Oberpfälzer Schulen auf Ernstfall vorbereitet

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Ein besonderer erster Schultag: Nach einem halben Jahr Corona-bedingter Unterbrechungen kommen Bayerns Schüler wieder in voller Klassenstärke zusammen. Doch wie gut sind die Schulen auf den Ernstfall vorbereitet?

Schultüten auf den Schulbänken. Der große Tag der ABC-Schützen unter besonderen Bedingungen.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Unsere Breitbandausstattung ist in vielen Regionen steinzeitmäßig", kritisierte die Regensburger Landtagsabgeordnete Margit Wild. "Fast die Hälfte der Schulen haben gerade mal eine DSL-Geschwindigkeit von 16 Mbit/Sekunde, 50 Schulen gar keinen Internetanschluss", stellt die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion infrage, dass der Freistaat auf digitalen Unterricht gut vorbereitet sei. Das will Bayerns Finanzminister Albert Füracker so nicht stehen lassen: 99 Prozent der öffentlichen Schulen in der Oberpfalz verfügen bereits über mindestens 30 Mbit/s", korrigiert der Oberpfälzer CSU-Vorsitzende. "Nur bei einzelnen Schulen steht eine Inbetriebnahme noch aus."

Kommentar: Kritik an der Schulpolitik ist erlaubt, in der Corona-Krise kann aber niemand erwarten, dass alles rund läuft.

Bayern

Den Lupburger (Landkreis Neumarkt) ärgert, dass der Eindruck erweckt werde, die Staatsregierung tue nichts. "48 Prozent, das sind 2282 Schulen, rüsten derzeit mit FTTB (Anm. der Red.: Fibre-to-the-Building, auf deutsch "Glasfaser bis zum Gebäude") auf." Obwohl die Kommunen, nicht der Freistaat Sachaufwandsträger sei, habe Bayern seit 1. Juni 2018 sein eigenes Förderprogramm für Glasfaseranschlüsse an öffentlichen Schulen, Plankrankenhäusern und Rathäusern (GWLANR) aufgelegt. "Je nach Kommune liegen die Fördersätze bei 80 bis 90 Prozent."

Glasfaserausbau auf Hochtouren

Der Stand des Ausbaus von schnellem Internet an Bayerns Schulen.

Der Glasfaserausbau an Schulen laufe auf Hochtouren: "95 Prozent der öffentlichen Schulen in Bayern, also 4535 Schulen, sind bereits mit Glasfaser versorgt oder haben zumindest die Glasfasererschließung angegangen." Dafür habe Bayern bereits mehr als 43 Millionen Euro investiert. "Die Entscheidung liegt im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung allerdings bei den Gemeinden selbst", sagt Füracker. "Daher mein dringender Appell an die Aufwandsträger: Nutzen Sie unser Förderprogramm und bringen Sie Ihre Schulen schnellstmöglich an das Glasfasernetz!"

In keinem anderen Bundesland seien ländliche Gemeinden ähnlich gut versorgt wie in Bayern: "Wir sind mit einem Versorgungsgrad von 90 Prozent mit deutlichem Abstand Spitzenreiter", sagt Füracker. Das 2014 gefasste Ziel der bayerischen Staatsregierung, bis Ende 2018 die Glasfaser bis in alle bayerischen Gemeinden zu bringen, sei erreicht worden. "Und dennoch geben wir uns damit nicht zufrieden." Mit den 1,1 Milliarden Euro aus dem Förderprogramm würden über 780.000 Haushalte mit schnellem Internet (mind. 30 Mbit/s) versorgt, davon über 139.000 direkt mit Glasfaser bis ins Haus. "Mit unserer konkreten Ausbaudefinition haben wir es als erstes Land erreicht, dass wir Glasfaser auch dort EU-konform fördern dürfen, wo die 30 Mbit/schon erreicht sind - das geht nicht in Hessen, nicht in Schleswig-Holstein, sondern nur in Bayern."

