Surfen statt Party: Was die Oberpfälzer Jugend in der "Nacht von Freitag auf Montag" macht

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Die Coronakrise schränkt die Wochenendplanung vieler junger Menschen ein. Lassen sich die Partylöwen der Oberpfalz ihre Feierlaune durch Corona vermiesen oder wird trotzdem gefeiert?

Solche Bilder gibt es derzeit nicht zu sehen. Was macht die Jugend im Coronaherbst?
von Mareike Schwab Kontakt Profil

Wilde Partynächte in Clubs und Diskotheken sind seit Corona erstmal Geschichte. Was macht das partywütige Volk stattdessen in der "Nacht von Freitag auf Montag", wie das Wochenende in einem bekannten Party-Lied genannt wird? Der erste Hinweis findet sich in Pirk bei Weiden. Anfang Oktober eskalierte dort eine Privatparty unter einer Autobahnbrücke. 80 Jugendliche trafen sich zum Feiern, das Ergebnis: vier Verletzte und vier Personen in U-Haft. Wer feiern will, braucht keinen offiziellen Ort. Aus einer kleinen privaten Party kann aber schnell ein öffentliches Event werden. Da sollte es doch vermehrt zu Einsätzen der Polizei kommen.

Illegale Corona-Partys?

Ein Anruf im Polizeipräsidium Oberpfalz ergab: keine besonderen Vorkommnisse im Zusammenhang mit Privatpartys. Die Anzeigen von Ruhestörungen sind jedoch um ein Drittel gegenüber dem letzten Jahr gestiegen. Dieser Anstieg könnte ein Indiz für eine Zunahme von Privatfeiern sein. "Ein konkreter Hauptanlass für den Anstieg ist momentan nicht feststellbar", sagt Kriminalhauptkommissar Dmitri Schreiber.

Auch der Bezirksjugendring Oberpfalz kann nicht genau sagen, wo sich das junge Partyvolk momentan trifft. Viele Jugendzentren haben unter Hygieneauflagen wieder geöffnet, Veranstaltungen und Jugenddiscos finden jedoch nicht statt. "Das momentane Angebot nehmen eher die Jüngeren wahr", sagt Julia Zimmermann vom Jugendzentrum in Weiden. Wer kommt, müsse sich an Regeln halten. Auch hier von wilden Partys keine Spur.

Party in Pirk eskaliert

Pirk

Studentenleben während Corona

Machen die Studenten ihrem Ruf alle Ehre und feiern trotz Corona ausgelassen? "Partys werden definitiv keine organisiert. Das ist in Zeiten von Corona absolut unangebracht", widerspricht Antonia Nägele, ein Mitglied der Fachschaft OTH Amberg-Weiden. Sie seien alle froh, dass der Betrieb an der Hochschule wieder aufgenommen werden konnte. "Das sollte absolut nicht durch Partys gefährdet werden", sagt die Studentin. "Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, mir fehlen die Studentenpartys nicht. Trotzdem muss man die Situation momentan so akzeptieren", gibt Antonia Nägele zu. Die Studentin Anna Golowanj sieht das genauso: "Das Feiern gehen fehlt, aber auch ein Student ist ein Gewohnheitstier, alles eine Frage der Anpassung." Seit Corona konzentriere sie sich stattdessen mehr auf ihr Studium. Das heißt, auch die Studenten sind brav.

Partys auf dem Dorf

Bier auf der Kirwa fällt dieses Jahr ebenfalls flach. Was macht die Dorfjugend stattdessen? "Wir treffen uns immer in Haisln oder Partykellern", sagt ein 18-Jähriger aus dem Landkreis Neustadt. Auch diese Zusammentreffen verlaufen ruhig. "Probleme mit der Polizei hatten wir nie und von illegalen Partys wissen wir auch nix", sagt der 18-Jährige. Dass Diskotheken geschlossen haben, interessiert dort scheinbar auch keinen. "Clubs sind eh nix für uns Dorfkinder. Das ist uns nicht so wichtig. Bei uns ist jeder mit einer kleinen Runde im Haisl zufrieden", sagt der Jugendliche. Der Zwischenfall in Pirk scheint eine Ausnahme gewesen zu sein. Keine großen "Corona-Partys" in der Oberpfalz. Was machen die feierfreudigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen stattdessen?

"Clubs sind eh nix für uns Dorfkinder. Bei uns ist jeder mit einer kleinen Runde im Haisl zufrieden", sagt ein 18-Jähriger aus dem Landkreis Neustadt.

Kuchen backen statt Party

"Während der Corona-Hochphase habe ich sehr viel Zeit mit aufräumen und backen verbracht," erzählt die 23-jährige Lena Würth. Über die Soziale Medien blieb sie mit ihren Freunden in Kontakt. Ein Bier im Videochat ersetze damals den Kneipenabend. Einziges Problem: "Neue Bekanntschaften knüpft man so schwer. Man chattet ja nur mit den Gleichen", sagt Lena Würth. Zum Glück gibt es auch dafür eine digitale Lösung. Die 23-Jährige meldete sich kurzerhand auf einer Online-Dating-Plattform an. Seit Corona wisse sie auch die kleinen Dinge wieder mehr zu schätzen. Sie hat mittlerweile spazieren gehen und lesen im Park wieder für sich entdeckt. "Das Feiern gehen vermisse ich eigentlich gar nicht so doll", gibt Lena Würth zu. Sie geht nun stattdessen gemütlich mit Freunden in ein Restaurant oder in eine Bar. Letzteres sei aber nach der Zwangspause nicht mehr ganz so spaßig. Das bestätigt auch Sebastian Hoffer: "Man steht eher vor der Kneipe, weil ja nicht so viele Leute rein dürfen", sagt der 23-jährige Student aus Regensburg. "Im Sommer trafen wir uns deshalb oft an der Donau." Auf diese Idee ist aber nicht nur Sebastian Hoffer mit seinen Freunden gekommen. Das sorgte dann für ein nächtliches Betretungsverbot von beliebten Regensburger Treffpunkten wie die Jahninsel oder dem Grieser Spitz. Aber auch hier halten sich die "Corona-Partys" in Grenzen.

Langweilig scheint es den jungen Menschen nicht zu sein. Für alles gibt es eine kreative Lösung.

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