Nur für Mannsbilder? - Männertraditionen in der Oberpfalz

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Männer-Traditionen und Männervereine: Bereiche in unserer Gesellschaft, die für Frauen immer noch tabu sind. Die gibt es auch in der Oberpfalz. Und das soll auch so bleiben – wenn es nach den Männern geht.

Kötztinger Pfingstritt: Die Prozession mit rund 900 Reitern zählt zu den ältesten bayerischen Brauchtumsveranstaltungen. Bei dem Bittgang reiten traditionell nur Männer von Bad Kötzting zur rund sieben Kilometer entfernten Nikolauskirche in Steinbühl.
von Mareike Schwab Kontakt Profil

Viele Traditionen bestehen schon seit hunderten von Jahren - ganz ohne Frauen. In Zeiten von Frauenquote und Gleichberechtigung stehen Männervereine und Männertraditionen immer häufiger in der Kritik. Eine Frau klagte Ende August gegen die Tradition des Memminger Fischertags und bekam Recht. Der Ausschluss von Frauen sei eine "unzulässige Diskriminierung", lautete das Urteil. Für viele Frauen ein Fortschritt in Sachen Gleichberechtigung. Dieses Urteil könnte auch Folgen für Traditionen und reine Männervereine in der Oberpfalz haben. Davon gibt es einige. Doch stören sich die Oberpfälzerinnen überhaupt daran?

Gesangsvereine und Knabenchöre

Musizieren ohne Frauen. Das prominenteste Beispiel sind wohl die Regensburger Domspatzen. Im Domchor singen seit der Gründung nur Knaben oder junge Männer mit. Auch in Zukunft soll das so bleiben. "Der Knabenchor ist eine eigene Gattung", erklärt Marcus Weigl, Pressebeauftragter der Regensburger Domspatzen. Weigl bezieht sich mit dieser Aussage auch auf das Urteil eines Berliner Gerichts. 2019 versuchte eine Rechtsanwältin, ihre Tochter in den Berliner Staats-und Domchor zu klagen. Das Gericht wies dies ab. Begründung: "Recht auf Kunstfreiheit" .In Regensburg seien bis jetzt keine vergleichbaren Beschwerden eingegangen, so Weigl. Als "Männerbastion" wollen sie aber nicht bezeichnet werden. "Wir haben viele Frauen im Haus. Chorleiterin, Lehrerinnen und Erzieherinnen. Und das ist auch gut so", sagt Weigl. Seit 2019 gibt es in Regensburg eine Mädchenkantorei, zwar noch längst nicht so berühmt wie die Knaben, aber eine Alternative für Mädchen. Mitgliederanfragen von Jungen hätten sie genug, so Weigl, also seien sie auch nicht gezwungen, über ein neues Konzept nachzudenken.

Anders sieht es bei Männergesangsvereinen in ländlicheren Gegenden aus. In Schmidmühlen (Kreis Amberg-Sulzbach) dürfen zwar Frauen dem Verein beitreten, mitsingen dürfen sie aber nicht. Seit Jahren werden dort die Mitglieder weniger, Nachwuchs ist beim "Liederkranz" rar. "Der Männergesangsverein ist selbst schuld, wenn er ausstirbt. Sie können ja einfach einen gemischten Gesangsverein daraus machen", sagt Jutta Weigert. Als Mitglied des Vereins macht sie sich schon lange dafür stark, dass Frauen mitsingen dürfen. Anders als in anderen Gemeinden der Oberpfalz gibt es in Schmidmühlen keinen reinen Frauenchor.

Urteil: Gleichberechtigung am Memminger Fischertag

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Von Wirtshaus zu Wirtshaus

Nicht nur im Gesangsverein möchten die Schmidmühlener Männer unter sich bleiben. Bei dem traditionellen Fischzug am Aschermittwoch dürfen nur Männer von Wirtshaus zu Wirtshaus ziehen. In anderen Gemeinden wird die Schmidmühlener Tradition mittlerweile nachgeahmt, dort darf aber jeder mitlaufen. Auch Frauen. "Unser Fischzug soll eine Besonderheit bleiben", sagt Bürgermeister Peter Braun. Für das Festhalten an dieser reinen Männer-Tradition bekomme der Bürgermeister zwar öfter mal Seitenhiebe von Frauen, aber ernstzunehmende Beschwerden seien noch nicht eingegangen, so Braun. "Bei diesem Saufmarathon will ich auch gar nicht mitmachen", sagt Jutta Weigert. Für die Damen wurde deshalb als Ausgleich das "Hexentreiben" eingeführt.

