19.04.2021 - 13:29 Uhr
AmbergOberpfalz

21 Kerzen für die Toten der Pandemie in Amberg entzündet

In der Basilika St. Martin zündete Stadtpfarrer Thomas Helm 21 Kerzen an, genauso viele brannten auch im Großen Saal des Amberger Rathauses. Die Lichter sollten der 21 an oder mit Corona verstorbenen Amberger Bürger erinnern.

von Gerd SpiesProfil

Die Stadt Amberg war dem Aufruf von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gefolgt und gedachte wie viele Kommunen in Deutschland am vergangenen Sonntag der Toten der Pandemie. Mit einem fünfminütigen Glockenläuten begann am Sonntag um 17.30 Uhr die ökumenische Gedenkandacht mit Stadtpfarrer Thomas Helm und Pfarrer Joachim von Kölichen in der Basilika St. Martin.

Gedenkfeier im Livestream

Sowohl die Andacht als auch die anschließende Gedenkfeier im Großen Rathaussaal wurden live über die YouTube-Kanäle der Pfarrei St. Martin bzw. der Stadt Amberg übertragen. Gemeinsam mit den Familien der Verstorbenen nahmen Oberbürgermeister Michael Cerny, seine beiden Stellvertreter und die Stadträte an der Gedenkfeier teil. Für die musikalische Umrahmung sorgte Bürgermeister Franz Badura an der Trompete. Neben Cerny sprachen mit Tanja Dandorfer und Dr. Berit Bouschery auch zwei Mitarbeiterinnen des Amberger Klinikums zur Trauergemeinde.

„Über drei Millionen Menschen weltweit, fast 80 000 in Deutschland, 14 000 Mitbürger in Bayern, 21 Tote in Amberg! Diese Zahlen könnten dazu verleiten, sie zur Statistik verkommen zu lassen“, erklärte Cerny in seiner Rede. Aber hinter jeder Todesnachricht stehe das Leid eines Einzelnen und die Trauer der Angehörigen. Der Oberbürgermeister zeigte sich auch dankbar, dass die Zahl der Todesfälle in Amberg bisher unter dem Durchschnitt in Deutschland geblieben sei.

Erster Corona-Patient am 16. März

„Am 16. März nahmen wir den ersten Corona-Patienten auf. Wir waren so gut wie möglich vorbereitet, es gab Hygienekonzepte und noch genügend Schutzausrüstung. Keiner wusste, was uns bevor steht, und ja, auch wir hatten Angst“, erzählte Tanja Dandorfer von ihren Erfahrungen als Gesundheits- und Krankenpflegerin am Klinikum St. Marien. Auch nach über einem Jahr Pandemie würde sie in die ängstlichen Augen vieler Patienten blicken. „Die umfänglichen, schweren körperlichen Symptome einer Covid-19-Erkrankung übersteigen alles Bisherige, was ich bisher als Gesundheits- und Krankenpflegerin erlebt habe.“ Dandorfer kritisierte aber auch die Kommentare in den sozialen Medien. „Wenn wir die Äußerungen so verfolgen, dann meinen wir, dass wir in einer Parallel-Welt leben.“

Dr. Berit Bouschery, Oberärztin am Klinikum, erinnerte an die Tragik der Kontaktbeschränkungen zwischen den Angehörigen und den Patienten. „Das Leid wurde dadurch noch viel größer. Es lässt uns nicht kalt, wir tun aber alles in unserer Macht Stehende“, erklärte die Ärztin.

21 Kerzen brennen im Großen Rathaussaal

Auch Stadtpfarrer Thomas Helm erinnerte an die erste Phase der Pandemie, als Kontakte zu den sterbenden Angehörigen nicht möglich waren. „Manche mussten alleine sterben, nur wenige durften am Grab stehen. Corona hat dadurch noch zusätzlich Leid über uns gebracht.“ Helm gedachte auch der vielen Corona-Helden in der Pandemie. „Viele leisten noch immer Unglaubliches“, sagte er.

Auch im Großen Rathaussaal brannten in der anschließenden Gedenkfeier 21 Kerzen in Erinnerung an die 21 Corona-Todesfälle in Amberg. „Die Corona-Pandemie hat uns seit über einem Jahr im Griff“, sagte Cerny. Die Fahnen am Rathaus trugen Trauerflor. Wie gleichzeitig in vielen Städten Deutschlands gedachten auch in Amberg das Stadtoberhaupt, seine Stellvertreter und die Stadträte in diesem würdevollen Rahmen der bisherigen Opfer der Pandemie.

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Korrektur

Der Artikel wurde nach der ersten Veröffentlichung korrigiert. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin Tanja Dandorfer hat bei dem Gedenkakt gesagt: „Wir waren so gut wie möglich vorbereitet, es gab Hygienekonzepte und noch genügend Schutzausrüstung. Keiner wusste, was uns bevor steht, und ja, auch wir hatten Angst.“ Weiter erklärte sie: „Die umfänglichen, schweren körperlichen Symptome einer Covid-19-Erkrankung übersteigen alles Bisherige, was ich ... erlebt habe.“ Dandorfer war im Artikel wegen einer akustischen Unschärfe im Saal anders zitiert worden.

 

 

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