19.06.2019 - 12:10 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Ein verlorenes Paradies

Der Süßenloher Weiher ist nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel gewesen, auch Ornithologen finden seltene Vogelarten. Angeordnet wird der Bau des Gewässers 1458 von einem Pfalzgrafen.

Das Schilfgebiet, einst Rückzuggebiet für Vögel, ist durch die Sperrung des gesamten Geländes inzwischen nicht mehr einsehbar.
von Rainer ChristophProfil

(cr) Um die Entstehung des Süßenloher Weihers zu verfolgen, müssen wir über 560 Jahre zurückgehen. Das heutige Gebiet des Weihers befand sich 1485 im Besitz der Burgherren auf dem Parkstein. Eine merkwürdige Besitzverteilung muss dabei festgestellt werden. Das Parksteiner Gut gehörte zur damaligen Zeit zwei Herren. Die eine Hälfte verwaltete der Wittelsbacher Pfalzgraf Otto II von Mosbach in Baden, die andere Hälfte gehörte Herzog Georg dem Reichen von Landshut, ebenfalls ein Wittelsbacher. Otto II. war es, der den Bau eines Weihers 1458 anordnete. Georg wollte sich an der Latscher Furt (bei Weiden) ebenfalls einen solchen anlegen, dieser Bau wurde jedoch nie umgesetzt.

Ein 450 Meter langer Damm musste für den damals 100 Tagwerk großen Weiher im Westen von Altenstadt/WN angelegt werden. Ein gewaltiges Bauwerk für jene Zeit, schließlich gab es keine Maschinen. Die Bauern aus der Umgebung mussten ihn im Rahmen ihres Frondienstes anlegen. Neben dem Weiher errichtete der badische Pfalzgraf einen Gutshof und nannte diesen "Süßenlohe". Otto und die nachfolgenden Burgherren vergaben den Hof an einen Bauern zur Bewirtschaftung auf Erbrecht. Grundherr blieb demnach stets der Burgherr in Parkstein.

Nahrungsquelle

Die Gründe für den Bau der Weiheranlage liegen im Dunkeln. Es ist davon auszugehen, dass sich der Graf eine gesicherte Nahrungsquelle schaffen wollte. Sein Vorbild dürften die Klöster gewesen sein, die ebenfalls um diese Zeit das Teichwesen in der Region stärkten.

1582 erlebte das Gut samt Weiher einen Besitzerwechsel. Von den Vorgängern sind keine konkreten Unterlagen vorhanden. Erstmals wird mit Peter Peer ein Besitzer durch eine Beurkundung für die Bewirtschaftung namentlich genannt. Burgherr auf dem Parkstein war in dieser Zeit Kurfürst Ludwig VI., ein Protestant. Er legte die Erbpacht für den Pächter mit vier Gulden und 48 ½ Kreuzern Türkensteuer fest. Diese Quelle liegt im Staatsarchiv Amberg. Sechs Jahre später, auf dem "Barkstein" (Parkstein) hatte ein dreimaliger Besitzerwechsel stattgefunden, nach Ludwig VI. folgte der Kalvinist Pfalzgraf Johann Casimir und dessen Bruder Friedrich, der als "Winterkönig" in die Geschichte einging.

Die Bewirtschaft des pfälzischen Gutes trug gute Früchte. Peter Beer, er unterzeichnete nun mit "Beer", versteuerte einen beachtlichen Betrag von 729 Gulden und zahlte dafür vier Gulden und 22 Kreuzer. Genau wird sein Besitz im Steuerbuch des Grundherren aufgelistet: Zum Gutshof gehören: "13 Tagwerk Wald, 3 Rösser, 1 Fohlen, 8 Kühe, 4 Galtrinder, 2 Kälber, 3 Schweine, 95 Schafe, 1 Immen (Bienenstock, Anm. d. Red.), 4 Geißen und 25 Gulden geliehenes Geld."

