15.10.2020 - 11:33 Uhr
Altenstadt an der WaldnaabOberpfalz

Unterwegs im Tal der sieben Mühlen

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Das Sauerbachtal vor den Toren Weidens ist seit jeher eines der beliebtesten Ausflugziele für Spaziergänger und Radwanderer. Märchenhaft klingt die Bezeichnung "Tal der sieben Mühlen", doch mit Romantik hat das Schicksal der Mühlen wenig zu tun.

Die Holzmühle im Jahre 1979 , da war von Tourismus noch keine Rede.
von Rainer ChristophProfil

Der Sauerbach entspringt in der Nähe von Wildenreuth und mündet auf Weidener Stadtgebiet in die Schweinenaab. Im Sommer ist das Sauerbachtal durch seine schattige Lage beliebt. Doch auch im Herbst und Winter hat es besonderen Charme. Der Bachlauf, der eher seitlich vom Weg liegt und sich wie ein Mäanderband durch die Landschaft schlängelt, prägt das Tal und ist beidseitig von Bäumen umrahmt.

So intensiv wie der inzwischen verstorbene Heimatfreund Karl Werner aus Altenstadt/WN, hat sich mit dem Sauerbachtal wohl niemand beschäftigt. Jeden Winkel hat er erwandert, im Dia festgehalten und seine eigenen Betrachtungen angestellt. Sein Vermächtnis ist im Archiv des Heimatvereins Altenstadt/WN gut verwahrt. Mit Witz, aber auch voll Nachdenklichkeit, erzählte er als bekannter Mundartdichter in der Gemeinde von einer "Urlaubswanderung" von zwei alten Kumpeln, dem Sepp und dem Franz, und deren Verhältnis zum Sauerbachtal. Der Sepp, den es eher nach Mallorca zieht, wird vom Franz überredet "daham zu bleibn". Karl Werner beschreibt, wie der Franz seinen Haglsteckn nimmt und "hinti zou afn Sauaboch" losmarschiert. Und das Höchste ist am Schluss die Brotzeit in Wilchenreuth - wobei die Vorfreude bereits bei der Köstlmühle beginnt.

Einst stolze Mühlen

Neben der herrlichen Landschaft, lag der zweite Reiz des Sauerbachtals in seinen Mühlen. Es klingt fast wie im Märchen, wenn dabei die Anzahl von "sieben Mühlen" genannt wird. Mögen manche auch einen Hauch von Romantik dahinter sehen, das Schicksal der einstigen Mühlen und der jetzigen, letzten Mühlenbesitzer hat damit wenig zu tun. Ganz im Gegenteil: Einsam und zweckentfremdet stehen die meisten der einst stolzen Mühlen in der Landschaft.

Der Start ins Tal kann an der Haidmühle (Altenstadt/WN) beginnen und führt über Teichdämme und die B22 ins Tal. Hier vereinigen sich der Sauerbach mit der Dürrschweinenaab. Beide fließen gemeinsam durch die Süßenlohe ins Schätzlerbad. Was den Sauerbach anbelangt, seine Bedeutung ist ungeschmälert. Zum einen ist er ein wertvoller Zubringer für die Teichwirtschaft - ob Süßenloher-, Ebneth- oder Haidmühlweiher. Drei Durchlässe unter der B 22 speisen die großen Teiche. Als wertvolles Biotop weist das Sauerbachtal seltene und geschützte Pflanzen und Auwälder auf. Der Eingang ins Tal ist gut gekennzeichnet.

Der Verfasser dieses Berichts kannte noch den Holzmühlner-Hans und seine Schwester. Beide leben schon lange nicht mehr. Beschwerlich und schier nicht zu bewältigen, schien die Arbeit der letzten Besitzer der zweiten Mühle, der Holzmühle, gewesen zu sein. Bis ins hohe Alter hingen sie mit viel Liebe an ihrem Eigentum. Der Ursprung der Mühle geht zurück ins Jahr 1588. Erwähnt wird sie im Steuerbuch des Amtes Parkstein (ab hier beginnt die Gemeinde Kirchendemenreuth).

