21.06.2017 - 18:32 Uhr
Oberpfalz

Wegen der extremen Waldbrandgefahr: "Jetzt kein Feuer schüren"

Wenn er es könnte, dann würde Fredi Weiß derzeit alle Johannisfeuer verbieten. "Zu gefährlich", sagt der Kreisbrandrat angesichts der extremen Waldbrand-Gefahr. Die Entscheidung aber ist Sache der jeweiligen Gemeinde.

Die Waldbrandgefahr ist momentan besonders groß in der Region. Für die Feuerwehr - hier ein Archivbild der Schnaittenbacher bei einem Waldbrand im Mai 2011 bei Sitzambuch - sind solche Einsätze nicht ohne. Bild: ads
von Heike Unger Kontakt Profil

Amberg-Sulzbach. Einige haben die Sonnwendfeuer inzwischen abgesagt. Die Bilder von den verheerenden Waldbränden in Portugal liefern gute Gründe dafür. Auch wenn die Region Amberg-Sulzbach klimatisch und auch feuerwehrtechnisch besser aufgestellt sei, sei doch auch hier die Waldbrandgefahr derzeit sehr groß. Ein Vorteil im Fall der Fälle: "Wir haben bei uns fast in jedem Dorf die Ausrüstung, dass wir Brände in den Griff kriegen." Allerdings, so schränkt Weiß ein, "wenn ein Waldbrand eine gewisse Größe erreicht hat, dann kannst du nichts mehr ausrichten".

Damals bei Holzhammer

Glücklicherweise seien solche Katastrophen hierzulande selten. Der letzte große Waldbrand, der Weiß einfällt, war 1976 bei Holzhammer. Damals in einer ähnlichen Hitzephase und wohl ausgelöst durch eine Zigarettenkippe.

"Die Ursache ist eigentlich immer der Mensch", sagt Weiß - und meint damit die unachtsam weggeworfene Glasflasche im Wald, die an Sonnentagen zum Brennglas werden könne. Oder die Zigarette. Obwohl "Rauchen im Wald generell verboten ist". Das Gesetz schreibe auch vor, mit offenem Feuer mindestens 100 Meter Abstand vom Wald zu halten. Dies beziehe sich aber "auf den Normalfall" - und den habe man sowohl mit der derzeitigen Hitze als auch bei der stattlichen Größe mancher Johannisfeuer nicht. "Wir reden da von Extremen", die eben auch extreme Vorsicht erforderten.

Ein Veto-Recht beim Thema Johannisfeuer hat Fredi Weiß auch als oberster Feuerwehr-Chef im Landkreis nicht. Aber viele Gemeinden und Veranstalter melden sich momentan wegen dieses Themas trotzdem bei ihm. "Wenn ich gefragt werde, sage ich: Wir können jetzt kein Feuer schüren."

Die Hitzewelle der vergangenen Tage, die auch noch weiter anhalten soll, habe die Natur völlig ausgetrocknet. Die Waldbrandgefahr habe damit auch im Raum Amberg-Sulzbach die Höchststufe 5 erreicht. Das, sagt Weiß' Stellvertreter, Kreisbrandinspektor Hubert Blödt, sei im Landkreis schon ungewöhnlich. Vor allem aber sei es im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlich.

Der Blick aus der Luft

Blödt weiß das aus der Praxis: Er ist seit einigen Tagen regelmäßig im Flugzeug als Luftbeobachter in der Region unterwegs. Und hat auch schon etwas zu sehen bekommen. Einen Brand am Bahndamm nahe Wackersdorf zum Beispiel. Oder Rauchentwicklung im Wald bei Freudenberg, die sich letztlich aber als harmlos entpuppt habe.

Seinen Kollegen im Gemeinderat hat Blödt, der auch 3. Bürgermeister von Kümmersbruck ist, empfohlen, diesmal auf die Johannisfeuer in der Gemeinde und im Ortsteil Theuern zu verzichten. Was diese dann auch getan hätten.

Johannisfeuer

Fürs Wochenende sind in der Region etliche Johannisfeuer geplant. Einige davon wurden wegen der großen Waldbrandgefahr abgesagt, andere finden wie gewohnt oder auch als Feier ohne Feuer statt. Letztere gibt es beispielsweise in Kürmreuth und Ehenfeld. Abgesagt wurden unter anderem die Johannisfeuer in Kümmersbruck, Theuern, Lintach, Hirschau, Freudenberg und auch in Freihung.

Ob Feuer entzündet werden, hat auch damit zu tun, wo der jeweilige Festplatz liegt. "Verantwortlich ist der Veranstalter", betont Kreisbrandinspektor Hubert Blödt. Kreisbrandrat Fredi Weiß mahnt zur Vorsicht - mit einem Gedanken zu möglichen Folgen. Würden Menschen verletzt oder gehe es um Schadensersatz, sei fraglich, welche Versicherung dafür geradestehe.

In Zeiten akuter Waldbrandgefahr mit "Warnungen von allen Seiten" gehe es nämlich auf jeden Fall "mindestens um grobe Fahrlässigkeit". (eik)

Im Wald gibt's keine Hydranten

Wenn es im Wald brennt, dann steht die Feuerwehr vor Problemen, die sie andernorts nicht hat. Oft ist es schwierig, überhaupt einen Weg zum Feuer zu finden. Oder mit den großen Fahrzeugen durchzukommen. "Wir haben da draußen kein Löschwasser", nennt Kreisbrandrat Fredi Weiß ein weiteres Problem: Im Wald gibt es keine Hydranten.

Die Retter haben zum Löschen also nur das, was sie im Fahrzeug dabei haben - oder heranschaffen können, im Pendelverkehr mit mehreren Tanklöschfahrzeugen. Oder die Wehr muss eine sehr lange Schlauchstrecke legen. Das ist laut Weiß je nach Gelände und Gefälle nicht ganz ohne, weil dann Zwischenpumpen nötig sind. Bei uns kaum, sondern eher in den Bergen üblich sei eine dritte Variante: Löschwasser per Hubschrauber heranschaffen.

Lange Schlauchstrecken zu legen, gehört zum Ausbildungsprogramm der Feuerwehren - nicht nur für Waldbrände. Auch wenn für Letztere nicht speziell geübt werde, machten sich Kommandanten Gedanken darüber, erklärt Weiß: Sie fahren beispielsweise Weiher in ihrem Schutzbereich ab, um zu wissen, wo sie im Ernstfall Wasser entnehmen können. Gut möglich aber, dass sogenannte "Himmelsweiher", die nur durch Regen Zulauf haben, nicht mehr genug Wasser führen oder sogar ganz trocken sind, wenn es darauf ankommt.

In Zeiten großer Waldbrandgefahr greifen die Feuerwehren auch auf ungewöhnliche Verstärkung zurück: Viele Landwirte haben ihre Güllefässer gereinigt und teilweise auch schon mit Wasser gefüllt, um die Retter im Notfall unterstützen zu können. Das geht laut Weiß teilweise sogar so weit, dass spezielle Übergangsstücke besorgt werden, damit die Schläuche direkt ans Güllefass angeschlossen werden können.

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