Eine weitere bekannte Männer-Tradition der Oberpfalz ist der Kötztinger Pfingstritt. Seit mehr als 600 Jahren ist er eine reine Männerwallfahrt. "Das soll auch so bleiben", sagt der Kurdirektor von Bad Kötzting, Sepp Barth. Der Legende nach haben Kötztinger Burschen den Priester bei einer Krankensalbung, dem Versehgang, begleitet und beschützt. Sie haben dabei das Gelöbnis ausgesprochen, dass sie bei einer glücklichen Heimkehr diesen Ritt alle Jahre wiederholen. "Unser Pfingstritt ist deshalb bis heute eine reine Männerwallfahrt", erklärt Barth. Bis jetzt habe sich daran noch kein Mädchen und keine Frau gestört. Nach dem Ritt steht bei der "Pfingsthochzeit", eine symbolische Zeremonie, jedes Jahr eine junge Bürgerin als "Pfingstbraut" im Mittelpunkt. Auch dabei werden die Frauen nicht ganz ausgegrenzt.

Während das Bistum Regensburg sich nicht über mangelnde Kirchenchöre beklagen kann, fehlt in vielen anderen Gemeinden der Oberpfalz der Nachwuchs. Ein gemischter Chor ist aber oft keine Option.

Männer unter sich

Katholische Männervereine, Bergknappenvereine, Burschenschaften und Studentenverbindungen - davon gibt es in der Oberpfalz einige. In Kastl bei Kemnath gibt es seit 2016 wieder eine Burschenschaft. "Unser Verein beruht auf einer alten Dorftradition, mit Studentenverbindungen haben wir nichts zu tun", sagt Patrick Meyer, Vorstandsmitglied der Burschenschaft Kastl. Die jungen Männer haben sich in dem Verein zusammengeschlossen, um die Traditionen in der Gemeinde wieder aufleben zu lassen. Sie organisieren Kirwa, Faschingsbälle, Dorffeste und andere Veranstaltungen im Dorf. Frauen sind bislang noch nicht Mitglied. "Es heißt ja auch Burschen", so Meyer. Steht Arbeit an, dürfen die Frauen und Freundinnen der Burschen aber gerne mithelfen.

Bis jetzt habe sich auch noch keine Frau daran gestört. "Das könnte daran liegen, dass es in Kastl auch einen Frauenbund gibt", vermutet Meyer. Der Verein in Kastl sei sowieso schon eine moderne Burschenschaft. Entgegen der Tradition dürfen nicht nur Bürger von Kastl mitmachen. Auch eine Öffnung für Frauen sei in Zukunft denkbar. Über den Mitgliedsantrag einer Frau würde, genau wie bei einem Mann, im Rahmen der Vorstandschaft beraten werden. "Wir würden uns nicht verschließen", sagt Meyer.

Kommentar: Fischzug in Schmidmühlen

Schmidmühlen

Frauen brechen ein Tabu

2012 wagten es 13 Frauen im Regensburger Stadtteil Prüfening, erstmals beim Maibaumstellen Hand anzulegen. Das sorgte damals für Empörung. Der Fischerverein sagte spontan seine Teilnahme ab. Aber die "Maibaum-Rebellinnen" aus Prüfening scheinen damit die einzigen Oberpfälzerinnen zu sein, die solch einen Tabubruch wagen. An anderen Traditionen scheinen sich die Frauen nicht zu stören - sagen die Männer.

Der traditionelle Fischzug in Schmidmühlen (Kreis Amberg-Sulzbach) hat seine Ursprung vermutlich im 18. Jahrhundert.

Fischzug in Schmidmühlen 2020

Schmidmühlen

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