Ziel: Sauerbachhütte

Seit alters her trug der Sauerbach mit seinem Wasser zur ihrer Existenz bei. Es gab eine Holzsäge, im Vordergrund stand jedoch das Mahlen des Korns der umliegenden Bauern. Doch das Klappern der Mühlräder ist spätestens seit Mitte der 1950er Jahre verstummt. In der Holzmühle lässt sich kaum noch etwas vom einstigen Mühlenstolz erahnen. Das große Gebäude mit Mühle, Scheunen und weiteren Gebäuden ist verkauft und nicht zugänglich. Daneben steht die Sauerbachhütte, ein beliebtes Lokal, dass gern für Feiern aller Art gebucht wird.

Nummer drei ist die Hahnenmühle, erstmals erwähnt im Leuchtenberger Lehensbuch 1396. Heute werden hier von einem Weidener Radgeschäft Fahrräder und E-Bikes im größeren Rahmen zusammengebaut. Der Hahnenmühle folgt die Lenkermühle, idyllisch eingebettet ins Sauerbachtal. Erwähnt und beschrieben wird sie im herzoglichen Urbar (Besitzrechtsverzeichnis; Anm. der Red.) von Niederbayern bereits 1285. Im 30-Jährigen Krieg verödet, wird sie 1702 wieder erwähnt. Auch sie wird nicht mehr genutzt, die Besitzer wohnen nebenan.

1924 erbaut vom Ehepaar Lehner steht über der Haustüre. Das einst stolze Wohngebäude strömt noch immer Würde, Stolz und Wohlstand der Müllerfamilie aus. Das gesamte Mühlwerk ist noch vorhanden, ebenso der große Mühlteich in den der künstlich gegrabene Mühlbach fließt, dessen Wasser vom Sauerbach bis heute abgezweigt wird.

Herrlicher Blick

Hoch oben im Haberland liegt der kleine aus dem Jahre 1301 stammenden Ort Steinreuth. Von hier aus bietet sich dem Wanderer ein herrlicher Blick über das Sauerbachtal. Nun kommt die Köstlmühle. Sie kann mit einem Alter von 386 Jahren als sehr jung eingestuft werden. Die Neumühle existiert nicht mehr, lediglich ein paar Mauerreste deuten auf ihre Existenz hin. 1954 wurde sie abgerissen. Die Knierermühle liegt schon im Landkreis Tirschenreuth, unmittelbar vor der Ortschaft Wildenreuth. Auf das Jahr 1792 datiert ihre erste Erwähnung.

Nicht mitgezählt

Mit der Herrenmühle in der Ortschaft Wildenreuth folgt noch eine "achte Mühle". Damit aber die Bezeichnung "Tal der sieben Mühlen" immer stimmt, zählen die Altenstädter diese ganz einfach nicht mit. Die Wildenreuther drehen den Spieß um und lassen umgekehrt die Haidmühle weg.

Für Radfahrer gibt es ab Altenstadt/WN einen Radweg zum Sauerbachtal. Spaziergänger und Radfahrer sollten wissen, dass es sich um keinen Rundwanderweg handelt. Wer nicht bei der Haidmühle startet, stellt sein Auto am Pendlerparkplatz an der B 22 nach der Autobahnbrücke bei Altenstadt/WN ab. Nach rund 100 Metern ist der Wanderer bereits am Taleingang und findet gut ausgebaute Wege, die in erster Linie der Forstwirtschaft dienen.

Dieser Waldwegebau war nicht ganz unumstritten, weil manche darin einen Eingriff in Natur und Tierwelt sahen. Der Ausbau begann am sogenannten Reiserbrückl (an der Straße nach Döltsch) im Jahre 1978 zunächst bis zur Hahnenmühle.

Der zweite Abschnitt folgte dann 1980 bis zur Holzmühle. 1983 begann der Wegebau von Altenstadt/WN aus. 1986 war im August das letzte Reststück bis zur Holzmühle fertiggestellt. Der Waldwegebau erschließt nunmehr das Sauerbachtal, finanziert mit staatlichen Zuschüssen und einer Eigenbeteiligung der Anlieger auf einer Länge von zirka sieben Kilometern.

Öffnungszeiten

Die Entfernung zur ersten Mühle mit der Sauerbachhütte beträgt 3,8 Kilometer. Das Speiselokal kann auch über einen Flurbereinigungsweg von der B 22 erreicht werden. Parkplätze sind in der Regel vorhanden. Die Öffnungszeiten der Hütte ändern sich immer wieder und sind dem Internet zu entnehmen (www.sauerbach-hütte.de; Telefon 09602/616298).

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