Ein Lichtblick für die Kirche und viele Menschen

Ein charismatischer Pfarrer ist schuld. Weil er so schöne Geschichten erzählt, geht die damals sechsjährige Jutta Schaller jeden Sonntag zum Gottesdienst. Sie bleibt ihrer Kirche treu - und wird zu einem Lichtblick für viele Menschen.

Das Ehepaar Schaller und seine kurdischen Freunde: Hans Schaller, Jutta Schaller, Ruya, Chalak, Raman, Belana; mit im Bild Dekan Dr. Wenrich Sleczka (von links).
von Gabi EichlProfil

Jutta Schaller (70) ist seit zehn Jahren in Rente und entspricht als Rentnerin dem Klischee der rastlosen Seniorin. Nur dass sie als solche nicht etwa einem Hedonismus im Alter frönt, sondern einen großen Teil ihrer Zeit wie schon vorher im Arbeitsleben weiterhin ihrer evangelischen Kirche schenkt und darüber hinaus als Folge ihres Verständnisses von gelebtem Glauben Menschen, die Hilfe brauchen. In diesem Engagement ist sie sich einig mit ihrem Mann Helfried Hans (73), einem pensionierten Realschullehrer.

Der Weidener Dekan Dr. Wenrich Slenczka hat Jutta Schaller für die Aktion „Mein Lichtblick“ der Oberpfalz-Medien vorgeschlagen. Und allein schon die Litanei, die Slenczka aufzählt, um Schallers ehrenamtliche Dienste für die Pfarrei St. Michael zu beschreiben, ist stattlich: 13 Jahre Mitglied des Kirchenvorstands, als Kirchenpflegerin Verwalterin der Finanzen der großen Kirchengemeinde, Lektorin bei Gottesdiensten, Helferin beim Weltgebetstag der Frauen und vielen anderen Veranstaltungen der Gemeinde, Austrägerin des Gemeindegrußes, Mitinitiatorin des Cafés Farbenfroh.

Dass Jutta Schaller für ihre Kirchengemeinde St. Michael ein Lichtblick ist, ist keine Frage. Das betont auch der Dekan. Aber Schaller wird in ihrem Engagement auch ganz konkret, scheut dabei auch das Unbequeme nicht. Die Integration von nach Deutschland Geflüchteten ist ihr seit Jahren ein Anliegen. Sie gibt einmal einer Russin Deutsch-Unterricht, nimmt sich ein anderes Mal zweier junger Männer aus dem Iran an. Seit 2015, jenem Jahr, in dem Deutschland eine Willkommenskultur zelebriert, kümmert sich Jutta Schaller zusammen mit ihrem Mann ganz intensiv und sehr persönlich um eine kurdische Familie aus dem Irak.

Jutta Schaller:

Jutta Schaller hat vom Vater die Technikbegeisterung geerbt und will nach der Schule auch zu Siemens. Sie fügt sich aber den Umständen und lernt „etwas Vernünftiges“, schlägt die Beamtenlaufbahn in der Justiz ein. Schon sehr früh stellt sie fest, dass das nicht ihr Weg sein kann. Und sie landet schnell bei „ihrer“ evangelischen Kirche. Als Verwaltungsangestellte des Dekanates kümmert sie sich um Arbeitsrecht und Dienstverträge, die letzten zehn Jahre vor der Rente stellt sie sich noch einmal einer Herausforderung und wechselt in den kirchlichen Verwaltungsdienst in Bayreuth. Seit sie im Ruhestand ist, die beiden Söhne sind aus dem Haus, ihr Mann wie sie in Pension, steht sie ihrer Pfarrei ehrenamtlich zur Verfügung - und das nicht weniger als vorher.

Jutta Schaller hat eigenem Bekunden nach nur gute Erfahrungen mit ihrer Kirche gemacht seit der frühen Begeisterung für den Pfarrer ihrer Heimatgemeinde, einer Kleinstadt in der Nähe von Hof. Schaller selbst spricht von einem „guten Fundament“. Damit begründet sie, warum sie dieser Kirche sehr gern ihr Arbeitsleben lang gedient hat und warum sie das seit ihrer Verrentung auch ehrenamtlich in diesem Ausmaß tut. Es ist aber der christliche Glaube, der sie irgendwann dazu bringt, die betreute kurdische Familie aus dem Irak an Weihnachten nach zu Hause einzuladen. Ein sehr intimer Akt zu einer ganz besonderen Zeit. Inzwischen sind Chalak Abdelmajeed, seine Frau Belana und die Kinder Ruya und Raman längst keine „Betreuten“ mehr, sondern Freunde der Familie. Hans Schaller gibt Belana fast täglich Deutsch-Unterricht; Jutta Schaller begleitet Chalak und Belana zu Behörden, sie hat für Raman einen Kindergartenplatz organisiert. Sie ist für die Familie ein verlässlicher Ansprechpartner, sie sehen sich mehr oder weniger täglich. Die Familie hat im Moment noch das Problem, nicht anerkannt zu sein; das Ehepaar Schaller hilft nach Kräften, den kräftezehrenden Schwebezustand zu beenden.

Serie "Mein Lichtblick":

Zum 25. Jubiläum der Aktion "Lichtblicke" hatten Oberpfalz-Medien Menschen gesucht, die sich besonders sozial engagieren. Viele wurden von Lesern als "Mein Lichtblick" vorgeschlagen. Wir stellen die Menschen vor, welche von einer Jury ausgewählt wurden. Oberpfalz-Medien stiften je 500 Euro zur Erfüllung eines Wunsches.

Der evangelische Dekan Dr. Wenrich Slenczka (links) hat Jutta und Hans Schaller als "Lichtblicke" vorgeschlagen.
Die Kirchenpflegerin Jutta Schaller sitzt aktuell über der Nebenkostenabrechnung der Kirchengemeinde - ehrenamtlich.
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