Suche nach Atom-Endlager: So könnte die Oberpfalz betroffen sein

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Ende September wird die BGE einen Bericht vorlegen, in dem mögliche Standorte für ein Atommüll-Endlager genannt werden. Auch die Oberpfalz könnte dafür geeignet sein.

Ein Mitarbeiter der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung geht durch das atomare Zwischenlager Gorleben.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung veröffentlicht am 28. September ihren ersten Bericht. Darin genannt werden Regionen in Deutschland, deren Böden bestimmten Kriterien entsprechen, die ein Endlager möglich machen. Drei sogenannte Wirtsgesteine gelten als geeignet: Steinsalz, Tongestein und Kristallingestein wie Granit und Gneis. Alle drei Arten kommen in Deutschland vor, Granit im südlichen Bayerischen Wald, im Fichtelgebirge und bei Flossenbürg (Kreis Neustadt/WN).

In zweieinhalb Jahren müssen per Gesetz alle Reaktoren in Deutschland abgeschaltet sein. Wolfram König rechnet mit 1900 Behältern hochradioaktiven Abfalls aus Kraftwerken und Zwischenlagern. Aber wohin damit? Die Suche nach dem Standort ist aufwendig, "das Verfahren ist weltweit einmalig", sagt König, Präsident des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) bei einem Webinar für Journalisten im Juli. Ein Fehler wie mit Gorleben, das in den 1970er Jahren als Endlager ausgewählt wurde, solle nicht noch einmal geschehen, sagt der Behördenchef. Nach dem Beschluss habe damals keiner mehr gewusst, welche Gründe dafür sprachen.

Entscheidung bis 2031

Daher gibt es ein neues, kompliziertes Verfahren, festgelegt im Standortauswahlgesetz von 2013. Die Entscheidung für einen Standort soll demnach bis 2031 getroffen werden, das Endlager bis 2050 gebaut sein. "Sehr ehrgeizig", findet König den Zeitplan.

Bis dahin sind viele Schritte nötig. Alles soll transparent laufen, jede Phase kontrolliert werden. Fünf Akteure gibt es, am Ende entscheiden Bundestag und Bundesrat, wo das Endlager gebaut wird. Denn "Beton, Stacheldraht und Sicherheitspersonal sind nicht so sicher wie geologische Beschaffenheit und Tiefe", sagt König.

Zwar gibt es in Bayern Atomkraftwerke und nuklearen Müll, doch vor einem Endlager scheut man sich. "In Bayern macht ein Atommüllendlager keinen Sinn. Geologisch gesehen passt Bayern nicht, da das vorhandene Gestein eine deutlich schlechtere Sicherheit aufweist als zum Beispiel Gorleben", sagte Söder. Aber auch der Eintrag in den Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern ("Wir sind überzeugt, dass Bayern kein geeigneter Standort für ein Atomendlager ist.",) nützt nichts.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die für die Endlagersuche beauftragt ist, geht von einer weißen Landkarte Deutschlands aus, in der zunächst das ganze Land für ein Endlager infrage kommt. Der Gesetzgeber hat eine Reihe von Kriterien festgelegt, die ein Standort erfüllen muss. Laut König muss das Endlager für 1 Million Jahre sicher sein. Nach und nach scheiden Regionen aus:

Ungeeignet:

Beschädigte oder gefährdete Regionen fallen raus: Gegenden, in denen sich Bergwerke befinden, Vulkane aktiv waren oder Erdbeben stattfinden könnten, heißt es in einer Broschüre des BASE.

Mindestvoraussetzung:

Das Endlager muss sich in einer stabilen Gesteinsschicht mindestens 300 Meter unter der Erdoberfläche befinden.

Abwägung:

Für die Gebiete, die übrig bleiben, wägt die BGE die Vor- und Nachteile ab. Der Atommüll sollte nicht durch Störungen an die Oberfläche gelangen, das Gestein muss die Wärme, die der Müll abgibt, ableiten können. Weil Granit und Ton Wärme schlechter ableiten, müssen die Abstände zwischen den Atommüll-Behältern größer sein, mehr Platz wird benötigt, erläutert ein Film der BASE. Granit hat aber auch Vorteile: Sollte etwa Eiszeit herrschen und 1000 Meter hohes Eis über den Boden schieben, nimmt es einiges Geröll mit. Bei Granit sei das aber nicht so schlimm.

