Triebgesteuert: Polizist (48) verliert Beamtenstatus

Ein Polizist stand am Dienstag vor der Berufungskammer Weidener. Seine Hoffnung auf eine mildere Strafe erfüllte sich nicht. Der 48-Jährige wird nach einer sexuellen Entgleisung bei einer Kontrolle aus dem Dienst entlassen.

Eine Polizeikontrolle war Ausgangspunkt der Gerichtsverhandlung vom Dienstag.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

(ca) Es bleibt dabei: Ein Polizist aus dem Landkreis Neustadt/WN wird mit einem Jahr und drei Monaten Haft auf Bewährung bestraft. Er hatte bei einer Kontrolle einer jungen Autofahrerin das Kleid hochziehen lassen; dann dürfe sie weiterfahren. Der Beamte (48) hatte Berufung eingelegt, um mit einer Strafe von unter einem Jahr im Dienst bleiben zu können. Daraus wurde nichts.

Der Angeklagte zog die Berufung am Dienstag in der Berufungsverhandlung am Landgericht Weiden zurück. Hintergrund: Vorsitzender Richter Reinhold Ströhle wies darauf hin, dass für die zweite Strafkammer auch der Strafvollzug denkbar sei - also keine Bewährung. "Diese Gefahr will ich in den Raum stellen." Laut Strafgesetzbuch müsse eine Strafe vollstreckt werden, wenn dies zur Verteidigung der Rechtsordnung erforderlich ist. Die Ausführung dieser Vorschrift sei in diesem Fall denkbar.

Das erstinstanzliche Urteil war im Februar 2020 am Schöffengericht ergangen: ein Jahr und drei Monate wegen Bestechlichkeit und versuchter Strafvereitelung im Amt. Der Angeklagte gestand die Taten, die er im Ermittlungsverfahren noch bestritten hatte. Im Mai 2019 habe er mit einem Kollegen eine tschechische Autofahrerin (25) kontrolliert, die auf einem Feldweg eine Baustelle bei Grafenwöhr umfuhr.

Im Auto der Kellnerin fanden die Polizisten zwei Elektroschocker und einen Schlagstock. Dies koste 500 bis 600 Euro Strafe, hatte der 48-Jährige der Tschechin angekündigt; man könne die Sache aber auch anders aus der Welt schaffen. Er schlug ein Treffen vor und führte Onanierbewegungen vor dem Gesicht der Frau aus. Als sich die 25-Jährige weigerte und zahlen wollte, forderte der Polizei sie auf, "alles zu zeigen". Sie zog daraufhin das Kleid hoch und schob den Slip zur Seite. Der junge Kollege (27) stand währenddessen abseits. Die Gegenstände nahm die Streife mit. Sie wurden nie gefunden.

Dass sich die Berufung jetzt derart zog, lag an einem Gutachten, das Verteidiger Rouven Colbatz im Mai angeregt hatte. Sein Mandant leide unter einem stark gesteigerten Sexualverlangen. Möglicherweise sei der Trieb des Mannes in der damaligen Situation nicht steuerbar gewesen. Beauftragt wurde Psychiaterin Dr. Anna-Christina Wunder-Lippert aus Nürnberg.

Dieses Gutachten liegt nun vor. Ströhle fasste das Ergebnis kurz zusammen: Es lägen keine Beeinträchtigungen vor, die zu einer relevanten Verminderung der Schuldfähgikeit führen würden. Also: "keine Punkte" für den Angeklagten.

Für den verheirateten Mann bedeutet das Urteil das Ende seiner Polizeikarriere. Ab einem Jahr Freiheitstrafe scheiden Beamte aus dem Beamtenverhältnis aus. Verteidiger Colbatz merkte noch an, dass der Polizist und seine Familie zusätzlich unter der Berichterstattung gelitten hätten. Die Bild-Zeitung habe für einen Bericht Fotos vom Facebook-Account geklaut. "Mein Mandant ist wie die getriebene Sau durchs Dorf gejagt worden."

Das erste Urteil am Amtsgericht Weiden

Weiden in der Oberpfalz

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