Gutshof geplündert

Nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges litten die Menschen in der Oberpfalz unter der Last der grausamen Geschehnisse. 1643 belagerten die Schweden die Burg auf dem Parkstein. Der Gutshof lag ungeschützt offen und wurde mehrfach geplündert. In den Archiv-Akten heißt es "Adam Beer, jetzt Jakob Beer; 1 Hof samt Zubehör per 400 Gulden, ist zu Dorf ganz baufällig und zu Feld nit völlig gebaut, gesetzt die Hälfte 200 Gulden. Die sonderbaren Erbstück, so Wald und Grund, seind öd." Vorhanden waren nur mehr 2 Ochsen (30 Gulden), 1 Kuh (8 Gulden). Die Steuerabgabe: Zwei Gulden und 23 Kreuzer."

1714 wechselte nicht nur der Burgherr. Mit dem neuen Besitzer, Pfalzgraf Theodor Eustachius von Sulzbach, kam ein Katholik an die Macht. 92 Jahre sollte die Sulzbacher Linie den Besitz behalten. Hier beginnt in etwa die Geschichte der Familie Lukas als Besitzer. Seit dem 18. Jahrhundert befindet sich der Süßenloher Weiher ohne Unterbrechung im Besitz der Familie. Es war der 8. August 1775 als Johann Lukas von seiner Mutter Margareta den Hof um 3000 Gulden übernahm. Im Rentamt Weiden heißt es: Johann Lukas, Süßenlohe, beim Süßenloherbauer, ein Hof, ½ gemauertes Haus No. 1., hölzerner Stall und Schupfen, zum Landgerichte 8 Gulden Handlohn, Wiesen, Wälder, Äcker, Forstrecht, sechs Klafter Holz und 14 Fuder Streu."

20 Jahre später, im Jahre 1795, erwarb die Familie Lukas für 4000 Gulden den Weiher und das Gut vom Bayerischen Kurfürsten. Ende April kaufte Christoph Lukas nach dem Todes seines Vater Johann das Anwesen von seinen Geschwistern und Miterben für 7400 Gulden ab. Wiesen, Äcker, zwei Aspen (Pappeln), Fischbehälter, ein Hirtenhäusl, das ehemalige Mauthaus und Fischwasser unter der Haidmühle gehörten dazu.

Freier Bauer

Mit der Revolution in Bayern und der ersten Verfassung 1848 wurde der Hof erstmals freies Eigentum der Familie Lukas. Wendelin Lukas war der erste Besitzer und der erste freie Bauer, der nicht mehr der standes- oder gutsherrlichen Gerichtsbarkeit unterstand. Der Ortsteil Süßenlohe gehörte von 1808 bis 1975 zur Gemeinde Meerbodenreuth, nach deren Auflösung zu Altenstadt/WN.

Der Weiher selbst, der als einer der größten in der Oberpfalz gilt, war bis vor rund zwei Jahrzehnten Anziehungspunkt der Menschen in der Region und bis hinauf nach Bayreuth. Schwimmbad, Wasserwacht Neustadt/WN, Campingplatz, der Weidener Segelclub, die Gastwirtschaft "Weiherhex" sind nur mehr Erinnerungen. Der Altenstädter Heimatdichter und Gemeinderat Karl Werner (1999 verstorben) schrieb viele Gedichte über den Weiher.

Besonderes Interesse zeigten an diesem Weihergebiet nicht nur die Erholungssuchenden und die Mitglieder des Yachtclubs Weiden. Für die Naturschutzbehörden, den Bund für Vogelschutz und Schüler war der Weiher mit seinen Randgebieten Ziel für Exkursionen und Beobachtungen von Vögeln und seltenen Pflanzenarten.

