diese Zeit so spannend. Wir machen einfach das Beste aus der Situation zum Wohl der Kinder“, sagt Stock.

Der Kindergarten Christkönig unter der Leitung von Rita Strobl plant ebenfalls eine Martinsfeier ohne Eltern nur mit den Kindern, die getrennt ihren Laternenumzug im großen Garten begehen. Im Kindergarten Hl. Dreifaltigkeit plant Leiterin Michaela Neiswirth das Martinsfest während der Kindergartenzeit im abgedunkelten Pfarrsaal St. Martin mit Kaplan Florian Weindler. Die Kindertagesstätte St. Michael in Amberg unter der Leitung von Kerstin Sittl organisiert eine Corona-konforme Feier in der Pfarrkirche St. Michael.

Die Kindergartenleiterin von St. Martin, Annett Rodehau, hat sich mit ihrem Team aufgrund der aktuellen Lage für keine öffentliche Martinsfeier entschieden. Die Kinder gestalten lediglich innerhalb ihrer Gruppe den Martinstag ohne Eltern, Familien oder externe Personen. Die Planungen der Martinsfeiern werden nach Auskunft der Einrichtungen der Entwicklung der Corona-Pandemie auch kurzfristig angepasst.

Ministranten erleben Kirche anders

Amberg
Die Leiterin der Kindertagesstätte St. Vitus, Birgit Kumeth, hat unter den Vorschulkindern schon die Rollen für das Martinsspiel verteilt, das mit großer Wahrscheinlichkeit nun Corona zum Opfer fällt. "Das ist für alle Beteiligten schmerzhaft", sagt Kumeth.
St. Martin daheim:

Laternen sollen Fenster erleuchten

Trotz Corona-Beschränkungen soll das Fest des Heiligen Martin gefeiert werden. Weil am 11. November aber zumeist keine großen Martinsumzüge stattfinden können, sind Kinder und Familien aufgerufen, Laternen und Kerzen in die Fenster zu stellen. Fotos der Laternen können unter dem Hashtag #stmartin2020 im Internet gepostet werden. In Facebook gibt es sogar die Gruppe „Amberger Lichterbrücke“. „Ihr seid nicht alleine – mit dieser Gruppe wollen wir eine bunte ,Brücke’ bauen“, schreibt darin Administratorin Brigitte Netta. „Viele andere Kinder (und Erwachsene) sind nun in der kälteren Jahreszeit wieder mehr zu Hause, aber durch die Lichter fühlt ihr euch miteinander verbunden. Lasst uns die Welt ein klein wenig heller gestalten.“ (wih)

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