Platzangebot:

Deutschland ist dicht besiedelt. Das Endlager braucht aber auch überirdisch viel Platz. Besiedelung, Naturschutzgebiete, Kulturdenkmäler sollen berücksichtigt werden.

Im Moment befindet sich die Endlagersuche in Phase 1. Welche Teilgebiete grundsätzlich infrage kommen, veröffentlicht die BGE am 28. September. Allerdings: Dieser Bericht hat "keine bindende Wirkung", sagt Ina Stelljes, Leiterin für Öffentlichkeitsbeteiligung am BASE. Am 17. und 18. Oktober soll eine erste Fachkonferenz zu den Teilgebieten in Kassel stattfinden, bei der Bürger den Zwischenbericht der BGE diskutieren können. Die Fachkonferenz soll bis Juni 2021 dauern. Erkenntnisse daraus sollen in die Arbeit der BGE einfließen, heißt es vonseiten des BASE.

Überirdisch und unterirdisch

Später will das BASE für alle Teilgebiete, in denen Erkundungsbohrungen unternommen werden, für die Bürger vor Ort Regionalkonferenzen organisieren. Sie sollen so lange bestehen, wie die Gebiete im Rennen sind. In den Regionalkonferenzen "können Nachprüfungsanträge gestellt werden", teilt das BASE mit.

In Phase 2 werden die möglichen Standorte überirdisch untersucht, in Phase 3 unterirdisch. Unter anderem sollen Probebergwerke Erkenntnisse liefern. Das BASE übernimmt eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Je nach Ergebnis der verschiedenen Untersuchungen fallen Standorte raus. Am Ende liefert das BASE die Vorschläge, über die Bundestag und Bundesrat bis spätestens 2031 abstimmen. Die Teilgebiete werden hier veröffentlicht: endlagersuche-plattform.de

Info:

Die Beteiligten

  • Bundestag: Der Bundestag entscheidet nach jeder Phase per Gesetz über das Vorgehen. Er trifft auch die Entscheidung über den Standort des Endlagers.
  • Umweltministerium: Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit kümmert sich um die Administration und beaufsichtigt das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung.
  • Bundesamt für Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE): Die Behörde überwacht das Auswahlverfahren des Standorts und organisiert die Beteiligung der Öffentlichkeit. Es prüft die Vorschläge der Bundesgesellschaft für Endlagerung und legt sie dem Bundestag vor.
  • Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE): Das bundeseigene Unternehmenerarbeitet Standortvorschläge und führt die Erkundungsbohrungen durch.
  • Nationales Begleitgremium: In dem Rat sitzen 18 Persönlichkeiten wie Professoren sowie Bürger und begleiten den Auswahlprozess als unabhängige Instanz. Sie sollen zwischen Öffentlichkeit und Akteuren vermitteln.

Intreview mit Marianne Schieder

Wernberg-Köblitz

Besuch im Zwischenlager Mitterteich

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Kommentare

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Dr. Jürgen Spielhofen

Vermutlich wird der Faktor "Akzeptanz bei der Bevölkerung" den Ausschlag geben: wer am wenigsten mault bekommt den "Zuschlag". Fürchte, das wird die Oberpfalz sein!

26.09.2020
Hilde Lindner-Hausner

Wer letztens die ausgestrahlt-Wanderausstellung Atomklo Oberpfalz gesehen hat, konnte auf der Karte sehen, dass es bei uns Granit nicht nur dort gibt, wo man ihn sieht. Im Landkreis Neustadt und Weidener Stadtgebiet gibt Granitvorkommen. Montag wissen wir mehr - es ist sehr wahrscheinlich, dass Landkreis NEW und Stadt Weiden bei den von der Suche betroffenen Gebieten sind. . Ob ein sicheres unterirdisches Lager gebaut werden kann ist sehr fraglich und ob die ausgwählten Standorte ein Endlager akzeptieren ist keineswegs wahrscheinlich...

26.09.2020