26.12.2017 - 20:00 Uhr
NabburgOberpfalz

Thomas Scheuerer zieht einen bewusstlosen Mann aus dem Schwimmerbecken: Servus, Lebensretter: "Das ist ein schönes Gefühl"

Er liefert Tiefkühlware aus. Wenn es der Dienstplan zulässt, geht der Fahrer nach seiner Tour im Freizeitzentrum Perschen schwimmen. Thomas Scheuerer zieht auch Mittwoch, 23. August, gegen 17 Uhr seine Bahnen. Plötzlich ist der Mann vor ihm nicht mehr da. Eine dramatische Rettungsaktion beginnt.

Thomas Scheuerer handelte spontan und rettete im Freizeitzentrum Perschen einem 68-jährigen Mann das Leben. Bild: Völkl
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Der 55-jährige Kümmersbrucker betreut die Tour im Süden: Nittenau, Bruck bis Wenzenbach. Wenn er am Abend den Lieferwagen bei der Nabburger Niederlassung abstellt und noch Zeit ist, geht er ins Perschener Freibad.

Der 23. August ist ein sonniger Tag. Scheuerer taucht ins Olympiabecken ein. 1000 Meter müssen es schon sein. Brust und Kraul, wie immer. Als er die letzten Meter Brust schwimmt, sind einige Schwimmer vor ihm.

"Hilf mir"

Kurz bevor er den Beckenrand erreicht, schießt es ihm durch den Kopf: "Da war doch einer vor mir, der jetzt nicht mehr da ist". Scheuerer schwimmt an den Rand, dreht sich auf die rechte Seite und sieht am Beckenboden eine zusammengekauerte Person. Sucht sie etwas? Nur zwei, drei Sekunden, dann ist für ihn klar: Hier stimmt etwas nicht. Scheuerer taucht auf den Beckengrund, greift an den Fuß des Mannes. Keine Reaktion. Fünf Meter neben ihm schwimmt der Nabburger Lukas Eckl. "Hilf mir, da liegt einer unten", ruft Scheuerer ihm zu. Der 26-Jährige reagiert sofort. Scheuerer wurde bei der Bundeswehr im Rettungsschwimmen ausgebildet, Eckl hat das Abzeichen in Bronze. Beide tauchen, ziehen den Mann hoch. "Er hat die Beine, ich die Arme genommen", erinnert sich Eckl. Ein dritter Helfer packt noch mit an, um den Bewusstlosen aus dem Becken zu ziehen.

Erfolgreiche Reanimation

Eckl rennt nach vorne zum Hauptgebäude, wo Bademeister Hubert Horn sofort den Notruf absetzt und mit Defi-Rucksack zum Schwimmerbecken läuft. Hier hat bereits Rettungschwimmerin Miriam Zeitler, unterstützt von zwei Helfern - eine davon eine Krankenschwester aus dem Stuttgarter Raum - mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen. Hubert Horn unterstützt das Team, dann kommt der Defi zum Einsatz.

Mit Erfolg. Der 68-Jährige beginnt zu atmen. Inzwischen treffen der Pfreimder "Helfer vor Ort", der Nabburger Rettungswagen ein, landet der Hubschrauber. Der Man wird ins Klinikum Amberg gebracht.

Während die Helfer den Mann wiederbeleben, fährt Thomas Scheuerer nach Hause. "Er war in guten Händen, für mich gab es nichts mehr zu tun". Im der Gaststätte hat er den Vorfall einer Bedienung erzählt, "falls Rückfragen wären." Die ganze Nacht ging ihm die Rettungsaktion durch den Kopf. "Hat er überlebt? Und falls er gestorben ist - habe ich alles richtig gemacht? Das ist ein seltsames Gefühl, obwohl man ja weiß, dass der Einsatz richtig war. Falsch ist nur, nichts zu machen."

"Servus Lebensretter"

Als er am nächsten Tag in der Gaststätte mit "Servus Lebensretter" begrüßt wird, weiß er, dass der Mann überlebt hat. Er, Lukas Eckl und Hubert Horn sind beeindruckt, wie professionell die Rettung ablief. "Alle haben Hand in Hand gearbeitet".

Möglich gemacht hat es Thomas Scheuerer. Er glaubt, dass er manchmal aufmerksamer ist, mehr sieht als andere, intuitiver reagiert. Das sei ihm schon in seinem früheren Berufsfeld bei der All Italia und Delta Airlines in den Bereichen Flugzeugwartung und Sicherheitsdienst zugute gekommen. Jetzt hat diese Eigenschaft ein Menschenleben gerettet. Für Scheuerer "ein gutes, ein schönes Gefühl".

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