20.06.2017 - 18:32 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Extreme Waldbrandgefahr bringt Veranstalter von Johannisfeuern in Bredouille: Sogar für Feuerwehr zu brenzlig

Wegen des anhaltend heißen und trockenen Wetters ist die Waldbrandgefahr besonders hoch. Im Landkreis Neustadt und in Weiden ist die vierthöchste Warnstufe erreicht. Das hat am Wochenende auch Auswirkungen auf die Johannisfeuer.

So manches Johannisfeuer steht wegen der akuten Waldbrandgefahr auf der Kippe. Archivbild: es
von Martin Staffe Kontakt Profil

Neustadt/Weiden. "Der Boden ist extremst trocken", warnt Gerhard Hösl, Bereichsleiter Forsten und stellvertretender Leiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weiden. Ein kleiner Funke genüge, um im Wald und auf Wiesen einen Brand zu entfachen. Die Flammen könnten sich in den staubtrockenen Wäldern schnell ausbreiten. Was passieren kann, habe aktuell das Inferno in Portugal gezeigt.

Höchste Gefahr

Seit Dienstagfrüh gilt in der Region die vierte Warnstufe, für den Landkreis wird für heute sogar die Stufe fünf und damit höchste Waldbrandgefahr prognostiziert. Die Regierung der Oberpfalz hat Beobachtungsflüge von Latsch aus angeordnet. Offene Feuer im Wald sind verboten. Hösl verweist auf das Bayerische Waldgesetz. Demnach bedürfe es einer Erlaubnis, wer in einem Wald oder in einer Entfernung von weniger als 100 Metern ein Feuer machen wolle. Bei Waldbrandstufe vier oder fünf werde das Feuermachen in Waldnähe unter 100 Metern grundsätzlich nicht erlaubt. Das gelte auch für die Johannisfeuer.

Damit kommen die Veranstalter von landauf, landab anberaumten Johannisfeiern am Wochenende in die Bredouille. Einigen wird es im wahrsten Sinne des Wortes zu brenzlig. So hat am Dienstag die Feuerwehr Altenhammer ihr Fest am Freitagabend auf "Prausbeerberg", in Waldnähe, abgesagt. "Das ist uns bei der extremen Wetterlage viel zu heikel", meint Kommandant Rüdiger Hettler. Der Holzhaufen sei zwar schon aufgeschichtet und müsse beseitigt werden. Aber das erledige die Feuerwehr dann im Herbst im Zuge einer größeren Übung.

Ob wenigstens das andere Johannisfeuer in Flossenbürg , das der OWV am Samstag am Fuße der mächtigen Burgruine abbrennen möchte, über die Bühne gehen kann, hängt vom Wetter ab. Da es sich hier um ein Naturschutzgebiet handelt, muss das Landwirtschaftsamt dafür eine Genehmigung erteilen. Das ist zwar geschehen, allerdings gilt diese nicht bei einer Waldbrandgefahr der Stufen vier und fünf. Da hilft es auch nicht, dass die Feuerwehr vorsorglich eine lange Schlauchleitung legt, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Aktuell geht der Deutsche Wetterdienst aber am Samstag von Stufe drei aus. Er rechnet wohl mit Regen.

Während es auch in anderen Kommunen Überlegungen gibt, Johannisfeiern abzusagen, sieht Weiden keinen Handlungsbedarf. Laut Stadtbrandrat Richard Schieder liegen die Standorte weit vom Wald entfernt. Außerdem sei der Laubwald nicht so gefährdet wie die Nadelbäume im Landkreis. In Neuhaus hat die Wehr die Fronleichnams-Birken heuer nicht eingesammelt. Da sie das Feuer auf dem Gelände der Firma Sperber abbrennt, ist ihr der Funkenflug zu riskant. Es wird nur Holz geschürt.

Sicherheitswache nötig

Kreisbrandrat Richard Meier verweist darauf, dass wegen der außerordentlichen Trockenheit bei den Veranstaltungen die Feuerwehren mit einer Sicherheitswache präsent sein sollten. Er spricht von sechs bis neun Mann und einem Löschfahrzeug mit Wasser. Beim Johannisfeuer zum Beispiel am Rastenhofer Weg in Neustadt/Störnstein am Freitag übernehme das wie immer die Feuerwehr Lanz.

Das Landratsamt kennt für das Abbrennen der Johannisfeuer keine besonderen Auflagen. Nach Angaben der Pressesprecherin Claudia Prößl ist es in den vergangenen Jahren nie zu einem Übergreifen auf den Wald oder Ortschaften gekommen, da stets ausreichende Abstandsflächen eingehalten worden seien. Wichtig sei, dass die Johannisfeuer bei der Integrierten Leitstelle (ILS) angemeldet werden.

Johannisfeuer anmelden

Sämtliche Johannisfeuer, die in den nächsten Tagen abgebrannt werden, müssen bei der Integrierten Leitstelle (ILS) Nordoberpfalz gemeldet sein. Aus gutem Grund: Im vergangenen Jahr haben allein in Flossenbürg mehr als 20 besorgte Anwohner bei der ILS angerufen. Starker Wind hatte Rauch und Qualm in den Ort geblasen. Die Leute vermuteten einen Brand. Zum Glück wussten die Disponenten von dem Johannisfeuer, erkundigten sich telefonisch bei einem vorab festgelegten Ansprechpartner vor Ort, ob alles in Ordnung ist und konnten so einen teuren Einsatz von Feuerwehr und Rettungsdienst vermeiden.

Bis Dienstag waren erst 17 Johannisfeuer für Weiden sowie die Kreise Neustadt und Tirschenreuth bei der ILS angekündigt. Erfahrungsgemäß, so berichtet ILS-Pressesprecher Jürgen Meyer, sind es aber tatsächlich dreimal so viel. Veranstalter sollten daher über ihre Gemeinden die Sonnwendfeiern anzeigen. Sonst kann es teuer werden.

 

 

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