08.09.2020 - 15:14 Uhr
AltendorfOberpfalz

Kreis Schwandorf: Mathildas erster Schultag

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Bücher, Hefte, Federmäppchen und eine große Schultüte mit Naschereien. Im Kreis Schwandorf sind am Dienstag 1220 Kinder eingeschult worden. Für Mathilda aus Altendorf war es ein mächtig aufregender Tag. Oberpfalz-Medien hat sie begleitet.

Mathilda hat ihn hinter sich: den ersten Schultag. Zuhause hält sie die Neugier nicht mehr aus und stürzt sich auf ihre rosa Reh-Schultüte.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Über den Häusern hängen noch leichte Nebelschwaden. Die Sonne wirft ihre ersten Strahlen auf die menschenleere Straße. In den Gassen des Dorfs hängt noch der Schlaf. Dennoch ist heute ein besonderer Tag. Im Innenhof des grau-braunen Hauses mit den hölzernen Fensterläden und dem Efeu an der Fassade sitzt die sechsjährige Mathilda. Vor ihr liegt die grau- und rosafarbene Schultüte mit dem Reh vorne drauf, die sie zusammen mit ihrer Mama Tanja noch im Kindergarten gebastelt hat. Die Zeiten sind vorbei. Mathilda ist eines von 1220 Kindern, die heute im Kreis Schwandorf in die Schule kommen.

"Ich bin heute schon sehr früh aufgestanden", sagt die Sechsjährige mit einem breiten Grinsen. Ihre Zahnlücke lugt hervor. Vier Milchzähne hat sie schon verloren, sagt sie, ein fünfter wackelt aber schon.

Große Kinder tragen Maske

Neben ihr steht ihre kleine Schwester Maja. Beide haben sich extra für den ersten Schultag schick gemacht und tragen das gleiche rosa-schwarze Kleid. Mathilda streichelt ihr behutsam über den Kopf. Maja ist zwar noch ein Kindergartenkind, sie bekommt aber auch eine kleine Schultüte. "Das ist, damit sie nicht traurig ist und nicht weint, weil sie nichts bekommt", erklärt Mathilda.

Mathilda setzt ihre Maske auf. Die passt zur Schultüte, hat auch ein Reh vorne drauf. Als Mama Tanja aus dem Haus kommt, sagt sie zu ihrer, Tochter, dass sie ja die Maske noch mal absetzen kann. Das will Mathilda aber nicht. Sie weiß, dass Schulkinder eine Maske tragen müssen.

Kaba und jede Menge Aufregung

Mathilda ist nicht alleine. Viele ihrer Kindergarten-Freundinnen werden zusammen mit ihr eingeschult.Sehr gespannt ist sie aber trotzdem. "Zum Frühstück hat sie heute nur einen Kaba getrunken. Essen ging wegen der Aufregung nicht", sagt Mama Tanja. Sie selbst kann die Anspannung auch nicht verbergen. "Wir haben fünf Kinder. Trotzdem ist man jedes Mal aufgeregt und fiebert mit, wenn eines in die Schule kommt", sagt sie.

Jetzt kommt auch Papa Wolfgang aus dem Haus, die Familie macht sich fertig, um aufzubrechen. Tanja hebt Mathilda die Schultasche, auf der auch Rehe sind, auf den Rücken. Bei den Riemen will sich Mathilda nicht helfen lassen. "Das kann ich selber, Mama. Ich bin schon groß", sagt sie.

Die Schultüte wirkt, als wäre sie größer als Mathilda selbst. Das stört das Mädchen aber nicht. Papa darf sie nicht tragen, Mathilda macht das selbst. Unterwegs fallen ihr ein paar Süßigkeiten aus der Tüte. "Mama, mach die wieder rein, ich will noch nicht sehen, was drin ist", sagt die Sechsjährige hektisch zu ihrer Mutter. Denn für sie ist klar: Die Schultüte ist für später, nämlich dann wenn die Schule aus ist und sie wieder daheim ist.

Kommentar von Jürgen Herda: Schule ist Gemeinschaftsaufgabe

Bayern

Süßigkeiten und Hausaufgabe

Es ist 11 Uhr vormittags. Mathilda hat die Begrüßung, den Gottesdienst und die erste Stunde im Klassenzimmer hinter sich. Nun ist es so weit. Die Spannung ist ihr förmlich ins Gesicht geschrieben. Oma und Opa haben eine Girlande zur Begrüßung der frischgebackenen Schülerin aufgehängt. Das Papier raschelt, als Mathilda die Schleife ihrer Schultüte löst.

Vorsichtig guckt sie hinein, die ersten Schokobons kullern aus der Tüte. Spielsachen sind natürlich auch mit drin. Weil die Sechsjährige jetzt aber genau wissen will, was sich sonst noch so alles in der Tüte versteckt, steckt sie ihren Kopf hinein. Für einen kurzen Augenblick wirkt es so, als würde sie ganz darin verschwinden. Sie zieht einen Wecker heraus. "Den habe ich mir gewünscht, damit ich immer pünktlich aufstehen kann", sagt sie.

Mathilda ist im Schulleben angekommen. Bei all den Süßigkeiten, die sie bekommen hat, hat sie schon eine Hausaufgabe auf - die erste von vielen, die da noch kommen werden.

Mathilda (vorne) mit ihrer Mama Tanja, Papa Wolfgang und Schwester Maja auf ihrem ersten Schulweg.
Kommentar:

Mehr Anerkennung für die, die es möglich machen

Die Sorgen der Eltern, wie der Schulalltag nur werden soll, wenn die Kinder selbst im Klassenzimmer eine Maske tragen müssen und sie erst am Platz absetzen dürfen, ist nachvollziehbar. Das verlangt schon von den ganz Kleinen viel Disziplin.
Allerdings wird dabei viel zu oft vergessen, wer dafür Sorge trägt, damit die Schule so stattfinden kann, wie sie es momentan tut: die Lehrer und Schulleiter. Seit Wochen bereiten sie sich darauf vor, dass zum Jahresbeginn im Klassenzimmer alles passt, dass die Abstände stimmen, dass es nichts gibt, was den Hygienevorschriften widerspricht.
Das ist nun wirklich kein Pappenstiel. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Selbst Erwachsene tun sich manchmal schwer, sich an Regeln zu halten. Umso größer ist die Herausforderung für die Grundschullehrer und ihre Schulleiter. Sie müssen den Spagat schaffen zwischen der Pflicht, alle Vorgaben bis ins Detail umzusetzen und der Notwendigkeit, die Kinder weiter Kinder sein zu lassen.
Ohne die Arbeite der Pädagogen wäre es wohl kaum möglich gewesen, den Präsenzunterricht in dem Umfang, wie er seit Dienstag wieder stattfindet, überhaupt zu gewährleisten.
Daher sollten wir nicht vergessen, auch den Lehrern ab und zu unseren Dank auszusprechen. Denn sie haben es verdient.

Wolfgang Ruppert

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