Strafzinsen statt Sparen: "Es wird noch lange Zeit mau aussehen"

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Manch einer erinnert sich, dass Sparen einst mit Zinsen belohnt wurde. Ein Gespräch mit Ralph-Joachim Götz, dem Direktor der Deutschen Vermögensberatung über alte Zeiten und alternative Möglichkeiten Vermögen anzuhäufen.

Für Sparer, die auf Zinserträge hoffen, sieht es derzeit schlecht aus. Laut Ralph-Joachim Götz dürfte das noch eine ganze Weile so bleiben.
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Corona-Krise und Negativ-Zinsen hin oder her: „Die Sparquote der privaten Haushalte stieg im 2.Quartal 2020 rasant auf über 21 Prozent", beobachtet Ralf-Joachim Götz. Der Direktor und Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung AG (DVAG) weiß, wovon er spricht. Seine Gesellschaft verzeichnet das fünfte Rekordjahr in Folge mit einem Umsatzzuwachs von 19,4 Prozent im Jahre 2019.

ONETZ: Wer spart, ist der Dumme: Wird der Weltspartag am 31. Oktober zum neuen Volkstrauertag für die Sparer, Herr Götz?

Ralf-Joachim Götz : (lacht): Da kann ich nicht widersprechen. Man muss den Kindern und Jugendlichen erst erklären, was es mit Sparzinsen ehedem auf sich hatte. Für Sparer wird es wahrscheinlich noch lange Zeit mau aussehen, was Zinserträge angeht. Der Zins ist der Preis des Geldes, und der ist derzeit außer Kraft gesetzt. Ich plädiere dafür, den Weltspartag in Weltanlagetag umzubenennen, denn es gibt sie auf anderem Wege, die Vermögensbildung.

ONETZ: Sparen selber wird nicht nur nicht belohnt, sondern bestraft…

Ja, immer mehr Banken und Sparkassen verlangen nicht nur Strafzinsen auf Einlagen, sondern drehen auch an der Gebührenschraube. Man muss heute mitunter Geld bezahlen, wenn man es zur Bank bringt. Die Lebensversicherung erlebt da eine Renaissance, das Neugeschäft stieg bei der Deutschen Vermögensberatung 2019 um 11,1 Prozent. Sicherlich sind auch bei Lebensversicherungen Renditen geschrumpft, aber sie sind ertragreicher, als das Geld auf dem Girokonto zu parken. Lebensversicherungen können mit positiven Verzinsungen und lebenslangen Rentenzahlungen aufwarten.

ONETZ: Sie sprechen vom Weltanlagetag und tatsächlicher Vermögensbildung?

Wir stellen beispielsweise ein signifikant erhöhtes Interesse an Investmentfonds fest. Das vermittelte Fondsvolumen wuchs bei der Deutschen Vermögensberatung um fast 26 Prozent. Aktiv gemanagte Aktienfonds können langfristig gute Renditen erwirtschaften. Ein Aktienfonds empfiehlt sich nicht, um für den nächsten Urlaub zu sparen. Allerdings sehe ich Aktienfonds-Sparpläne als attraktive Möglichkeit für die private Altersvorsorge, deren Bedeutung immer noch viele Menschen unterschätzen.

ONETZ: Bei Fonds schmälern der Ausgabeaufschlag (meist 5 Prozent) und die jährliche Verwaltungsgebühr von mehreren Prozent die in Aussicht gestellten Renditen. Da bleibt – unterm Strich - oft nicht mehr als ein bescheidener Inflationsausgleich.

Der Ausgabeaufschlag bei Fonds erfolgt nur einmalig, bei einer längeren Halteperiode verteilen sich die von Ihnen genannten 5 Prozent also auf viele Jahre.

ONETZ: Einen Spitzenwert mit einem Plus von 11,5 Prozent erzielten Baufinanzierungen bei der Deutschen Vermögensberatung. Bauzinsen bewegen sich derzeit nahezu auf einem Allzeittief. Müssen Immobilien durch die Corona-Krise einer Neubewertung unterzogen werden?

Die zumindest temporäre Verlagerung vieler Arbeitsplätze ins Homeoffice hat bei vielen Menschen den Wunsch nach einer eigenen bzw. größeren Immobilie verstärkt und entsprechenden Beratungsbedarf ausgelöst. Bei weniger Pendlerbewegungen spielt die räumliche Nähe zum Arbeitsplatz einer geringere Rolle. Davon profitieren Immobilien-Standorte im Speckgürtel und im Umland der Metropolen.

ONETZ: Gleichzeitig nehmen die Leerstände bei Gewerbeimmobilien weiter zu. In Amberg und Weiden warten dem Vernehmen nach mehrere 10 000 Quadratmeter Büroflächen auf Vermietung. Wie geht es mit der Wirtschaft weiter?

Gewerbeimmobilien sind eine andere Sache. Hier wirkt die Corona-Krise dämpfend. Zahlreiche Unternehmen berechnen den künftigen Bedarf ihrer oft teuren Büroarbeitsplätze neu. Corona ist Treiber und Verstärker bereits bestehender Trends. Durch die fortschreitende Digitalisierung werden jene profitieren, die online unterwegs sind. Logistiker und auch das Gesundheitswesen sind gefragt, der stationäre Einzelhandel hat es teilweise schwer. Auf der einen Seite werden aus Umweltschutzgründen Autos zunehmend aus Innenstädten verdrängt. Andererseits sind bei der Ansteckungsgefahr in der Corona-Krise Menschen besorgt, wenn sie Busse oder Bahnen benutzen sollen. China wird für Deutschland als Exportmarkt noch wichtiger. Während die Weltwirtschaft schrumpft, zieht die Konjunktur in China wieder an.

ONETZ: Was kommt auf die Verbraucher im nächsten Jahr zu?

Nachdem die Verbraucherpreise im September um 0,2 Prozent gefallen sind, dürften sie im Januar 2021 wieder deutlich steigen. Dann läuft nämlich die zeitweise Senkung der Mehrwertsteuersätze von 19 auf 16 bzw. von 7 auf 5 Prozent aus. Dazu kommt die Einführung der CO2-Steuer auf fossile Energien.

ONETZ: Und zum Schluss die Frage nach Edelmetallen, nachdem die selbsternannten Weltuntergangspropheten wieder einmal den „größten Crash aller Zeiten“ vorhersagen…

Seit Anfang Januar ist der Goldpreis in Euro um 20 Prozent gestiegen. Allerdings schwanken Notierungen stark. Bei kleinen Münzen kann es saftige Aufschläge geben. Ein regelmäßiger Goldsparplan kann als Beimischung für den Vermögensaufbau dienen. Allerdings bringen Edelmetalle keine Zinsen. Weltweit sind sie begehrt und knapp. Das macht sie wertvoll.

Geld anlegen in Zeiten von Niedrigzinsen

Kemnath
Ralph-Joachim Götz ist Direktor der Deutschen Vermögensberatung.
Info:

Was ist die Deutsche Vermögensberatung?

Die in Frankfurt ansässige Deutsche Vermögensberatung betreut in der nördlichen und mittleren Oberpfalz mit 170 hauptberuflichen Beratern mehr als 80 000 Kunden. Mit über 5 000 Direktionen und Geschäftsstellen berät sie deutschlandweit rund 8 Millionen Kunden zu den Themen Finanzen, Vorsorge und Absicherung. Die DVAG ist Deutschlands größte eigenständige Finanzberatung.

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