Seltener Fischadler

Besonders im Herbst und in den Frühjahrsmonaten entdeckten die Beobachter nordeuropäische Zugvögel, die den Weiher als Rastplatz und auch als Nahrungsquelle annahmen. 1993 wurde sogar ein seltener Fischadler beobachtet. Der Fischadler hielt sich mindestens zwei Wochen am Süßenloher Weiher auf. Auch eine Trauerseeschwalbe wurde entdeckt. Im Schlick der angrenzenden Weiher suchten Sandregenpfeifer nach Würmern. Am häufigsten war die Stockente zu erkennen. Festgehalten wurde Europas kleinste Ente, die Krickente. Tafelenten, Grau- und Silberreiher kamen, rasteten und suchten nach Nahrung. Mitte November, wenn der erste Frost kam, wurde es an dem Weiher ruhig. "Die Vögel waren voll auf diese riesige Wasserfläche programmiert und fielen geradezu vom Himmel, um hier Nahrung zu finden", erzählt der frühere Lehrer Wolfgang Fach, der heute in Regensburg lebt.

Überhaupt hat der Süßenloher Weiher laut Aussage des ehemaligen 1. Vorsitzenden des Vogelschutzbundes in Weiherhammer, Adolf Küblböck, nicht nur einen bedeutenden regionalen Stellenwert, er ist von überregionaler europäischer Bedeutung und das von Anbeginn an. Warum das so ist, erklärt Küblböck mit der Nord-Südachse des Naabtals. Laut seiner Aussage wurde sie seit Urzeiten als Flugschneise von Zugvögeln genutzt wird. Ringfunde untermauern diesen Tatbestand. Man fand sie schon von Vögeln, die in Nordrussland beheimatet sind. Wenn es im späten Frühjahr ruhiger wurde und die Zaungäste weitergezogen waren, zogen sich die verbleibenden Vögel im Schilf des hinteren Teils zum Brüten zurück.

Wertvolles Biotop

Ganze Schülergenerationen aus Altenstadt/WN sind mit dem Lehrer Wolfgang Fach in das 33 Hektar große Biotop Süßenloher Weiher gewandert. Dass der Mensch mit diesem wertvollen Gut äußerst vorsichtig umgehen muss, zeigte allein schon die Tatsache, dass sich viele der in den ersten Jahren beobachteten Vögel nicht mehr sehen ließen. Dazu gehören elf Vogelarten, wie der Prachttaucher, die Graugans, die Knäkente oder die Zwergmöwe.

Heute ist das Gebiet um den Weiher systematisch abgesperrt. 2016 verstarb die 89-jährige Besitzerin des Weihers, Maria Lukas. Nun schlummert der Hof und der Weiher ruhig vor sich hin und ist dicht von Büschen und Bäumen eingewachsen. Geschäftige Treiben ist nach dem Willen der jetzigen Besitzer vorbei, und nur die Schafe grasen, wie vor rund 425 Jahren, wieder auf den Wiesen um den Weiher.

Gedicht:

Süßenloher Weiher

Der bereits verstorbene Altenstädter Heimatdichter Karl Werner widmete dem Süßenloher Weiher ein Gedicht mit sechs Strophen. Die letzte endete:

Und ganz schoi is, wenns oubdns wird.

Va de Camper wird a Feierl g’schürt.

Übern Parkstoi göiht dann d’Sunna unta

Und durt bis af d’Hoidmühl dou nunta,

wird’s staad, ganz wunderlich,

da mond göiht af als schmala Strich,

es ist vorbei der schöine Toch,

den wou i imma wieda moch,

doi schöine Landschaft, und ma Rouh,

der Name stimmt, so is d’Soisslouh! (cr)

Die Gemeinde Altenstadt/WN schmückte sich einst mit dem Aushängeschild Süßenloher Weiher als Erholungsgebiet auf vielen Postkarten.
Das Parksteiner Gut gehörte zwei Herren. Die eine Hälfte verwaltete der Wittelsbacher Pfalzgraf Otto II von Mosbach in Baden, die andere Hälfte gehörte Herzog Georg dem Reichen von Landshut (Bild), ebenfalls ein Wittelsbacher. Gemälde von Peter Gertner.
Das heutige Gebiet des Weihers befand sich 1485 im Besitz der Burgherren auf dem Parkstein. 1848 wurde der Hof erstmals freies Eigentum und kam in den Besitz der Familie Lukas.
Blick zum Parkstein.
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