Rupprecht: "Schnellmaßnahmen"

Parallel bemühen sich der Weidener Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht und der Weidener Landtagsabgeordnete Stephan Oetzinger (beide CSU) um ad-hoc-Maßnahmen für den Schulbeginn unter Corona-Bedingungen. "Der Bund stellt 6 Milliarden Euro zur Verfügung", sagt Rupprecht. Aber nicht die Infrastruktur allein sei entscheidend, sondern das Bildungskonzept. Sofortmaßnahmen bei Schulen mit langsamem Internet seien kaum erfolgversprechend: "Der Realisierungszeitraum beträgt 48 Monate." Auch bei Hardware-Anschaffungen seien oft EU-weite Ausschreibungen zwingend.

In Gesprächen mit Ministerpräsident Markus Söder und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek habe er sich für ein Corona-Schnellprogramm stark gemacht: "Das Ergebnis ist eine Milliarde Euro zusätzlich zur Unterstützung der Digitalisierung an Schulen." Man wolle dabei pragmatisch bei den einzelnen Lehrern ansetzen: "Die wissen am besten, was sie brauchen, um den Unterricht besser hinzubekommen." Zusammen mit der Schule sollten sie einen Anforderungskatalog formulieren, der in die Gesamtstruktur einfließe. Oetzinger habe dafür eine pauschalisierte Lösung ins Gespräch gebracht, die eine Ausschreibung überflüssig mache: "Die Schule schickt einen Antrag nach Berlin, wenn das vernünftig ist, machen wir einen Haken dahinter."

Schulamtsdirektorin Söllner optimistisch

Die Neustädter Schulamtsdirektorin Christine Söllner sieht vor diesem Hintergrund dem Schulanfang optimistisch entgegen: "Die Schulen im Landkreis Neustadt/Waldnaab und der Stadt Weiden sind gut ausgestattet, die Lehrer haben sich bestens vorbereitet, und mit Mebis steht uns eine stabile Lernplattform zur Verfügung." Die Leihgeräte stünden an der Schule zum Abholen bereit.

Mit den angeworbenen Teamlehrkräften, habe sie bisher gute Erfahrungen gemacht: "Das sind in unserem Bereich bisher fünf motivierte Leute, ein Diplom-Ingenieur, Frauen, die in der Babypause zu Hause waren." Sie würden als rechte Hand der regulären Lehrkraft einer Klasse in Grund- und Mittelschulen zugeordnet.

Schulbeginn:

So soll das neue Schuljahr gelingen

  • Für 1,64 Millionen Kinder in Bayern startet heute der Unterricht. Dieses Jahr sind 115 300 Abc-Schützen dabei.
  • An einigen Grundschulen dürfen drei Angehörige das neue Schulkind begleiten, an anderen kein Elternteil.
  • Mit 1000 zusätzlichen Stellen und 4700 neuen Lehrern sollen die Pensionisten ersetzt werden.
  • Etwa 4000 der 120.000 Lehrer zählen zu Risikogruppen. Sie sollen daheim korrigieren, Material konzipieren und „Teamlehrkräfte“ unterstützen – Aushilfslehrer mit Hochschulabschluss.
  • Über 20.000 Lehrer in Bayern absolvierten in den vergangenen Wochen Online-Schulungen.
  • Am Montag startete die Online-Fortbildung „Lernen zu Hause“. Ein Aufbaumodul „Mediendidaktik“ ist seit Beginn der Sommerferien online abrufbar.
  • In der zweiten Woche nimmt die Stabsstelle „Medien.Pädagogik.Didaktik.“ ihren Dienst auf. Geplant ist ein wöchentliches Programm mit freiwilligen Lehrerfortbildungen.
  • Der Freistaat stellt 370 000 Leih-Tablets und -Laptops für Lehrer und Eltern zur Verfügung.
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