02.09.2021 - 15:06 Uhr
Altfalter bei SchwarzachOberpfalz

Prachtexemplar eines Jahrtausende alten Felssteingerätes liegt in Altfalter

Heinrich Schwarz gerät ins Schwärmen. Was den Heimatpfleger von Altfalter (Gemeinde Schwarzach) aufwühlt, ist alt – steinalt. Das Fundstück wird als linearbandkeramisches Felssteingerät (5500 bis 4900 v. Chr.) klassifiziert.

Heinrich Schwarz demonstriert wie Ururahnen mit dem Steinbeil gearbeitet haben. Wegen des Lochs geht er davon aus, dass für das Werkzeug noch eine andere Verwendung gab. Meist wurden diese Geräte zum Baum fällen und auch zum Spalten benutzt.
von Irma Held Kontakt Profil

Die Augen des 68-jährigen Hobby-Archäologen Heinrich Schwarz leuchten, als er das Steinbeil in Händen hält. "Wunderbar. Ich, als ich es gesehen hab, bin sofort Feuer und Flamme gewesen. So ein schönes Beil." Liebevoll streicht er über die glatt- und halbrund geschliffenen Seiten. Das etwa 20 Zentimeter lange und 900 Gramm schwere Steinwerkzeug sieht gut aus, hat im Boden unversehrt Zeitspannen überdauert. Die rostbraunen Kratzspuren stammen von Pflugscharen. Vorne an der Spitze scheint ein Stück Stein abgesplittert zu sein. Es erweckt den Anschein, als habe jemand auf einem Acker vor Jahren ein Beil verloren. Weit gefehlt. Das Steinwerkzeug ist Jahrtausende alt.

"Ich habe es gleich erkannt, dass es aus der Zeit der Bandkermamik stammen muss". Dabei gibt es laut Schwarz aus dieser Zeit in dieser Region keine keramischen Funde, obwohl "unser Gebiet voll mit Geschichte sei".. A propos Funde. Gefunden hat dieses Steinbeil Margareta Mayer aus Freihöls (Stadt Schwandorf) im vergangenen Herbst bei der Kartoffelernte. Wo steht nicht eindeutig fest. Heinrich Schwarz hält aber Zilchenricht (Markt Schwarzenfeld) für wahrscheinlich. Den Acker haben die Mayers erstmals bewirtschaftet. Heinrich Schwarz appelliert an die Kartoffelanbauer bei der Ernte jetzt im Herbst die Augen offen zu halten. Der archäologisch Interessierte weiß aus Erfahrung, dass nicht nur Kartoffel sondern auch Erbstücke der Urahnen auf den Erntemaschinen landen.

Über Mayers Schwägerin kommt das Beil zu Heinrich Schwarz. Dieser holt nach seiner ersten Einschätzung eine Expertise des Wiener Archäologen, Professor Gerhard Trnka, ein. Trnka ordnet das Werkzeug mit einem zylindrisch zulaufenden Loch als Linearbandkeramisches Felssteingerät ein.

Die Linearbandkeramische Kultur gilt als älteste bäuerliche Kultur. Heinrich Schwarz zufolge sind ab 5700 v Chr. "die ersten Ackerbauern bei uns sesshaft geworden". Lochbeile seien im Gegensatz zu Flachbeilen in unserer Gegend sehr selten, im Gäuboden allerdings gang und gäbe. Die Gesteinsart könne nicht genau bestimmt werden, denn ein Fachmann müsste das Originalteil, das Heinrich Schwarz noch in seinem Anwesen in Altfalter sicher verwahrt, untersuchen. Wegen Corona sei dies bisher noch nicht möglich gewesen. Dauerhaft bleiben wird das Lochbeil im Slawischen Dokumentationszentrum in Weiding (Gemeinde Schwarzach). "Ich möchte, dass es der Nachwelt erhalten bleibt."

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Schwarzach
Dieser Fund ist ein Prachtexemplar aus der Linearbandkeramischen Zeit.
Finderin Margareta Mayer
Hintergrund:

Zur Person: Heinrich Schwarz

  • 68 Jahre
  • Seit 1985 archäologisch und vorgeschichtlich interessiert, zahlreiche Lesefunde
  • Seit 1987 Ortsheimatpfleger von Altfalter

 

 

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