07.05.2021 - 14:04 Uhr
AltendorfOberpfalz

Nach Randale im Altendorfer Dorfladen Angriff auf Polizisten

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Noch am Tag danach merkt man Verkäuferin Bettina Müller den Schreck an. Blutspritzer, Verwüstungen: Der Dorfladen sieht aus wie nach einem Verbrechen. Und sie mittendrin.

Der verletzte und alkoholisierte Mann trug im Dorfladen von Altendorf einen Kasten Bier nach vorne und ließ ihn zu Boden krachen. Einige Flaschen gingen zu Bruch.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Das beschauliche Altendorf (Landkreis Schwandorf) mit seinen knapp 1000 Einwohnern hatte Donnerstag Abend kein anderes Gesprächsthema mehr. Denn die Vorfälle im Dorfladen und unweit der Kirche haben sich rasend schnell herumgesprochen. „Ich habe viele Anrufe bekommen und WhattsApp und alle wollten wissen, was los war und wie es mir geht,“ berichtete die Mittfünfzigerin den Oberpfalz-Medien.

Was war los gewesen? Bettina Müller, die seit der Eröffnung des Dorfladens am Kirchsteig vor sieben Jahren dort beschäftigt ist, hat am Donnerstag wie immer gegen 16 Uhr das Geschäft aufgesperrt. „Ich habe eine Kundin an der Wursttheke bedient, als ein Mann hereinkam.“ Zwei Dinge an ihm waren besonders auffällig: Er blutete an einer Hand stark und trug in der anderen einen Benzinkanister.

„Habe kein Geld, aber Benzin“

Sofort fragte die Verkäuferin den Unbekannten, ob sie ihm wegen seiner Verletzung helfen könne. Doch der Mann lehnte barsch ab. „Sinngemäß sagte er, dass er Bier brauche und kein Geld habe, aber Benzin.“ Dabei hielt er immer wieder den Kanister hoch. Und er kramte aus einer Tasche zwei leere Bierdosen hervor, die er auf die Verkaufstheke stellte. „Dabei lief das Blut von der Theke herunter.“

Bettina Müller schickte den furchteinflößenden Kunden geistesgegenwärtig nach hinten in den Laden, wo es das Bier gibt. Von dort kam er mit einem Kasten wieder nach vorne. „Er wollte sich daraus ein paar Flaschen einstecken,“ beobachtete Müller. Der restliche Kasten war ihm wohl zu schwer und sperrig zum Mitnehmen. So schleuderte er ihn fast zwei Meter durch das Geschäft, wobei einige Bierflaschen zu Bruch gingen. Danach verließ der rabiate Eindringling den Laden, den er bis dahin an vielen Stellen vollgeblutet hatte. Wie sich später herausstellte, handelte es sich bei ihm um einen 56-Jährigen aus dem Landkreis Schwandorf, der alkoholisiert war.

Verfolgung mit dem Auto

Dorfladen-Geschäftsführer Georg Köppl und seine Frau Ida, die von der Verkäuferin angerufen wurden, waren gleich zur Stelle und verfolgten den Flüchtenden in Richtung Zangenstein mit dem Auto. „Es war eine bedrohliche Situation,“ fasste Köppl später die Lage im Geschäft zusammen.

Ein anderer Nachbar, ebenfalls vor Ort, alarmierte mit Müllers Telefon die Polizei. „Ich konnte das nicht mehr, mir zitterten die Hände,“ gestand sie. Der Nachbar hatte vorher ebenfalls Bekanntschaft mit dem Flüchtenden gemacht. Der war ihm nämlich aus dem Laden entgegen gekommen und hatte ihn mit einer Bierflasche bedroht.

Wie sich zeigte, hatte der Unbekannte vor seinem brachialen Auftritt im Dorfladen bereits im Ort gewütet, indem er im angrenzenden alten Pfarrhaus dort abgestellte leere Opferlichter auf dem Boden verstreut und das Glas eines Vereinskastens eingeschlagen hat. Dabei hat er sich vermutlich auch die blutende Handwunde zugezogen.

Polizei mit Benzin bespritzt

Etwa eineinhalb Kilometer vom Tatort entfernt sah Georg Köppl schließlich auf der Staatsstraße zwischen Altendorf und Zangenstein einen Mann, der mit einem Benzinkanister unterwegs war. Diese Information gab er an die Polizei weiter, die bereits zum Tatort unterwegs war und daraufhin weitere Einsatzfahrzeuge alarmierte. Wenige Minuten später konnten die Beamten den Mann auf einem Feld nahe der Staatsstraße dingfest machen. Unweit des Festnahme-Ortes hatte er vorher eine Bank aus der Verankerung gerissen und demoliert.

Wie die Polizei später mitteilte, leistete der Mann bei der Festnahme Widerstand und griff die eingesetzten Polizeibeamten der Polizeiinspektion Neunburg vorm Wald an. Dabei schüttete der 56-Jährige das mitgeführte Benzin in Richtung der Uniformierten, die davon auch getroffen wurden. Die Beamten reagierten sofort und konnten den Mann festnehmen, um ähnliche Angriffe zu unterbinden. Dabei wurde der Angreifer leicht verletzt. Weitere Personen, so hieß es, kamen bei dem Einsatz nicht zu Schaden.

Auch ein Notarzt und ein Rettungswagen wurde angefordert. Die Kriminalpolizei sicherte am Tatort Spuren, nahm auch Erdreich mit verschüttetem Benzin mit. Der 56-Jährige, der sich in einer psychischen Ausnahmesituation befand, wurde in ein Bezirksklinikum eingewiesen. Die weitere Sachbearbeitung übernahm die Kriminalpolizeiinspektion Amberg. Die Staatsanwaltschaft Amberg stellte Haftantrag gegen den Angreifer. Der Mann wurde am Freitag beim zuständigen Ermittlungsrichter vorgeführt.

Corona-Partys melden: Kein Denunziantentum

Sulzbach-Rosenberg

Weitere Polizeimeldungen aus der Region

Der Dorfladen von Altendorf war am Donnerstag Ort einer bedrohlichen Situation für eine anwesende Kundin und die Verkäuferin.
Vermutlich der gleiche Täter wie im Dorfladen hat zwischen Kirche und Haus der Pfarrgemeinde einen Schaukasten eingeschlagen und sich dabei an der Hand verletzt.

"Es war eine bedrohliche Situation"

Georg Köppl, Geschäftsführer des Dorfladens

Georg Köppl, Geschäftsführer des Dorfladens

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.