10.02.2004 - 00:00 Uhr
DieterskirchenOberpfalz

Hufeisen als künstliches Schutzmittel - Josef Forster mit der "Schmiede auf Rädern" unterwegs: Neue Winterschuhe für "Fritz"

Der Schnee knirscht unter den Hufen, als "Fritz" in den Hof geführt wird. Heute ist "Pediküre" besonderer Art angesagt und dazu gibt es noch neues "Schuhwerk". Hufschmied Josef Forster aus Stegen bei Dieterskirchen ist auch im Winter mit seiner mobilen Schmiede unterwegs.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

Mit dem blauen Bus fährt er das ganze Jahr über von Hof zu Hof. Zum "Winterbeschlag" ist auch in den kalten Monaten die Nachfrage groß. Trotz Minustemperaturen hat Josef Forster seine Kniebundhose an. Schweißtreibende Arbeit wartet. Er zieht sich die Lederschürze über und los geht's.

Amboss und Hammer

Ob Amboss, Schneidewerkzeuge, Raspel oder Hammer - alles was er zum Hufbeschlag braucht, hat Forster in seiner mobilen Schmiede dabei. Lediglich einen Eimer Wasser zum Abkühlen des Eisens lässt er sich bringen. "Ein Hufschmied hat wie ein Arzt mit einem lebenden Stoff zu arbeiten. Er kann nicht wie in anderen Handwerksberufen einer toten Materie nach einem festgelegten Schema zu Leibe rücken", sagt Josef Forster.

"Individueller Hufbeschlag" lautet das Zauberwort, da kein Huf in Form, Wachstum und Beschaffenheit dem anderen gleicht. Beim Beschlag sind auch die Gliedmaßenstellung, der gesamte Körperbau, Größe, Alter und Gebrauchszweck des Pferdes sowie die Bodenbeschaffenheit zu berücksichtigen. Neben den handwerklichen Fähigkeiten muss sich ein Hufschmied mit der Anatomie und Physiologie rund um Huf und Pferdezehe auskennen und deren sachgemäße Pflege beherrschen.

Um Klauenkrankheiten entgegen wirken zu können, gehören auch Kenntnisse in der Pathologie (Lehre von den Krankheiten) und Orthopädie (Lehre von der Behandlung von Bewegungs- und Stellungsfehlern) dazu. "Nicht der Huf, sondern das Pferd wird beschlagen", betont Forster und kratzt, feilt und schleift. Das Süddeutsche Kaltblut "Fritz" bekommt heute neue "Eisen". Ein kräftezehrender Job, denn der Patient wiegt immerhin rund 18 Zentner (900 Kilogramm). Da ist Forster schon froh, dass es sich diesmal um einen geduldigen Vierbeiner handelt, der die Behandlung ruhig über sich ergehen lässt.

Zischende Dampfwolke

Als er das heiße Eisen anpasst, steigt eine zischende, übel riechende Dampfwolke auf. Die "neuen Schuhe" werden noch mal kurz auf dem Amboss nachgeklopft und schließlich angenagelt. "Wenn junge Frauen dann vor Mitleid mit dem Tier zerfließen, könnt ich schon narrisch wern", sagt Forster und hat auch mal ein paar derbe Sprüche auf Lager.

"Das Hufeisen ist ein künstliches Schutzmittel", betont der Schmied. Die Natur hat dem Pferd mit dem Huf ein zweckvolles Schutzorgan als harte und doch elastische Hornkapsel verliehen. Doch anders als beim Wildpferd wird beim Hauspferd das Horn durch die Straßenbeläge schneller abgerieben als natürlich ergänzt. Es kann zum Durchlaufen oder Zerfasern und damit zu Lahmheit kommen.

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