21.09.2020 - 11:22 Uhr
AltendorfOberpfalz

Aus "zuagroast" wird "dahoam": Urlaubsreise in die Kindheit

Von Bürgermeister Markus Schiesl und Nabburgs Tourismusbeauftragter Martina Hölzl für 40 Jahre besondere Verbundenheit geehrt: (von links) Ehepaar Yvonne und Kai Kemnitz, Gastgeber Christine und Georg Schwarz und Sabine Czysch-Biedermann, ausnahmsweise ohne ihren Mann Rainer zu Gast.
von mvsProfil

Ein besonderer Anlass für Martina Hölzl, Tourismusbeauftrage der VG Nabburg, und Bürgermeister Markus Schiesl, sich in Unterkonhof zu treffen, Urkunden zu überreichen und kühle Sektflaschen zu öffnen: Die Ehrung von zwei Schwestern und ihren Partnern steht an. Familie Czysch macht seit 40 Jahren Urlaub in Unterkonhof bei Christine und Georg Schwarz.

Am gastfreundlich gedeckten Tisch warten schon die Jubilare und ihre Gastgeber: Die Liebe zum Fischen verschlug Vater Edward Czysch in den 70er Jahren von Nürnbergs Pegnitz an die Naab und Schwarzach zu den Angelfreunden Altfalter und Willhof, deren Mitglied er wurde. "Über Nacht bleiben wollten wir bald, die Fahrt hin und her ist ja doch lang." Familie Wittmann aus Unterkonhof bot Platz für Wohnwagen in einer Scheune an, nach zehn Jahren zogen die Czyschs in den benachbarten Garten der Familie Schwarz.

Wie eine Reise in die Kindheit

Seitdem ist aus "zuagroast" längst "dahoam" geworden: "Die Camper sind regelrecht in den Boden eingesunken, die erste Stufe muss man schon lang nicht mehr erklimmen", beschreibt Yvonne Kemnitz, Tochter von Edward, das urige Idyll hinter dem üppig wachsenden Gemüsegarten. Ihr Sohn Steven wurde von Pfarrer Wutz in Altendorfs Kirche St. Andreas getauft. "Und Ida Wittmann, Friseurmeisterin in Schwarzenfeld, ist meine beste Freundin." Der Urlaub an der Schwarzach ist für sie Erholung und "wie eine Reise in die Kindheit - wer hat so etwas schon?". Ihr Mann Kai Kemnitz nickt, er schätzt die Ruhe, "dass ich hier schweigen kann, das nicht erklären muss: Das tut mir sehr gut."

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Nabburg

"Ihr seid uns immer willkommen gewesen, konntet kommen, wann Ihr wolltet, auch ohne Ankündigung, ungezwungen", schildert Christine Schwarz, gebürtige Nabburgerin, die große Vertrautheit: "Damals als das anfing war ich auch noch nicht lang da, frisch verheiratet, her gezogen, mitten im Hausbau. Man kann schon sagen: Wir sind hier gleichzeitig heimisch geworden." Als die Hündin Blacky einen Wurf entband, waren die Hausherren verreist nach Kroatien, aber die Gäste zur Stelle. "Und drei Wochen Regen haben wir auch gut ausgehalten, zum Beispiel mit Kinder-Disco im Keller." Gegenbesuche in Nürnberg? "Natürlich, zu den Geburtstagen im Winter", bejaht Georg Schwarz.

Viele Erinnerungen

Edward Czysch, mit dem alles begann, ist schon verstorben. Seinen Kindern hat er besondere Erinnerungen ermöglicht. Viele werden an diesem sonnigen Sommertag erzählt, dazu selbst gebackene Küchl mit Puderzucker verspeist. Aus der Kategorie "wenig idyllisch": Das "Loadaloch" in Willhof, wo früher im hohen Bogen der ungetrennte Müll landete. Und aus der Kategorie "sehr urig": Der Kramerladen von Anna "Nanni" Schmidt. "Wisst Ihr noch, die Tüten von der Nanni?", fragt Sabine in die Runde. "Ja freilich, aus Papier zum Abreißen waren die", wirft jemand ein, "für Bonbons, alle möglichen Süßigkeiten". "Und wie schnell sie die Fünferl-Beträge aufgeschrieben hat, zusammengezählt, da bist kaum hinterher gekommen", ergänzt Markus Schiesl, und Sabine stimmt ein: "Bei der Kirwa: größtes Remmidemmi, Wundertüten ohne Ende, der Laden von den Kindern richtig belagert."

Ein so lebhaftes Insider-Gespräch bringt die Touristikerin Martina Hölzl mehrfach zum Schmunzeln: "Da werde ich ja fast neidisch, Ihr seid hier besser integriert als ich." Bei so viel Leidenschaft für die Region liegt die Frage nahe, ob die Urlauber irgendwann vielleicht ganz da bleiben wollen? "Wir sind so zufrieden, aber ja, ich könnt's mir schon vorstellen", nickt Yvonne, "mal sehen, was kommt".

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