"Vorsicht Abzocke": Weidener E-Bike-Händler als Betrüger?

Mehrere Kunden eines E-Bike-Händlers in Weiden erheben schwere Vorwürfe. Sie hätten bis zu 1000 Euro angezahlt, aber nie ein Rad bekommen. Andere beklagen Mängel am Bike. Kabel 1 zeigte einen Beitrag in der Reihe "Vorsicht Abzocke".

Über ein Dutzend Käufer von Elektrofahrrädern fühlen sich von einem Händler geprellt.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Über ein Dutzend Käufer von Elektrofahrrädern fühlen sich von einem Händler in der Bahnhofstraße in Weiden geprellt. In der Mehrheit der Fälle haben sie E-Bikes gekauft, warten aber bis heute vergebens auf ihre Räder. Ihre Anzahlungen von 500 bis 1000 Euro haben sie nach übereinstimmender Auskunft nicht wiedergesehen. Anfang Februar hat ein Käufer bei der Polizeiinspektion Eschenbach gegen den Geschäftsführer (52) Strafanzeige wegen Betrugverdachts erstattet. Am Amtsgericht Weiden sind inzwischen über 10 Zivilklagen anhängig.

Der Händler verkaufte seine Räder - extraleichte Elektrobikes - auch auf einer Messe in München. Aus diesem Grund kommen die geprellten Kunden nicht nur aus der Region, sondern auch aus anderen Teilen Bayerns. Eine Käuferin aus Dingolfing hat schließlich das Fernsehen kontaktiert: "Kabel 1" berichtete am Donnerstag, 18. Februar, um 20.15 Uhr in einer Folge von "Vorsicht Abzocke" über die Vorwürfe der Kunden. Auch bei Oberpfalz-Medien haben sich inzwischen fünf Geschädigte gemeldet.

Fast ein Jahr gewartet

Fall 1: Das Ehepaar aus dem Altlandkreis Eschenbach hatte sich im März 2020 im Ladengeschäft am Bahnhof E-Bikes angesehen und zwei Räder bestellt. Die Käufer leisteten eine Anzahlung von 1000 Euro. Zunächst hieß es, die Räder würden bis Ende Mai zugestellt. "Wegen Corona könnten Teile nicht früher ausgeliefert werden." Die Käufer übten sich in Geduld, fragten immer mal wieder nach.

Sie wurden hingehalten bis August, dann hieß es, jetzt würden die Räder ausgeliefert. Und wieder verstrich der Termin. Den Chef konnten die Ehepartner bis heute nicht sprechen, weder Telefon, noch vor Ort in Weiden. Nach dem Eindruck der Käufer ließ er sich von seinen Mitarbeitern verleugnen. Das Ganze gipfelte in einem Besuch des Paares im Laden. "Wir sagten: Wir wollen unser Geld, sonst gehen wir nicht mehr." Auch das half nicht. Inzwischen versucht ein Rechtsanwalt sein Glück. "Wir rechnen nicht mehr mit einer Rückzahlung, aber wir wollen nicht, dass weitere Kunden auf ihn hereinfallen."

Fall 2: Bei dieser Kundin, ebenfalls aus dem Altlandkreis Eschenbach, ist der Fall etwas anders gelagert. Sie hatte 2018 ein Rad gekauft. Schon bei der ersten Ausfahrt sprang ihr die Kette heraus, als sie die B470 überquerte. "Das ging beinahe dumm aus. Da kam ein Auto." Im Mai 2020 brachen die Speichen. "Das Rad ist regelrecht von der Gabel gerostet." Sie reklamierte, woraufhin das E-Bike vom Händler abgeholt wurde. Seither hat sie gar kein Rad mehr. Sie hat ihre Rechtsschutzversicherung eingeschalten. Sie sagt: "Ich bin zwei Jahre auf einem nicht verkehrssicheren Fahrrad gefahren." Das E-Bike verfüge auch nicht über die erforderliche CE-Plakette.

"Er ließ sich verleugnen"

Fall 3: Dieses Ehepaar aus Weiden bestellte im November 2019 zwei E-Bikes im Geschäft. "Der Händler hat uns das sehr gut erklärt." Kostenpunkt für die zwei Räder: rund 4000 Euro. Man vereinbarte 900 Euro Sofortzahlung und eine zweijährige Finanzierung in Monatsraten. Innerhalb von drei Wochen sollten die Fahrräder geliefert werden. Es wurde Advent, dann Weihnachten. Keine Räder. "Wir hatten Geduld bis Februar, dann wurde schon die zweite Rate der Finanzierung abgezogen."

Auch in diesem Fall entstand der Eindruck, dass sich der Geschäftsführer verleugnen ließ. "Da wurde immer der junge Mann aus der Werkstatt vorgeschickt." Das Ehepaar klagte mit einem Rechtsanwalt am Amtsgericht die Auflösung des Vertrags ein. Mit Erfolg: Der Geschäftsführer wurde im Juni 2020 zur Rückzahlung von 1164 Euro (plus Zinsen) verurteilt. Problem nur: Bis heute hat er nicht gezahlt. Nächster Schritt ist das Einschalten eines Gerichtsvollziehers.

Anzeige wegen Online-Bewertung

Ein Rechercheteam hat für "Kabel 1" noch weitere ähnlich gelagerte Fälle recherchiert. Vor der Kamera habe sich der Geschäftsführer nicht äußern wollen. In seinen E-Mail-Antworten widerspreche er sich stellenweise selbst.

Gegenüber Oberpfalz-Medien bestritt der 52-Jährige am Donnerstag, dass Kunden trotz einer Anzahlung keine Ware bekommen hätten. "Das trifft nicht zu." Und weiter: "Generell ist es ja so, dass auch, wenn jemand beispielsweise einen Pkw kauft, das Fahrzeug nicht sofort mitgenommen werden kann, sofern eine Lieferzeit hat, die von Wochen bis Monaten reichen kann."

TV-Team kam "überfallartig"

Das Fernsehteam von "Kabel 1" sei "überfallartig" in seinem Ladengeschäft aufgetaucht, er selbst habe sich zu diesem Zeitpunkt nicht vor Ort befunden. Das Format hält er für "reißerisch": "Ich bin mir nicht sicher, ob die Sachverhalte objektiv wiedergegeben werden."

Der Fahrradhändler hat vor kurzem seinerseits Strafanzeige wegen übler Nachrede erstattet. Hintergrund war eine schlechte Bewertung - eine von vielen - im Internet. Er bietet nach wie vor online E-Bikes zum Verkauf an: "Gerne können Sie auch während der aktuellen Lockdownphase unsere sportlichen und leichten E-Bikes bei uns im Online-Shop bestellen; ein kostenloser Lieferservice ist inklusive."

Opfer eines Betrügers ist 2020 ein Ehepaar aus Weiden geworden

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Über 10 Zivilklagen

Amtsgerichtsdirektor Rainer Lehner bestätigt auf Anfrage von Oberpfalz-Medien, dass am Amtsgericht Weiden über zehn Klagen gegen den Fahrradhändler vom Weidener Bahnhof eingereicht wurden. Einige Verfahren laufen noch.

In einem Versäumnisurteil vom Juni 2020 – der Beklagte war nicht gekommen, auch kein Anwalt – war der Geschäftsführer verurteilt worden. Er sollte die Anzahlung für nicht gelieferte Räder von 1160 Euro (inklusive Zinsen) zurückzahlen. Das hat er bis heute nach Auskunft der Kunden nicht gemacht. Ein nächster denkbarer Schritt wäre nach Auskunft von Lehner die Zwangsvollstreckung.

 

 

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