Wenn es summt und surrt – ein Garten für Vögel und Insekten

Ein naturnaher Garten bietet Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Viele Gartenbesitzer würden gerne einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten, wissen aber nicht, an wen sie sich wenden können. Landschaftsarchitektin Simone Schaller informiert.

Simone Schaller schätzt die Vielfalt in ihrem Garten.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Weiden. Für die Anlage oder Umwandlung eines Gartens zu einer Oase für Pflanzen und Tiere braucht es weder einen Bagger noch sehr viel Geld. "Bereits kleine Veränderungen können viel bewirken", sagt Simone Schaller. Als Landschaftsarchitektin, Sprecherin der lokalen "Agenda 21" und Mitglied im Landesbund für Vogelschutz (LBV) Neustadt-Weiden weiß sie ganz genau, wovon sie spricht.

Die Ausgangsbeschränkungen der vergangenen Wochen hatten, ihrer Meinung nach auch positive Seiten. Die freie Zeit nutzen viele im eigenen Garten. Der perfekte Zeitpunkt also, um ihn im Sinne des Klima- und Artenschutzes zu optimieren. Gärten, Balkone, aber auch kommunale Grün- und Freiflächen bergen ein enormes Potenzial, um die biologische Vielfalt zu erhöhen. Angesichts des globalen Artenschwunds und der Klimakrise sind vogel- und insektenfreundliche Gärten enorm wichtig.

Schaller ist aufgefallen, dass viele Gartenbesitzer einen Beitrag zur Artenvielfalt leisten wollen. Allerdings fühlen sich viele hilflos und wissen nicht, wen sie konkret ansprechen können.

Umwandlung ohne Bagger

Im ersten Schritt kann der Hälfte der nicht heimischen Strauchbepflanzungen an die Wurzeln gegangen werden. Für die entstandenen Lücken empfiehlt Schaller Heckenrosen, Kornelkirschen, Schwarzen Holunder, oder einen Vogelbeerbaum. Hier gilt eine einfache Regel: Je vielfältiger die Pflanzenauswahl, desto unterschiedlichere Vögel und Insekten werden den Garten besuchen. Früchte und Samen sind die Hauptnahrungsquelle des Kernbeißers. Seine Art zählt zu den größten Finken in Europa.

Mit gleichförmigen, exakt getrimmten Rasenflächen können Vögel und Insekten wenig anfangen. Schaller empfiehlt, diese teils großen Flächen in eine blüten- und artenreiche Wiese umzuwandeln.

Das ist allerdings keine einmalige Arbeit, sondern eine Entwicklung von ein bis zwei Jahren. Der Rasen wird in dieser Zeit nur alle sechs bis acht Wochen gemäht und nicht mehr gedüngt. So wird der Boden "ausgemagert" – eine entscheidende Voraussetzung für die Blumenwiesenaussaat. Ab Mitte März wird der Boden mit einer Bodenfräse umgebrochen. Bei einem bestehenden Garten sind auch nur Teilflächen möglich. Ebenso eignen sich Flächen, welche nicht so häufig genutzt wurden. In den folgenden Wochen sollte der Boden von Unkräutern befreit werden. Zwischen April und Mitte Juni kann dann eine Mischung aus einheimischen Wildblumen eingesät werden.

Zur Artenvielfalt tragen auch sogenannte „wilde Ecken“ bei. Allein durch die Staude der Großen Brennnessel profitieren über 100 Insektenarten. Sie dient den Raupen des Tagpfauenauges oder des Kleinen Fuchses als einzige Nahrungsquelle. Positiver Nebeneffekt: „Im Sommer können wir die schönen Schmetterlinge im Garten beobachten“, so Schaller. Kletterpflanzen bieten ebenfalls einen wichtigen Lebensraum für Vögel und Insekten. Efeu, Kletterrosen, Clematis, Hopfen und Glyzinie können im Topf auch jeden Balkon verschönern.

Bei ausreichender Gartengröße sind dornenreiche Sträucher ein besonders wichtiges Angebot für Vögel. Diese brauchen sie als Nist- und Versteckmöglichkeiten, im Herbst sind ihre Früchte ein wichtiger Teil ihrer Nahrung. Es gibt zum Beispiel zahlreiche Wildrosenarten, die auch den Menschen mit schönen Blüten, wunderbarem Duft und reichem Beerenschmuck erfreuen.

Pflanzenteile als Winterquartier

Abgestorbene Pflanzenteile von Wildstauden, wie zum Beispiel die markhaltigen Pflanzenstängel der Sonnenblumen, Königskerzen oder verschiedener Distelarten, sind wichtig für die Brutzellen von Wildbienen. Die hohlen Stängel der meisten Pflanzen sind ein wichtiges Überwinterungsquartier für Insekten. Das heißt natürlich auch: stehen lassen bis weit ins Frühjahr hinein. Und das auch, wenn es bei schönstem Frühlingswetter oft schwerfällt, die Halme noch nicht abzuschneiden. Sind die Pflanzenstängel abgeschnitten, empfiehlt die Expertin, diese ein paar Tage trocken zu lagern, damit die Insekten noch schlüpfen können.

Ein naturnaher Garten wird zu einem herrlichen Erlebnisgarten, in dem sich nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch Menschen wohlfühlen. „Mit etwas Mut zur Veränderung und Geduld ist das möglich“, sagt die Expertin bestimmt.

Zwischen heimischen Obstsorten und einer nicht gemähten Wiese fühlen sich Vögel und Insekten wohl.
Nahrung des Kernbeißers setzt sich vor allem aus Samen von Laubbäumen und Früchten, aber auch aus Insekten und deren Larven zusammen.
Frühlingspelzbiene auf Lungenkraut
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